Zusammenwachsen im Welpenkurs

Zusammenwachsen im Welpenkurs

Eigentlich hat „Easy“ ihn schon hinter sich, den Welpenkurs. Das kleine Einmaleins eines gut erzogenen und überall gern gesehenen Großstadthundes ist der sympathischen verspiel- ten Beaglehündin längst in Fleisch und Blut übergegangen, und Frauli kann sich über die unzähligen Komplimente der Mitmenschen im Großstadtalltag freuen, dass es ihr gelungen ist, einen vermeintlich doch so schwer erziehbaren Beagle zu einem folgsamem Begleiter an ihrer Seite zu formen, der ihr ebenso vertrauensvoll wie aufmerksam auf Schritt und Tritt folgt. „Easy“ hat schon lange gelernt, ihrer Besitzerin an lockerer Leine zu folgen oder in Ruhe abzuwarten, bis diese ihr ihre Aufmerksamkeit schenkt. Nur wenn sie an die Stätte ihrer ersten Lernerfolge zurückkehren darf, dann plötzlich hat auch „Easy“ es ganz ganz eilig und kann kaum schnell genug mit Frauchen auf den „Abenteuerspielplatz“ zurückkehren, wo sie einst die ersten gemeinsamen großen Herausforderungen meisterten.

Ein „Welpenspielplatz“ der anderen Art
Betritt man den Wiener Kursraum der Welpenstunde der beiden Tierärztinnen Dr. Nora Marx-Dawid und Dr. Wiebke Bielenberg, so mag das teils ungewöhnliche und eher an einen Kindergarten für Menschen- denn für Hundekinder erinnernde Inventar im ersten Moment ein wenig verwundern. Schaukelpferd und Schubkarre fehlen dort ebenso wenig wie ein Skateboard oder ein schlittenähnliches Gebilde. Freilich, auch der bekannte Hundetunnel findet sich wieder, und natürlich das Gitterrost, das zu betreten für so manchen Vierbeiner ein schier unüberwindbares Hindernis darstellt und damit für den Besitzer gravierende Probleme im Alltag hervorrufen kann. Hier lernt „Hund“ direkt am Eingang zum viel geliebten „Welpenspielplatz“ ganz selbstverständlich und nahezu unbemerkt, diesen ungewohnten Untergrund zu überqueren.

Sozialisierung ist unverzichtbar
Bei Hundekindern ist es nicht viel anders als bei menschlichem Nachwuchs: Eine rechtzeitige und altersgerechte Förderung erleichtert so manches und ermöglicht später eine adäquate Reaktion auf viele Herausforderungen, die das Leben mit sich bringt. Dazu bedarf es nicht nur eines gesunden Selbstvertrauens, sondern auch einer problemlosen Eingliederung in die Gemeinschaft; es sind dies Voraussetzungen, die einem gut sozialisierten Welpen einen optimalen Start ins Leben ermöglichen. So steht denn auch die Sozialisierung mit all ihren Facetten im Mittelpunkt der Welpenspielgruppen der beiden engagierten Tiermedizinerinnen: Die Umweltgewöhnung sowie gute Manieren im Umgang mit Menschen aller Altersstufen. Und während die Hundekinder im gemeinsamen Spiel in einer kleinen Gruppe gleichaltriger Welpen den „Hundeknigge“ studieren und den höflichen Umgang untereinander üben, das so wichtige Verständnis für die Mimik und Körpersprache anderer Hunderassen, ob sie nun größer oder kleiner sind, Zottelfell oder faltige Gesichter haben, richtig zu deuten lernen, erfahren die Besitzer vieles über die Körpersprache der Hunde und lernen, Verhaltensmuster zu durchschauen, zu verstehen und später gegebenenfalls frühzeitig zu durchbrechen.

Vertrauen und Bindung
Wenn Herrchen oder Frauchen den vierbeinigen Schatz dann aus dem ausgelassenen Spiel heraus wieder zu sich ruft, und der Welpe seinen Besitzern freudig entgegenspringt, so ist dies nicht nur eines der schönsten Erfolgserlebnisse, sondern vor allem Ergebnis einer Arbeit, in deren Zentrum die Begriffe Vertrauen und Bindung stehen. Das gemeinsame Kennenlernen und Erkunden neuer Situationen, das gemeinsame Bestehen der vielen kleinen „großen“ Herausforderungen in diesem Hundekindergarten schaffen Vertrauen! Vertrauen, das der Welpe seinem Besitzer gegenüber entwickelt, der ihn in unbekannten und ungewöhnlichen Situationen sicher zum Ziel führt. Vertrauen, das letztlich die optimale Bindung schafft, mit der der Hund seinem Besitzer später auch in den unterschiedlichsten Alltagssituationen bedingungslos folgt, denn er hat längst gelernt, dass er sich auf seinen Menschen verlassen kann. So weiß auch „Easy“ seit Welpentagen, dass der „Ritt“ auf einem wackeligen Schaukelpferd eine Selbstverständlichkeit darstellt, und hat damit gelernt, dass auch unbefestigte bewegliche Untergründe kein Grund sind, in Panik oder Stress zu geraten, sondern dass sie sich immer und in jeder Situation auf Frauchen verlassen kann. Aus dem Blickwinkel der Welpen sind es spannende Abenteuer und großartige Herausforderungen, die es hier gemeinsam mit den Menschen an ihrer Seite zu bestehen gilt. Die jungen Hunde lernen dabei ganz selbstverständlich, ihre Konzentration trotz Ablenkung auf ihre Menschen zu fixieren, ihre menschlichen Partner nicht aus den Augen zu lassen, und der leitenden (Futter-)Hand die uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu widmen.

Verhalten formen
Neben den vielen Aufgaben, die körperliche Geschicklichkeit und Selbstvertrauen verlangen, bietet die Welpenspielstunde auch Übungen, die eine geistige Herausforderung für den Welpen oder Junghund darstellen: „Sammy“ beispielsweise soll lernen, einen Gegenstand in den Fang zu nehmen und ihn später bereitwillig zu seinem Besitzer zu bringen. Diese Apportierübungen stellen für den Welpen ebenso wie später für den im Hundesport aktiven Vierbeiner eine vielgliedrige Aktionskette dar, die es in vielen kleinen Teilschritten zu erlernen gilt. Bei Dr. Marx-Dawid und Dr. Bielenberg leisten nicht zuletzt der Klicker und das damit verbundene Training wertvolle Dienste, das gewünschte Verhalten zu formen, indem schon erste Ansätze wie das Berühren des Gegenstandes mit der Schnauze, mit dem bekannten Klick bestätigt und damit positiv verstärkt wird.

„Wir sind ein unschlagbares Team“
Bei der gemeinsamen Beschäftigung in der Welpenspielstunde steht damit neben einer alltagstauglichen Sozialisierung der Welpen die Bildung einer harmonischen Mensch-Hund-Beziehung im Mittelpunkt, an deren Ende im Idealfall ein Team steht, das den Herausforderungen des Alltags und des Großstadtlebens in jedem Moment gewachsen ist. Hier geht es in dieser Alters- und Entwicklungsstufe überhaupt nicht darum, die Bedeutung der klassischen Kommandos zu erlernen, und so werden denn auch keinerlei Worte verwendet, denen der Welpe später vielleicht im hundesportlichen Bereich begegnen wird. Hier werden Vertrauen und eine bedingungslose Fokussierung auf den Besitzer gefördert; Mensch und Hund lernen, miteinander zu kooperieren, zu interagieren. Die Freude an den gemeinsamen Unternehmungen lässt den Besitzer zum Mittelpunkt im Hundedenken werden und das ausschließlich am Erfolg orientierte Training mit positiver Verstärkung, in dem die Belohnungen durch Lob, Futter und Spiel erfolgen, macht den Hund zum bereitwilligen Teamplayer, der später auch bei zunehmender Ablenkung seinem Besitzer die notwendige Aufmerksamkeit schenken wird. Und so steht denn auch der jüngste Teilnehmer der Gruppe, „Billie“, heute einer besonderen Herausforderung gegenüber, gilt es doch, eine aus seiner Perspektive riesige Schräge, deutlich höher als er selbst, zu erklimmen! Und er meistert diese Aufgabe mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der der Weg durch den unebenen raschelnden Tunnel zum Vergnügen wird, denn am Ende wartet Fraulis Hand – ein Leckerli, ihre lobende Stimme, ihr stolzes Lächeln! Letztlich das Wissen um all die Abenteuer, die das Leben für Mensch und Hund noch bereithalten wird, die Gewissheit, all dem gewachsen zu sein und die Überzeugung, die im Idealfall bereits im Welpenalter unverrückbar feststeht: „Wir sind ein tolles unschlagbares Team.“ Weitere Informationen unter www.hunde-erziehung.at