Zierfische als Patienten

Krankheitsursachen meist haltungsbedingt

In den letzten Jahren hat der Zierfisch als Patient in der Kleintierpraxis deutlich an Bedeutung gewonnen. So werden vom Haustierarzt neben der Diagnose von Krankheiten oft auch Ratschläge hinsichtlich der Haltungsansprüche, Wasserqualität und Fütterung verlangt.

Da die häufigsten Krankheiten bei Aquarien- und Gartenteichfischen haltungsbedingt sind und nur zum Teil eine ausschließlich infektiöse Ursache haben, sollte der die Fische behandelnde Tierarzt über Biologie und Physiologie von Zierfischen und über deren Mitbewohner (Pflanzen, Schnecken, Krebse) informiert sein. Letztendlich sind auch Fische Lebewesen, die tierschutzgerecht und ihrer natürlichen Lebensweise möglichst angepasst gehalten werden wollen.

Gute Ausbildung zum Fisch-Tierarzt wichtig

Im Rahmen des tierärztlichen Studiums werden die Bereiche Aquakultur und Fischkrankheiten leider nur wahlweise angeboten und gehören nicht zu Pflichtfächern des Schwerpunktes Kleintiermedizin. Das ist mit ein Grund, dass das Internet viel zur Verbreitung von unsinnigen Behandlungsvorschlägen selbsternannter Spezialisten beitragen konnte. Es werden meist nur teilweise richtige Angaben über verschiedene Krankheiten veröffentlicht und speziell Antibiotika ohne Wirksamkeitsüberprüfung empfohlen bzw. kritiklos angewendet. Dadurch sind leider schon viele Arzneimittel aufgrund von Resistenzbildung unwirksam geworden. Glücklicherweise gibt es seit einiger Zeit im In- und Ausland Spezialkurse für Tierärzte und Veterinärstudenten, welche sich für den Bereich Aquakultur und Fischpathologie ausbilden lassen wollen. So werden diese zu kompetenten Ansprechpartnern für den Aquarien- oder Koiteichbesitzer.

Zum postgradualen Ausbildungsplan „Fachtierarzt für Fische“ der Österreichischen Tierärztekammer gehören vor allem die Bereiche Teichwirtschaft und Zierfische, Einzeltier- und Bestandsbetreuung, Fischgesundheit, Aquakulturseuchenrecht, Lebensmittelrecht sowie Belange des Tier-, Arten-, und Naturschutzes.

Wie untersucht man Fische

Die Untersuchungsmöglichkeiten von Fischen richten sich stets nach der Frage, ob eine Einzeltieruntersuchung oder eine Bestandsuntersuchung verlangt wird.

Grundsätzlich erfolgt eine Einzeltieruntersuchung nicht anders als bei Säugetieren: Erhebung des Vorberichtes, Adspektion, Palpation und Probennahme für Spezialuntersuchungen werden routinemäßig durchgeführt.

Im Rahmen des Vorberichtes können aus Wasserparametern wie Temperatur, Sauerstoffsättigung, pH-Wert sowie gelöste Stickstoffverbindungen wesentliche Erkenntnisse über Krankheitsursachen und voraussichtlichen Therapieerfolg gewonnen werden.

Die meisten Fischbesitzer verfügen über kolorimetrische Schnelltests, welche bei genauer Einhaltung der Testangaben ziemlich exakte Werte messen. Solche Testkoffer, aber auch elektronische Kombinationsmeßgeräte sind für den Fischtierarzt eine wesentliche Unterstützung.


Messungen am Koiteich

Gerade zu Beginn der Gartensaison ist eine Überprüfung von Wasserparametern, Filterfunktion und Konditionsfaktor der Fische sinnvoll.

Untersuchung

Vorort-Manipulationen an Fischen wie das Anfertigen von Abstrichen, kleinere chirurgische Eingriffe oder Chipimplantation bei Zuchttieren lassen sich leicht unter Sedierung der Patienten durchführen.

Ultraschalluntersuchung

Die Sonographie ist bei Fischen aufgrund der guten Schallleitung in Wasser und Fischgewebe jederzeit hervorragend durchführbar. Im späteren Frühjahr (Laichzeit) ist eine Kontrolle der Ovarien auf Laichverhalten eine wichtige Untersuchung vor einer eventuellen Behandlung.


Sedierung vor Manipulationen empfehlenswert

Manipulationen an Fischen lassen sich nur bei kleineren Exem-plaren ohne vorherige Sedierung durchführen.

Man kann sich aber prinzipiell angewöhnen, Fische vor der Untersuchung und Behandlung zu sedieren, da jeglicher Handgriff dann sicherer und rascher ausgeführt werden kann. Zur Sedierung von Fischen werden chemische oder natürliche Wasserzusätze verwendet, welche dem Wasser der Untersuchungswanne beigemengt werden.

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Speziell die Durchführung von Abstrichen an Kiemen- und Haut-epithel können so sehr gut durchgeführt werden. Die Fische werden anschließend in das Hauptbecken zurückgesetzt und wachen binnen weniger Sekunden wieder auf.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei der Behandlung von Fischen stehen dem Tierarzt prinzipiell drei Möglichkeiten zur Verfügung: Die Medikamentengabe über das Wasser (Behandlungsbad), die Verabreichung von Fütterungsarzneimitteln sowie die direkte Verabreichung des Arzneimittels. Die direkte Verabreichung erfolgt entweder äußerlich durch wasserunlösliche Heilsalben und -puder oder innerlich mittels Injektionen.

● Die Therapiebäderbehandlung wird oft zur Bekämpfung von Ektoparasitosen und bakteriellen Schleimhauterkrankungen durchgeführt: je nach Art und Konzentration des Wirkstoffes als Tauch-, Kurzzeit- oder Dauerbad.

Bei Schleimhautverletzungen hat sich zur Vermeidung von Sekundärinfektionen und Regeneration des Epithels der dauerhafte Einsatz von Huminsäure sehr bewährt.

● Die Gabe von Fütterungsarzneimitteln ist in den letzten Jahren leider sehr kompliziert geworden, da viele Fütterungsarzneimittel-Vormischungen vom Markt verschwunden sind. Im Zierfischbereich ist es aber möglich, jedes bestmögliche Präparat, welches sich in Futterflocken, Pellets oder getrocknete Shrimps einmischen lässt, weiterhin anzuwenden.

Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Behandlung von bakteriellen Schleimhautinfektionen stellt die Abnahme einer sterilen Tupferprobe sowie die Anfertigung eines Antibiogramms dar.

Nur in absoluten Notfällen darf sofort mit bekannt wirksamen Antibiotika „blind“ therapiert werden, jedoch sollte auch da der Behandlungserfolg hinsichtlich Wirksamkeit des Antibiotikums überprüft werden. Es hat sich bewährt, in solchen Fällen die Erstbehandlung als Injektion durchzuführen, und erst nach zwei bis drei weiteren Injektionen auf die Nachbehandlung mit einem Antibiotikafutter umzustellen.

● Injektionen sind bei Fischen in die Muskulatur und in die Bauchhöhle möglich. Welche Technik dabei zur Anwendung kommt, richtet sich immer nach dem verabreichten Wirkstoff.

Auch Fische brauchen Impfungen

Als vorbeugende Maßnahmen gegen erregerbedingte Fischkrankheiten gibt es neben der Quarantänehaltung auch die Möglichkeit der Bestandsimpfung. Speziell gegen virusbedingte Fischkrankheiten wurden bereits viele Impfstoffe entwickelt. Die Verabreichung erfolgt meist schon in Zuchten, wobei sich das Tauchbad und die Fütterungsvakzine am meisten bewährt haben. In diesen Forschungsbereich der Fischmedizin wird international am meisten investiert.

Eine wirksame Vorbeugung gegen Infektionen mit Cyprinem Herpesvirus 3 (KOI-Herpesvirose) ist in Österreich dennoch nicht zugelassen.

Neben dem erregerspezifischen Impfstoff gibt es die Anwendungsmöglichkeit der teichspezifischen Impfung, die ähnlich der stallspezifischen Vakzine (Impfstoff) auf eine geschlossene Population und deren Erregerspektrum zugeschnitten ist. In Österreich hat sich dazu eine Firma etabliert, welche ausgezeichnete populationsspezifische Tauchbad- und Fütterungsvakzinen zur ausschließlich tierärztlichen Behandlung herstellt.

Dr. Heinz Heistinger / FTA Fische
Gerichtlich beeideter und zertifizierter SV für Fische und Schalentiere
Vorsitztender der Fachtierärztekommission Fische der Österreichischen Tierärztekammer