Würgen, Speicheln, Übelkeit

Warum Hund und Katze häufig daran leiden

Bei Hunden und Katzen kann man folgenden Vorgang immer wieder einmal beobachten: Alles scheint ganz normal zu sein, aber plötzlich beginnt das Tier das Maul aufzureißen, geräuschvoll zu würgen und Futter, Schleim oder einfach nur Wasser auszuspucken. Tierhalter machen sich dann natürlich Sorgen und versuchen dem Problem auf den Grund zu gehen. Eigenartigerweise ist der Spuk jedoch häufig nach einigen Sekunden zu Ende, und das Haustier geht wieder dem gewohnten und erwarteten Tagesablauf nach, als wäre nichts geschehen.

Würgen als Schutzreflex

Würgen ist ein Reflex, der den Eingang des Atmungstraktes im Bereich des Kehlkopfes davor schützen soll, dass Futter, Wasser oder Rauch in die Lunge kommt. Dabei ziehen sich die Rachenmuskeln krampfhaft zusammen. Ausgelöst wird dieser Reflex durch eine Reizung des weichen Gaumens (‚Gaumenzapferl‘) und der Rachenschleimhaut. Zusätzlich bereitet das Würgen den Rachen auch auf unmittelbar bevorstehendes Erbrechen vor – wiederum, damit das Erbrochene nach vorne aus dem Maul fällt und nicht in die Luftröhre gerät. Diesen unmittelbar vor dem Erbrechen einsetzenden Vorgang bezeichnet man auch als Recken, wobei wir Menschen manchmal schon alleine durch unsere Vorstellungkraft von Ekel dieses Recken auslösen können. Dabei wird durch Muskelkontraktionen der Speiseröhre nach oben (also in die im Vergleich zu den physiologischen Bewegungen ‚verkehrte‘ Richtung) Luft aus dem Rachen gepresst, was das typische Geräusch des Reckens verursacht. Oftmals erfolgt direkt nach dem Recken das eigentliche Erbrechen, verbunden mit Übelkeit. Ganz ähnlich sieht es aus, wenn die Tiere Schleim aus den oberen Atemwegen hochhusten und würgen. Dabei ist normalerweise keine Übelkeit mit im Spiel, zumindest solange der Schleim nicht im Rachen hängen bleibt, diesen reizt, und damit dann Recken und sogar Erbrechen auslöst. Würgen kann aber auch ausgelöst werden, wenn Tiere versuchen, einen zu großen Bissen zu schlucken. Von außen sehen und hören wir dann abwechselnd die Versuche zu schlucken und das Würgen.

Somit ist die häufigste Ursache für Würgen beim Haustier mit dem Versuch, etwas von der Größe oder Form her Unpassendes zu schlucken verbunden. Hunde können beim Spielen und Zerkauen von einem Holzsteckerl dieses Würgen zeigen, wenn z.B. ein Holzteil im Rachen feststeckt. Dann muss der Besitzer entweder rasch ins Maul hineingreifen und das Holz vorsichtig entfernen oder, wenn das nicht möglich ist, sofort einen Tierarzt aufsuchen, um den Fremdkörper zu lokalisieren und dann unter Umständen in einer kurzen Narkose zu entfernen. Auch Pflanzenteile mit Widerhaken, wie zum Beispiel Kletten, können zu einer solch problematischen Situation führen. Bei Katzen kann Würgen und Schlucken auch nach dem Fressen von Gras entstehen, wenn der Grashalm im Rachen hängen bleibt. Manchmal spießt sich der Grashalm auch zurück über den Rachen in die Nasenhöhle und verursacht dann zusätzlich noch Niesen und etwas später Nasenausfluss. Auch Kaninchen leiden manchmal an diesem Problem des verirrten Pflanzenteils, allerdings sieht man diese Tiere davor nicht würgen. Auf jeden Fall muss der Pflanzenteil ehebaldigst entfernt werden, um ein Anschwellen und Entzündungen der Schleimhaut zu vermeiden. Junge Katzen leiden mitunter an Mittelohrpolypen. Diese können entweder durch das Trommelfell in den äußeren Gehörgang wachsen und eine Ohrenentzündung verursachen, oder durch die Verbindung des Mittelohres in den Rachenraum (Eustachische Röhre) gelangen und dort chronisches Würgen verursachen. Nach einer solchen Diagnose kann zumeist mit einer kleinen Operation der Polyp ohne große Probleme entfernt werden und so das Symptom beseitigt werden.

Würgen als Anzeichen von Schluckproblemen

Eine andere Ursache für Würgen im Rahmen der Futteraufnahme ist eine verminderte Funktion des Schluckreflexes. Diese seltene, aber dafür gar nicht so harmlose Funktionsstörung führt unerkannt oftmals zu schweren Folgeproblemen wie dem Fehlschlucken in die Luftröhre. Besonders Flüssigkeiten können da bis in die Lunge gelangen und dort massive Entzündungen hervorrufen. Diese sogenannte Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Einatmen von Flüssigkeit oder Futter) kann leider in schweren Fällen auch tödlich enden, da das eingeatmete Futter sehr schwere Entzündungen hervorruft und hier auch Antibiotika nur einen sehr begrenzten Nutzen haben. Die ersten Anzeichen für Schluckprobleme erkennt man daran, dass die Tiere für jeden zerkauten Bissen mehrmals schlucken müssen und oftmals auch husten und würgen, weil sie sich dabei eben auch verschlucken können. Eine weitere Ursache für Schluckprobleme sind Unterkieferlähmungen, da ein Kieferschluss beim Schlucken unbedingt notwendig ist. Auch  eine Mandelentzündung, vergrößerte Speicheldrüsen oder eine Vergrößerung der Lymphknoten im Kieferwinkel können zu Schluckbeschwerden und Würgen führen.

Was Speicheln bedeutet

Speicheln ist ein wichtiger und physiologischer Vorgang im Zuge der Futteraufnahme. Durch das Einspeicheln des Futters soll der Schluckvorgang vereinfacht und das Futter gleitfähig gemacht werden. Bei manchen Hunderassen ist Speicheln oder Sabbern ein fast permanenter Vorgang, oftmals auch ohne eine unmittelbare Aussicht auf etwas Fressbares. Wenn wir uns die Qualität dieses leider eher unerwünschten Sabbers – zum Beispiel eines Bernhardiners – vor Augen führen, ist dieser Speichel extrem zähflüssig und fadenziehend. Wehe, wenn der Hund dann auch noch den Kopf schüttelt!

Die Funktion dieses sehr zähflüssigen Speichels ist nicht immer ganz klar, soll aber vermutlich die Schleimhaut feucht halten und vor dem Austrocknen schützen. Wenn es direkt ums Fressen geht oder aber auch im Rahmen einer Übelkeit, wird dieser Speichel sehr dünnflüssig, beinahe wässrig, und tropft regelrecht aus dem Maul des Tieres.

Ursachen für krankhaftes Speicheln

Übermäßiges Speicheln ist ein wichtiges Symptom und kann in zwei Hauptursachen unterteilt werden: Probleme in der Maulhöhle und im Magen-Darmtrakt, oder aber Probleme im restlichen Körper.

In der Maulhöhle kann ein Fremdkörper, eine Entzündung oder auch ein Tumor vermehrtes Speicheln verursachen. Wenn das Tier Schmerzen beim Schlucken hat oder gar nicht richtig schlucken kann, wird der produzierte Speichel eben auch nicht abgeschluckt, sondern tropft nach außen aus dem Maul.

Ein Beispiel von vielen dafür wäre der Bienenstich im Rachen des Hundes oder die Aufnahme von reizenden Pflanzen bei Katzen. Eine Entzündung der Speicheldrüsen regt diese Drüsen zu einer ungewollten und permanenten Produktion von Speichel an, was dann entweder zum vermehrten Abschlucken führt oder eben auch zum sichtbaren Speicheln. Reizungen des Verdauungstraktes können Übelkeit verursachen und damit auch das bereits erwähnte dünnflüssige Speicheln. Ein Grund für diese Übelkeit kann ein Magen- oder Darmproblem sein, wie eine Gastritis oder auch Darmschleimhautentzündung. Als weitere mögliche Ursachen kommen Fremdkörper, Infektionen, Tumore oder Futtermittelunverträglichkeiten in Frage.

Erbrechen kann hilfreich sein

Das Gefühl der Übelkeit kann aber auch außerhalb des Magen-Darmtraktes seine Ursache haben. Im Gehirn gibt es einen

Bereich, der dieses Gefühl verursachen kann und dies bei schweren Stoffwechselerkrankungen oder Vergiftungen auch tut. Kommen Niere oder auch die Leber ihren Entgiftungsfunktionen nicht mehr ausreichend nach, so verursachen diese Giftstoffe Übelkeit.

Diese Übelkeit führt zu einer verminderten oder komplett fehlenden Futteraufnahme und soll damit die Verdauung und deren Entgiftungsorgane entlasten und unterstützen. Frisst das Tier z.B. etwas Verschimmeltes oder Verfaultes (hier sind vor allem Hunde betroffen), so reagiert entweder sofort der Magen und es kommt zu Würgen, Recken und Erbrechen, oder die Giftstoffe gelangen mit dem Blutkreislauf ins Gehirn und dieses vermittelt dem Körper das Gefühl der Übelkeit und führt damit wiederum zum Erbrechen und zur Entfernung der Giftstoffe aus dem Körper. Somit ist Erbrechen in den meisten Fällen eine für den Körper sehr hilfreiche Funktion und sollte erst bei wiederholtem Auftreten oder der Verursachung von Folgeproblemen mit Medikamenten behandelt werden.

Regurgitieren: Zurückströmen von Futter oder Wasser

Vom Erbrechen sollten wir unbedingt einen Vorgang unterscheiden der zwar ähnlich aussieht, aber eine vollkommen andere Ursache hat: das Regurgitieren. Es wird zumeist direkt im Anschluss an die Nahrungs- oder Wasseraufnahme beobachtet. Plötzlich kommen große Mengen des Futters oder Wassers wieder retour aus dem Maul. Im Gegensatz zum Erbrechen findet hier kein Würgen oder Recken davor statt, und auch die pumpenden Bewegungen des Bauches fehlen komplett.

All diese bekannten Erscheinungen im Zuge des Erbrechens sind ja nur notwendig, wenn etwas aus dem Magen wieder nach draußen befördert werden muss.

Wenn die Nahrung oder das Wasser aber noch im Rachen oder in der Speiseröhre waren, genügen plötzliche und kurze reflektorische Kontraktionen der Speiseröhre und des Rachens, um alles wieder nach draußen zu befördern. Verantwortlich dafür sind Erkrankungen der Speiseröhre und des Rachens. Problematisch ist auch die Tatsache, dass die Patienten vom Regurgitieren zumeist selbst überrascht werden, was dazu führt, dass sie sich oft verschlucken und im schlimmsten Fall sogar Futter oder Wasser aspirieren (einatmen).

Je nach zugrundeliegender Erkrankung können Medikamente und oft auch eine veränderte und erhöhte Futternapfposition hilfreich sein. Eine genaue Abklärung der Symptome ist in jedem Fall wichtig und umfasst neben der klinischen Untersuchung und einem Blutbild oft auch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes und manchmal auch eine Endoskopie des Rachens und der Speiseröhre.

Von Privatdozent Dr. Michael Leschnik