Wildkatzen im Wohnzimmer?

Getreu dem Motto „Größer, schöner, besser!“ macht sich in der Katzenzucht seit einiger Zeit ein neuer und äußerst bedenklicher Modetrend bemerkbar: Das Kreuzen von kleinen Wildkatzenarten, wie Serval oder Karakal, mit domestizierten Katzen. Leider scheint nicht nur die „gemeine Hauskatze“ für viele ihre Faszination eingebüßt zu haben, auch die zahlreichen Katzenrassen können das Bedürfnis mancher Menschen, sich mit neuartigen, exotisch wirkenden Tieren zu umgeben, offensichtlich nicht mehr befriedigen. Im Zusammenhang mit solchen züchterischen Versuchen wird naturgemäß kaum jemals darüber gesprochen, wie Anpaarung, Trächtigkeit und Geburt verlaufen und was die Zucht für die Nachkommen bedeutet. 1980 soll es erstmals gelungen sein, einen Serval, eine in Afrika beheimatete Wildkatzenart, mit einer Siamkätzin zu verpaaren. Die Nachkommen wurden als „Savannah- Katze“ bezeichnet und seit Mitte der 1990er Jahre in den USA als neue Katzenrasse etabliert. Ein aktueller Modetrend besteht darin, den Karakal, eine afroasiatische Wildkatzenart, die auch als „Wüstenluchs“ bezeichnet wird, mit Abessinierkatzen zu kreuzen. Die Nachkommen werden als „Caracat“ bezeichnet und auf diversen Internetseiten bereits intensiv beworben. Servale und Karakale dürfen in Österreich von Privatpersonen nicht gehalten werden. Es gibt daher Züchter, die ihre Katzen zum Decken ins Ausland verbringen, was für die Tiere mit zusätzlichem Stress durch den Transport verbunden ist. Die Mühe scheint sich jedenfalls zu lohnen: Nachkommen aus solchen Kreuzungen werden um etwa 5.000 Euro angeboten; nach anderen Angaben kann in Einzelfällen sogar ein Kaufpreis zwischen 8.500 und 22.500 Euro (!) erzielt werden.

Den Preis bezahlen immer die Tiere
Die meisten Züchter bemühen sich zu verharmlosen: „Wüstenluchs liebt Hauskatze“ heißt es da beschönigend, während über Probleme allenfalls unter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Was ist aber nun aus der Sicht des Tierschutzes wirklich gegen diese züchterischen Versuche einzuwenden? Bei genauerer Betrachtung stellt man bald fest, dass die Kreuzung von Wild- und Haustieren mit einer ganzen Reihe von Tierschutzproblemen verbunden ist: Allein die Tatsache, dass Serval und Karakal sich im Hinblick auf Größe, Gewicht und Trächtigkeitsdauer deutlich von Hauskatzen unterscheiden, zeigt, dass im Rahmen der Anpaarung, während der Trächtigkeit und bei der Geburt erhebliche Probleme auftreten können. Da die Nachkommen – insbesondere was die ersten Generationen betrifft – andere Haltungsansprüche stellen als Hauskatzen und zudem größer bzw. schwerer sind, erweist sich ihre Haltung nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch unter dem Aspekt eines möglichen Sicherheitsrisikos als problematisch.

Schwergeburten sind an der Tagesordnung
Mit einer durchschnittlichen Schulterhöhe von 60 cm (Serval) bzw. 45 cm (Karakal) und einem Körpergewicht von bis zu 20 kg (Serval) bzw. 18 kg (Karakal) sind beide Arten der Hauskatze deutlich Wildkatzen im Wohnzimmer? Fragwürdige Trends in der Katzenzucht In Afrika, Arabien und Asien beheimatet: Der Karakal mein Haustier 39 überlegen, sodass die Katze bei der Paarung z.B. durch den Nackenbiss schwer verletzt oder sogar getötet werden kann.

Wurde die Katze dennoch erfolgreich gedeckt, so kann davon ausgegangen werden, dass der Leidensweg für das Muttertier erst beginnt: Da die Trächtigkeitsdauer beim Serval 71-74 Tage und beim Karakal ca. 70 Tage, bei der Hauskatze hingegen nur 58-63 Tage beträgt, kommt es häufig zu Früh-, Fehl- oder Totgeburten. Über möglicherweise geschädigte, aber grundsätzlich lebensfähige „Ausschusstiere“ und deren Schicksal ist nichts bekannt. Aber auch wenn die Nachkommen gesund sind, ist die Geburt für die Katze mit Belastungen verbunden, die über normale Geburtsschmerzen hinausgehen: Da die Mischlings-Föten größer sind als ungeborene Hauskatzen, kommt es häufig zu Schwergeburten. In Züchterkreisen wird berichtet, dass viele Muttertiere ihre Welpen nie alleine zur Welt bringen können, sondern entweder bei der Geburt sterben oder durch Notkaiserschnitt entbunden werden, um zumindest die wertvollen Welpen zu retten. Wen wundert es da, wenn Savannah- Züchter die Geburt von lebensfähigen Tieren der ersten Generation als ein lang ersehntes Wunder beschreiben! Da die Mischlingskatzen, jedenfalls in den ersten Generationen, andere bzw. höhere Ansprüche haben als Hauskatzen, sind auch bei der Haltung der Hybriden Tierschutzprobleme vorprogrammiert. So mancher Halter dürfte nach kurzer Zeit so überfordert sein, dass die Tiere abgegeben oder gar ausgesetzt werden. Angeblich wurden Tierärzte, die sich auf die Behandlung exotischer Tiere spezialisiert haben, bereits ersucht, eine in der Wohnung gehaltene Savannah-Katze mit dem Blasrohr zu impfen…

Krallenamputation im Kaufpreis inclusive
Zwar wird einerseits behauptet, dass Caracats keineswegs gefährlich seien, andererseits verkaufen US-amerikanische Züchter ausschließlich entkrallte Tiere und auch diese nur an Haushalte, in denen keine Kinder leben, die jünger als zwölf Jahre sind. Serval und Karakal dürfen, wie bereits erwähnt, in Österreich grundsätzlich nur in Zoos gehalten werden. Dass auch die Haltung der Nachkommen nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen problematisch ist, zeigen ausländische Regelungen: So unterliegen Tiere, die einer Kreuzung zwischen Wild- und Haustieren entspringen, im Bundesstaat New York bis einschließlich der vierten Generation einem Halteverbot; im städtischen Bereich dürfen auch spätere Folgegenerationen nicht gehalten werden. In Australien wurde die Einfuhr der Savannah u.a. aus Artenschutzgründen untersagt, da sie der Hauskatze auch bei der Jagd deutlich überlegen ist und daher eine Gefahr für die heimische Tierwelt darstellen kann.

Den Anfängen wehren
Da die Verpaarung von Hauskatzen mit Wildkatzen insbesondere für die Muttertiere mit erheblichen Leiden verbunden ist bzw. sogar tödlich enden kann und das österreichische Tierschutzgesetz die Neigung zu Schwergeburten ausdrücklich als Beispiel für Qualzuchtmerkmale anführt, ist davon auszugehen, dass die Vornahme solcher Züchtungen den Tatbestand der Tierquälerei erfüllt und damit verboten ist; die Tiere dürfen daher grundsätzlich nicht ausgestellt, importiert oder weitergegeben werden. Da allerdings unklar ist, bis zu welcher Nachfolgergeneration dieses Verbot anzuwenden ist, sollte bereits die Kreuzung zwischen Haus- und Wildtieren ausdrücklich verboten werden, wie dies in der Schweiz der Fall ist.