Wenn Meerschweinchen einen Tierarzt brauchen

Infos über die häufigsten Krankheiten

Auch Meerschweinchen sollten regelmäßig dem Tierarzt vorgestellt werden, damit eventuelle Krankheiten schon im Frühstadium erkannt und behandelt werden können. Denn Früherkennung ist der erste Schritt zur Heilung.

Gefährlich: Brückenbildung der Zähne

Alle Zähne des Meerschweinchens, auch die Backenzähne, wachsen zeitlebens. Dieses lebenslange Wachstum kann bei falscher Fütterung zum Problem werden. Meerschweinchen sind von Natur aus an karge Kost gewöhnt und benötigen rohfaserreiches Futter wie Heu und Grünfutter, das intensive Mahlbewegungen der Backenzähne notwendig macht. Bei falscher Ernährung, z.B. zu viel Getreide, werden die ohnehin stark zungenwärts geneigten unteren Backenzähne zu wenig abgerieben, wachsen quer über die Zunge und bilden schließlich eine Brücke über der Zunge. Die betroffenen Tiere können das Futter nicht mehr schlucken und verhungern an der vollen Schüssel. Dem Tierhalter fällt auf, dass unzerkautes Futter aus dem Maul des Meerschweinchens heraushängt und dass das Tier stark speichelt und abmagert. Damit das Tier überleben kann, müssen die Zähne vom Tierarzt gekürzt werden.

Meist unheilbar: Meerschweinchenlähmung

Als erste Symptome dieser gefürchteten Krankheit zeigen sich Appetitverlust, struppiges Fell und starke Abmagerung. Die Tierchen zittern, krampfartige Zuckungen der Rücken- und Halsmuskulatur fallen auf. Im weiteren Verlauf erschlaffen zusehends die Muskeln der Hinterbeine und es kommt zur Lähmung. Unbehandelt sterben die Tiere nach zwei bis zehn Tagen, unter Umständen auch erst nach drei bis vier Wochen. Leider ist die Behandlung in den meisten Fällen erfolglos. Trotzdem sollte bei nicht allzu geschwächten Tieren eine Therapie versucht werden, da in Einzelfällen doch Heilung erzielt werden kann.

Besonders im Winter: Lippengrind

Gerade in den Wintermonaten fällt vielen Meerschweinchen-Haltern auf, dass sich in den Mundwinkeln und im gespaltenen Teil der Oberlippe Entzündungen mit gelbbraunen, borkigen Auflagerungen gebildet haben. Hauptursache dafür ist ein Mangel an Vitamin C und Vitamin A. Denn im Gegensatz zu anderen Tieren können Meerschweinchen Vitamin C nicht selbst produzieren und sind daher auf eine ausreichende Zufuhr mit der Nahrung angewiesen. Im grünfutterarmen Winter kommt es leicht zu einem Mangel an Vitamin C, aber auch an Vitamin A und ungesättigten Fettsäuren. Dies führt zu einer Resistenzschwäche der Haut gegen Bakterien – Lippengrind ist die Folge davon. Als Therapie wird anfangs vom Tierarzt hochdosiertes Vitamin C als Injektion, später vom Tierhalter in Tropfenform, verabreicht. Lokale Behandlungen mit Vitamin A-haltigen Salben sowie Fütterung von geschroteten Leinsamenkernen (reich an ungesättigten Fettsäuren) unterstützen die Heilung.

Pododermatitis: Entzündung der Ballen

Ballenentzündungen beim Meerschweinchen weisen oft auf Mängel in der Haltung hin. So begünstigen über längere Zeit anhaltende falsche Ernährung mit Körnermischungen statt rohfaserreicher Fütterung mit Heu und Grünfutter, schlecht geputzte Ställe (Harnstoff löst die Hornhaut der Pfotenballen auf!), mangelnde Bewegung und Übergewicht die Entstehung von Pododermatitis. Die Pfotenballen sind wund und offen, häufig entstehen auch Abszesse. Bei der Therapie steht das Abstellen der Ursachen im Vordergrund. Die Haltung auf einer dicken Heumatte und die Behandlung der Ballen mit einer Antibiotika-Salbe beschleunigen die Heilung.

Zysten am Eierstock

Dem Tierhalter fällt eine Umfangsvermehrung in der Flankenregion in Kombination mit symmetrischem Haarausfall auf. Da die Zysten sehr groß werden können, sehen betroffene Meerschweinchen aus, als ob sie hochträchtig wären. Die Eierstock-Zysten können Tennisballgröße erreichen und verdrängen schlussendlich andere Organe im Bauch, was zum Tod führen kann. Die Punktion der Zysten durch die Bauchwand bringt nur kurzfristige Erleichterung, da sich die Zysten schnell wieder füllen. Bei hormonell aktiven Zysten und Haarlosigkeit an den Flanken kann vom Tierarzt eine Behandlung mit Gestagenen versucht werden – das kranke Tier bekommt einmal monatlich eine Gestagen-Spritze. Erfahrungsgemäß wachsen daraufhin zwar die Haare schnell wieder nach, aber das Problem der Zysten bleibt meist bestehen. Die einzige Therapiemöglichkeit mit sicherem Erfolg ist die Kastration des Meerschweinchens. Diese sollte möglichst im Anfangsstadium der Erkrankung erfolgen, solange die Zysten noch klein sind. Bei der Kastration werden in Vollnarkose beide Eierstöcke entfernt.

Haarballen im Magen

Die Haarballenbildung wird gefördert durch psychische Belastung der Tierchen (z.B. Trauer um einen Gefährten), durch Langeweile und durch schlechte Fellpflege von Seiten des Tierhalters. Vor allem während des Fellwechsels ist regelmäßiges Kämmen und Bürsten der Meerschweinchen unbedingt nötig, da diese sonst beim Putzen zu viele Haare schlucken, welche sich dann im Magen zusammenballen. Auch eine falsche Zusammensetzung des Futters (zu wenig Heu und Grünfutter!) und eine zu geringe Wasseraufnahme begünstigen das Entstehen von Haarballen im Magen. Der Magen wird dadurch ausgeweitet, weshalb die Peristaltik nicht mehr ausreichend funktioniert; dies bedeutet, dass das Futter nicht mehr zur Gänze vom Magen in den Darm transportiert wird und daher auch nicht verdaut werden kann. Bei kleineren Haarballen reicht meist die konservative Therapie mit der Verabreichung von Paraffinöl und anschließenden Bauchmassagen. Große Haarballen müssen chi- rurgisch entfernt werden.