Wenn Hunde Tiere suchen

Haustier entlaufen – Spürnasen im Einsatz!

In jedem Hund steckt eine kleine oder große Spürnase. Es ist allgemein bekannt, dass besonders talentierte, ausgebildete Vierbeiner vermisste oder verschüttete Personen auffinden können. Neu ist jedoch, dass seit kurzem Hunde auch dazu ausgebildet werden, vermisste, entlaufene Haustiere wiederzufinden. Da mich das interessiert hat, durfte ich einige Male bei den Suchhunden der „Spürnasen“ in Wien beim Training dabei sein.

Wie funktioniert so eine Suche?

Jedes Tier besitzt einen Individualgeruch, der über kleine Partikel und Schüppchen verteilt wird. Diese Hautschuppen werden laufend verteilt und bilden eine Art Geruchsband. Dieses Band bleibt auch über einen längeren Zeitraum bestehen und hinterlässt eine Geruchsspur. Trainierte Suchhunde können diese Geruchsspur aufnehmen und verfolgen. Hierfür benötigen sie lediglich einen Gegenstand, den sogenannten Geruchsträger, der möglichst ausschließlich den Geruch des zu suchenden Vierbeiners ausweist. Beispielsweise Haare, Halsbänder, Kuschelspielzeug oder Schlafkissen. Es funktioniert aber auch – zum Beispiel bei vermissten Hausschildkröten – mit deren Kot, meint Annette Unterweger, ausgebildete und geprüfte Tiersuchtrainerin und Inhaberin der „Spürnasen“.

Erfolgschancen des vierbeinigen Tiersuchers

Je frischer die Geruchsspur und je besser der Geruchsträger, umso größer ist die Chance auf Erfolg. Die Betroffenen sollen deshalb einen ruhigen Kopf bewahren, möglichst rasch um Hilfe bitten und sogleich einen reinen Geruchsträger des entlaufenen Tieres konservieren – z.B. Haare mittels einer Pinzette in ein steriles Glas mit Deckel verpacken und verschlossen halten.

Laut Erfahrung der „Spürnasen“ liegt die Erfolgsquote beim Auffinden vermisster Hunde deutlich höher als bei vermissten Katzen. „Katzen sind sehr mobil und deshalb am schwierigsten zu finden“, erklärt Annette Unterweger. „Sie schlüpfen unter Zäunen durch, klettern über Dächer, kriechen durch Dickicht und vieles mehr. Der Suchhund muss alle diese Hindernisse umlaufen und einen Weg zurück zur Geruchsspur finden. Da braucht der Hund einen enormen Suchwillen und eine hohe Frustrationstoleranz sowie eine gute Kondition.“

In manchen Fällen ist eine Suche mit dem Suchhund jedoch nicht die richtige Lösung: zum Beispiel, wenn das vermisste Tier stark verängstig ist. Zumeist flieht dieses dann und versucht den Suchhund abzuschütteln, sobald es ihn wittert. Ein entlaufenes stark verängstigtes Tier durch einen Suchhund vor sich her zu treiben, macht somit keinen Sinn. Diese Aufgabe muss der Mensch alleine meistern, aber auch in so einem Fall ist eine gezielte Beratung durch professionelle zweibeinige Tiersucher unumgänglich, da diese die passende Hilfestellung geben können.

Hilfreich sind Pettrailer (Mensch-Hund-Teams) besonders bei verletzten und kranken Tieren oder bei in der Beweglichkeit eingeschränkten Vierbeinern – beispielsweise bei älteren Tieren oder solchen mit einer Behinderung. Wie auch speziell bei Hunden, die mit Halsband oder Leine entlaufen sind, da in so einem Fall die Gefahr besteht, dass das Tier irgendwo festhängt. Dies ist sehr wahrscheinlich, wenn nach 24 Stunden keine Sichtmeldung vorliegt.

Kann jeder Hund zum Tiersucher ausgebildet werden?

„Grundsätzlich ja“, erklärt Annette Unterweger. „Wir haben bei den Spürnasen auch die unterschiedlichsten Rassen oder Mischlingshunde in Ausbildung. Von Vorteil sind eine große Riechfläche sowie Talent und Ausdauer.“ Je früher mit dem Schnüffeltraining begonnen wird, umso größer sind die Erfolgschancen. Aber auch spätere Einstiege – zum Beispiel, wenn ein Hund zu alt für das Agility-Training geworden ist – machen durchaus Sinn als willkommene Beschäftigung. Man kann ihn dann nicht mehr in steile Gebiete suchen schicken, aber in ebenem Gebiet geht das immer.

Ausbildung zum geprüften Tiersuchhund

Für die Tiersuche ist ein intensives Training notwendig. Dieses gestaltet Unterweger mit ihren im Training befindlichen „Spürnasen“ an immer anderen Orten. Mal im Grünen, mal im Stadtgebiet, aber auch sogar in oder durch Einkaufszentren. Entlaufene Tiere können überall sein.

„Wenn man weiterkommen will, sollte man mindestens einmal die Woche trainieren“, meint Annette Unterweger.

Bis zur Einsatzprüfung, die ein normal trainierter Hund nach ca. 12 bis 18 Monaten schafft, müssen Hund und Besitzer eine Reihe an nachgewiesenen Trainings und darauf aufbauenden Zwischenprüfungen absolvieren. Viele davon gemeinsam, einige – wie z.B. Erste Hilfe und Theorie als Tiersuchhelfer – aber auch der Zweibeiner alleine.

Auf meine Frage, was so eine Ausbildung in Summe kostet, rechnet Annette Unterweger überschlagsartig durch: „ungefähr 140 € pro Monat. Darin enthalten sind Training, Fahrtgeld, Prüfungskosten und ev. minimales Equipment wie eine spezielle Leine und Geschirr.“

Ganz wichtig ist für Annette, dass auch nach bereits abgelegter Einsatzprüfung  regelmäßig mit dem Tiersuchhund trainiert wird – gleich wie im Spitzensport.

Was ein Einsatz kostet

Wenn Tiersucher zum Einsatz gerufen werden, fallen für den hilfesuchenden Tierbesitzer Kosten im Umfang von 250 € pro Einsatz, zuzüglich einer Fahrtkostenpauschale pro Team an.

Alle trainierenden Tiersucher meinten aber unisono, dass nicht der finanzielle Nutzen im Vordergrund stehe, sondern ihre große Portion Tierliebe. Einerseits um anderen, verzweifelten Tierbesitzern zu helfen, andererseits um den eigenen Hund bestmöglich zu beschäftigen. Renate Haas trainiert seit knapp einem Jahr mit ihrem ungarischen Tierschutzhund Bonnie, einem Havaneser-Mix. Beide sind begeistert von dem Training. „Bonnie ist sehr talentiert. Und ich lerne wahnsinnig viel über meinen Hund. Es ist eine großartige Bindungsarbeit, und jedes gefundene Tier macht uns beiden total viel Freude“.

Interesse an Tiersuche?

„Die Suchanfragen und der Bedarf an ausgebildeten und geprüften Tiersuchern mehren sich.“ erklärt Annette Unterweger. „Bei uns bei den Spürnasen ist jeder willkommen“. Gute Voraussetzungen für die Teilnahme an der Ausbildung sind folgende:

  • Du willst Deinen Hund bestmöglich auslasten
  • Du bist wetterfest, hast genug Zeit, ausreichend Humor,
  • bist einfühlsam, örtlich flexibel und besitzt ein Auto
  • Du bist mit einer großen Portion Tierliebe ausgestattet

Infos und Anfragen bezüglich Ausbildung gerne an

Annette Unterweger • 0699/10221112
annette@spuernasen.at • www.spuernasen.at
Wenn Sie Hilfe brauchen https://pt-tiersuche.at
oder Tiersuchnotrufnummer +43 720 310 560

Die Koordination der Einsätze der „Spürnasen“ erfolgt durch den Klagenfurter Pettrailer Markus Burkhardt. Dieser leitet die Suchanfragen der Besitzer der vermissten Tiere an die regionalen ausgebildeten und geprüften Tiersuchteams weiter.

Zur Info

Die „Spürnasen“ sind gerade in Planung, neben der Menschen- und Tiersuche auch den Bereich der Gegenstandssuche (verlorenen Schlüssel, Brieftaschen, Handys und vieles mehr) aufzubauen und dann diesbezügliche Suchhunde auszubilden. Bei Interesse weitere Infos in Kürze unter

www.spuernasen-suchhunde.at

Von Dr. Sylvia Hufnagel