Was Gesundheit ausmacht – Wohlbefinden auf vielen Ebenen

Gesundheit ist das höchste Gut – das ist zweifellos eine berechtigte und in uns allen zutiefst verankerte Überzeugung, der wir in vielerlei sprichwörtlichen Redewendungen Ausdruck verleihen. Auch „Gesundheit ist alles, aber alles ist nichts ohne Gesundheit“ ist ein immer wieder verwendetes Statement, das sich immer öfter auch auf unsere vierbeinigen Lebensgefährten bezieht.

Gesundheit und Wohlbefinden

„Gesundheit ist alles“ und tatsächlich weit mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Eine umfassende Definition orientiert sich heute mehr denn je an einer ganzheitlichen Betrachtung des Organismus und geht deutlich über offensichtliche medizinische Belange hinaus. Wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“ definiert, wird dem traditionell primär auf die körperlichen Funktionen bezogenen Begriff eine weitere Kategorie zur Seite gestellt: Gesundheit beinhaltet Wohlbefinden aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln heraus betrachtet, körperliche Gesundheit wiederum ist unabdingbarer Teil des Wohlbefindens, das darüber hinaus auch psychische Aspekte und emotionale Empfindungen einbezieht.

Beide – Gesundheit und Wohlbefinden – bedingen einander! Der gesunde Organismus kann emotional unausgeglichen sein, mentales Wohlbefinden hingegen kann körperliche Einschränkungen lindern und erträglicher machen. Diese Zusammenhänge ziehen eine Vielzahl praktischer Konsequenzen nach sich: nicht nur für die Medizin und die Begegnung zwischen Patient und Arzt, sondern vor allem auch für uns selbst und unsere ureigenen und alltäglichen Möglichkeiten, Gesundheit zu fördern und zu erhalten – auch bei unseren Lebenspartnern auf vier Pfoten, deren Leben unserer Obhut anvertraut ist.

Herausforderung für die Medizin des 21. Jahrhunderts

Werfen wir einen kurzen Blick zurück in die Geschichte des Abendlandes und die Anfänge wissenschaftlichen Denkens im antiken Griechenland … Damals, einige Jahrhunderte vor Christus, gab es keinen Arzt im heutigen Sinne, keinen Fachmann für die Funktionen des Organismus, sondern „Ärzte“ waren in erster Linie Universalgelehrte, die aus philosophischen Überlegungen praktische Konsequenzen zogen.

Auf dieser Grundlage versuchten sie, das Wohlbefinden wiederherzustellen und Körper und Seele aus ihrem Ungleichgewicht, das sich dem antiken Verständnis zufolge in Schmerzen, Fieber und anderen Symptomen zeigte, heraus zu holen. Nicht Gesundheit in unserem heutigen Sinne war das Ziel – die altgriechische Sprache hat nicht einmal ein Wort für „Gesundheit“ im ausschließlich medizinischen Sinn – sondern man strebte etwas anderes an: „Harmonie“ – jene Harmonie, die die Lebenswissenschaften heute als Zustand der Kohärenz (ausgewogener Zustand verschiedener Aspekte des Lebens bzw. Funktionen des Organismus) beschreiben und die Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen zunehmend als grundlegende Voraussetzung körperlicher Gesundheit und Langlebigkeit verstehen.

Heute aber haben wir die Chance, nicht „nur“ Harmonie und Wohlbefinden zu finden, sondern mit dem biologischen und medizinischen Wissen des 21. Jahrhunderts auch die körperliche Gesundheit mit effizienten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten sicherzustellen.

Der Idealzustand, beide Aspekte auf der Basis von Wissenschaft und Forschung miteinander zu verbinden, ist wahrscheinlich eine der großen Herausforderungen für die Medizin des 21. Jahrhunderts – bei Mensch und Tier gleichermaßen.

Sprache und Kommunikation als verbindendes Moment

Bereits in der Antike wusste der griechische Philosoph Platon, dass gewisse Heilkräuter nur dann wirken, wenn sie von den richtigen Worten begleitet verabreicht werden. Und daran hat sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil! Alle Informationen, die wir im Gespräch mit dem Arzt aufnehmen, und vor allem alle Emotionen, die uns dabei begleiten – ob Angst und Hoffnungslosigkeit, oder Vertrauen und Zuversicht dominieren – bestimmen unser Denken und führen zu neuronalen Veränderungen im Gehirn. Wie einflussreich die Wortwahl des Arztes ist und wie machtvoll – durchaus im Sinne von wirksam! – die Überzeugungen sein können, die wir dabei übernehmen, ist in der modernen Placeboforschung, die die neurobiologischen Hintergründe dieses Phänomens aufdeckt, für Mensch UND Tier vielfach belegt.

Vertrauen und Zuversicht bieten Sicherheit – und damit einen der wichtigsten Aspekte jener Harmonie, die unabdingbarer Teil der Gesundheit eines jeden Organismus ist. „Placebos – bzw. die suggestiven Worte des Arztes – bewirken biochemische Reaktionen, sie verändern das Gehirn!“ schreibt denn auch der renommierte Mediziner und Neurowissenschaftler Johann Caspar Rüegg. Und genau diese Veränderungen und Modifikationen sind es, die auch während unserer Kommunikation mit dem Tierarzt entstehen und die in der Folge unser Denken, unser Verhalten und vor allem unseren Umgang mit dem vierbeinigen Patienten bestimmen. Unser Hund wird in der engen Beziehung, die wir tagtäglich mit ihm leben, die Signale unserer positiven Erwartungshaltung erkennen und sich an ihnen orientieren. Der Arzt und seine Worte sind Teil der Therapie und haben wesentlichen Einfluss auf ihre Wirksamkeit – nicht nur in der Humanmedizin, sondern über das Verhalten des Besitzers und seinen mentalen Umgang mit der Erkrankung des Hundes auch in der Tiermedizin.

Tipps zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden

Aktivität und Bewegung fördern: Bewegung reduziert die Stresshormone im Organismus und ist damit eine der besten vorbeugenden Maßnahmen gegen viele lebensverkürzende Erkrankungen. Aktivitäten zu fordern oder im Übermaß zu forcieren, aber kann des Guten zu viel sein. Bewegung muss dem Alter und der individuellen Belastbarkeit des Tieres angepasst sein.

Ruhephasen statt Überforderung: Gemeinsame Unternehmungen und Erfolge stärken die Bindung – im Moment des Erlebens, und vor allem in den Ruhephasen danach, wenn das Gehirn des Hundes die Geschehnisse verarbeitet und entsprechende Verknüpfungen aufbaut. Derartige Erkenntnisse aus der Wissenschaft in den Alltag oder auch in die klassische Hundeausbildung einzubeziehen, könnte sich für ein harmonisches Zusammenleben bzw. den Trainingserfolg durchaus als vielversprechend erweisen.

Chronischen Stress vermeiden: Chronischer Stress führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Kortisol durch die Nebennieren. Dies kann die körpereigene Balance zwischen Stress- und Immunsystem empfindlich stören. Wenn ein Überschuss an Kortisol die Produktion notwendiger Immunbotenstoffe und damit wichtige Abwehrmechanismen blockiert, leidet nicht nur die alltägliche Infektionsabwehr, sondern auch die Fähigkeit des Immunsystems, tumorverdächtige Zellen zu erkennen und unmittelbar zu eliminieren. Chronischen bzw. negativen Stress zu reduzieren, schützt also nicht nur vor vermehrt auftretenden Infektionskrankheiten, sondern ist gleichzeitig eine effektive Tumorprävention.

„Kuschelhormon“ aktivieren: Der Botenstoff Oxytocin – umgangssprachlich als „Kuschelhormon“ in aller Munde – fördert die Bindung zwischen Mensch und Tier und vermindert zudem die neurophysiologischen Auswirkungen von Stress. So gesehen ist beispielsweise die in der Hundeausbildung oder von Züchtern teils heute noch empfohlene Vorgangsweise, einem ängstlichen Hund mit Nicht-Beachtung zu begegnen, um das unerwünschte Verhalten durch Zuwendung nicht zu bestärken, überaus fragwürdig. Gerade bei furchtsamen oder ängstlichen Hunden können gemeinsame Entspannung, Kuscheln und Streicheln über die Ausschüttung von Oxytocin sehr viel Positives für den Organismus bewirken.

Ernährung nicht Ideologien unterordnen: Die Versorgung des Körpers mit allen notwendigen Nährstoffen ist die biologische Grundlage seiner Funktionsfähigkeit, aber gerade der ideologische Diskussionsstoff rund um diese Thematik scheint grenzenlos: Barfen wird zum Allheilmittel stilisiert, oder der Hund soll die eigene Ethik mittragen und zum Vegetarier oder Veganer werden. Und die Gerüchteküche, die insbesondere in kommerziellem Fertigfutter immer wieder Inhaltsstoffe vermutet, die in keinerlei Zusammenhang mit Ernährung stehen, ist bunt und vielfältig. Fundierte Ratschläge zur optimal auf das jeweilige Lebensalter abgestimmten Ernährung oder zur korrekten Zusammensetzung einer Barf-Ration sind jedoch ausschließlich beim auf Ernährung spezialisierten Fachtierarzt zu bekommen!

Vierbeiner nicht Zigarettenrauch aussetzen: Passivrauchen verursacht das Versagen der Immunabwehr gegen Tumoren. Eine der Hauptursachen dafür ist die organische Verbindung Acrolein, die über den sogenannten Seitenstromrauch beim Rauchen an die Umwelt weitergegeben wird. Diese Substanz unterdrückt Teile der Immunantwort und kurbelt so das Tumorwachstum an – nicht nur während des Rauchens bzw. Passivrauchens, sondern auch danach, denn Acrolein heftet auch an Tischplatten, an Kleidung und Vorhängen, und kann so auch noch nach dem eigentlichen Rauchen von Mensch und Tier über die Haut aufgenommen werden.

Beim Kauf von Hundespielzeug an die Gesundheit denken: Zu den gesundheitsrelevanten Umwelteinflüssen, die sich zum Teil leicht vermeiden lassen, gehört die Interaktion des Organismus mit chemischen Stoffen. So werden beispielsweise die Risiken von Bisphenol A, das vielfach in Plastikspielzeug für Hunde enthalten ist, nur selten thematisiert.

Denken wir nur an das für Welpen und Junghunde so beliebte bunte Bällebad! Heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge können diese Chemikalien das genetische Erbgut der Körperzellen verändern und so u.a. krebserregend wirken. Die Suche nach Bisphenol-A-freiem Spielzeug ist ein wertvoller Beitrag zur Gesundheitsvorsorge.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten: Die Vorsorgeuntersuchung sollte auch für unseren besten Freund auf vier Pfoten zur Selbstverständlichkeit werden, denn bei vielen Erkrankungen kann Früherkennung Leben retten!

Von Mag. Kerstin Piribauer