Vergiftungen bei Hund und Katze

GiftHunde- und Katzenbesitzer kennen die Schlagzeilen aus Tageszeitungen und Internet: „Hundehasser legt tödliche Giftköder aus“ oder „Katzen verschwinden auf unerklärliche Weise – der Tiermörder geht um“. Dadurch wird zwar die Sorge um das geliebte Haustier geschürt und Angst verbreitet, die wahren Gefahren für unsere Haustiere liegen jedoch woanders: In einer Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurden Vergiftungsfälle bei Hunden und Katzen genauer untersucht. Dabei konnte in den meisten Fällen die Ursache und Quelle der Vergiftung in der häuslichen Umgebung des Tieres lokalisiert werden.

Schädlingsbekämpfungsmittel an vorderster Front

Die häufigste Ursache für Vergiftungen bei Hunden war die Aufnahme von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Mit Abstand an erster Stelle war das bekannte Schneckenkorn mit dem Inhaltsstoff Metaldehyd zu finden. Damit sollte eigentlich die Schneckenplage im Frühjahr reduziert werden, leider nehmen aber besonders Hunde diese Substanz sehr gerne auf. Nach der Aufnahme vergehen oft nur 30 Minuten bis zum Eintreten von schweren Zitterkrämpfen. Bei rascher und entsprechend intensiver tierärztlicher Hilfe überleben glücklicherweise sehr viele dieser Hunde. SChnekcenInsektizide und Rattengift führen ebenfalls immer wieder zu Vergiftungen. Rattengift ist hierbei besonders gefürchtet, da die Symptome zumeist erst nach einigen Tagen eintreten. Es kommt zu Blutungen der Schleimhäute, Nasenbluten und verlängertem Nachbluten bei kleinen Hautkratzern. Blutiger Durchfall tritt sehr selten als Folge einer Rattengiftaufnahme auf und hat viel öfter andere Ursachen.

Vergiftungen durch Medikamente

An zweiter Stelle beim Hund und an erster Stelle bei der Katze steht die Vergiftung durch Medikamente. Viele Medikamente für den Menschen sind für Tiere giftig oder unverträglich. Die Dosierung kann von der beim Menschen stark abweichen und das Präparat sollte daher immer nur nach Rücksprache mit einem Tierarzt verabreicht werden. Manche Floh- und Zeckenprophylaxemittel mit guter und sicherer Wirkung beim Hund führen bei Katzen ebenfalls zu schweren Vergiftungssymptomen. Krämpfe, Speicheln und Durchfall sind auch hier die Hauptsymptome. Erstaunlich ist die Tatsache, dass viele Hunde und Katzen zu Hause unsachgemäß verwahrte Medikamente gefressen haben. Auch unachtsam fallen gelassene Tabletten landen oftmals schnell im Magen unserer Lieblinge, die an ein persönliches Leckerli glauben. Sofern das Tier dann möglichst bald einem Tierarzt vorgestellt wird, kann dieser es mit bestimmten Mitteln zum Erbrechen bringen und die aufwändige Magenspülung umgehen.

Lebensmittelvergiftungen

An dritter Stelle beim Hund stehen die oftmals unterschätzen Lebensmittel. Schokolade, Kaffee und Tee dürfen nicht an Haustiere verfüttert werden. Zwiebel, Knoblauch, Weintrauben und Macadamia- Nüsse zählen ebenso zu den Quellen von möglichen Vergiftungen. Nicht selten räumen Hunde in einem unbeobachteten Moment den Abfalleimer in der Küche aus und nehmen dabei Verdorbenes, Verschimmeltes oder – wie oben erwähnt – einfach für Hunde Giftiges auf. Komposthaufen sind für viele Hunde eine wahre Fundgrube für vermeintlich Fressbares. Die Schimmelpilze auf den vermodernden Abfällen produzieren aber im Laufe der Zeit starke Giftstoffe, die rasch zu akuten Symptomen führen.

Giftige Zimmerpflanzen

WeihnachtssternBei Katzen sind Zimmerpflanzen ein begehrtes Ziel, um Neues und Unbekanntes zu kosten. Spielerisch wird zuerst mit den Blättern und den Blüten gespielt um dann später einmal herzhaft reinzubeißen. Leider kann die Katze am Geschmack nicht zwischen Giftpflanzen und Katzengras unterscheiden. Vergiftungen mit Erbrechen und Durchfall, Maulschleimhautverätzungen und je nach Giftpflanze auch Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle sind die schwerwiegenden Folgen. Zu den häufigsten Giftpflanzen gehören Dieffenbachie, Weihnachtsstern, Eibe, Maiglöckchen und Oleander.

 

Tödliche Frostschutzmittel

Frostschutzmittel schmecken sehr süß und werden von Tieren bei ungehindertem Zugang zu dieser Substanz sehr gerne aufgeschleckt. Das Zerbeißen von Coolpacks und die Aufnahme von Frostschutzmittel für Kraftfahrzeuge führen zuerst zu Erbrechen und Durchfall um dann nach 1 bis 2 Tagen in einem leider zumeist tödlichen Nierenversagen zu enden.

Gefährliche Fellpflege

Waschmittelvergiftungen treten eher bei Katzen auf. Das liegt zum Teil an dem Putzverhalten der Samtpfoten, die verklebtes oder verschmutztes Fell rasch mit der Zunge reinigen und damit die Giftstoffe aufnehmen. Leider kommt es bei Katzen auf gleichem Wege auch zu Vergiftungen mit Kraftstoffen und Ölen.

Welpen und Jungtiere stärker gefährdet

Junge Tiere sind häufiger von Vergiftungen betroffen als Ältere. Mehr als die Hälfte der an Vergiftungen erkrankten Tiere ist jünger als 3 Jahre. Das liegt einerseits an der natürlichen, stärker ausgebildeten Neugierde bei Jungtieren, andererseits aber auch an der mangelnden Erfahrung ihrer Halter. Auch ist die Gefahr für leichte und kleine Tiere größer, da im Verhältnis zum geringen Körpergewicht weniger Giftstoff notwendig ist um die Symptome hervorzurufen. Die Symptome einer Vergiftung hängen natürlich vom Gift, von der aufgenommenen Menge und der Konstitution des Tieres ab. Interessanterweise führen die meisten schweren Vergiftungen zu Symptomen des Nerven – und Muskelsystems. Die Zeit zwischen Giftaufnahme und den ersten Symptomen beträgt in der Regel 15 Minuten bis 2 Stunden. Eine Ausnahme stellen Ratten und Mäusegifte dar, die in der Regel erst nach einigen Tagen zu Symptomen führen. Die Todesrate von Hunden und Katzen mit schweren Symptomen, die eine Vorstellung an einer Tierklinik mit nachfolgender stationärer Aufnahme des Patienten notwendig machen, liegt bei knapp 10 Prozent. Gott sei Dank sind aber die meisten Vergiftungen mit einem ambulanten Tierarztbesuch zu behandeln und gehen dann auch in der Regel ohne Folgeschäden ab.

Giftköder

Zu guter Letzt sei auch noch auf die in den Medien kolportierten, absichtlichen Vergiftungen eingegangen. Illegale Giftköder beinhalten häufig Insektizide oder andere rasch wirksame Substanzen. Immer wird das Gift in einem vermeintlich wohlschmeckenden Köder verpackt. Bekannt sind hier vor allem die auf Feldern im Herbst zu findenden, mit einem oftmals violetten Pulver imprägnierten, Fleischbrocken. Leider werden – wenn auch seltener – auch in verbautem Gebiet in der Stadt Köder in Gebüschen und in Hundezonen ausgelegt. Die Anzahl der Vergiftungen aufgrund dieser heimtückischen Vorgehensweise ist Gott sei Dank gering und macht weniger als 5% aller ursächlich aufgeklärten Vergiftungen aus. Für die mit Abstand größte Gruppe an Vergiftungen sind leider Hunde – und Katzenbesitzer selbst verantwortlich: Unsachgemäße Lagerung von Nahrungsmitteln und Medikamenten, unvorsichtiges Ausbringen von Schädlingsbekämpfungsmitteln und fehlende Informationen über die Gefährlichkeit von manchen Haushaltsmitteln führen leider zu oft zu schweren Vergiftungen, die sich mit einiger Vorsicht vermeiden ließen.