Vergiftungen bei Hund und Katze

Giftköder als Ursache überschätzt

Immer wieder hört und liest man Warnungen vor hinterhältig ausgelegten Giftködern. Die Tatsache, dass Menschen zu solch einer Handlung fähig sind, ist unzweifelhaft erschreckend und verwerflich. Aber Vierbeiner, die Giftködern zum Opfer fallen, sind in der Minderzahl zu den vielen Hunden und Katzen, die sich zuhause vergiften, indem sie nicht sicher verwahrte Produkte wie zum Beispiel Medikamente und Schädlingsbekämpfungsmittel aufnehmen oder giftige Zimmerpflanzen fressen. Auch das Unwissen vieler Tierhalter bezüglich für Hund und Katze giftiger Lebensmittel führt häufig zu schweren Erkrankungen.

Junge Tiere besonders gefährdet

Genau wie kleine Kinder sind auch Jungtiere besonders neugierig und wollen alles ausprobieren. Die tragische Folge davon sind in vielen Fällen Vergiftungen unterschiedlichen Schweregrades. Mehr als die Hälfte der an Vergiftungen erkrankten Tiere ist jünger als drei Jahre. Außerdem ist auch die Gefahr eine Vergiftung zu erleiden für leichte und kleine Tiere größer, da im Verhältnis zum geringen Körpergewicht weniger Giftstoff notwendig ist, um Symptome hervorzurufen. Die Symptome einer Vergiftung hängen vom Gift, von der aufgenommenen Menge und der Konstitution des Tieres ab. Interessanterweise führen die meisten schweren Vergiftungen zu Symptomen des Nerven- und Muskelsystems. Die Zeit zwischen Giftaufnahme und den ersten Symptomen beträgt in der Regel 15 Minuten bis 2 Stunden. Eine Ausnahme stellen Ratten- und Mäusegifte dar, die in der Regel erst nach einigen Tagen zu Symptomen führen.

Schädlingsbekämpfungsmittel als häufigste Ursache

● An allererster Stelle ist das bekannte Schneckenkorn mit dem Inhaltsstoff Metaldehyd zu finden. Damit soll eigentlich die Schneckenplage im Frühjahr reduziert werden, leider nehmen aber besonders Hunde diese Substanz sehr gerne auf. Nach der Aufnahme vergehen oft nur 30 Minuten bis zum Eintreten von schweren Zitterkrämpfen. Bei rascher und entsprechend intensiver tierärztlicher Hilfe überleben glücklicherweise sehr viele dieser Hunde.

● Insektizide und Rattengift führen ebenfalls immer wieder zu Vergiftungen. Rattengift ist hierbei besonders gefürchtet, da die Symptome zumeist erst nach einigen Tagen eintreten. Es kommt zu Blutungen der Schleimhäute, Nasenbluten und verlängertem Nachbluten bei kleinen Hautkratzern. Blutiger Durchfall tritt aber nur sehr selten als Folge einer Rattengiftaufnahme auf und hat viel öfter andere Ursachen.

Medikamente als zweithäufigste Vergiftungsursache

An zweiter Stelle beim Hund und an erster Stelle bei der Katze steht die Vergiftung durch Medikamente. Die Tatsache, dass viele Hunde und Katzen zu Hause die Möglichkeit haben, unsachgemäß verwahrte Medikamente zu fressen, ist gelinde gesagt erstaunlich. Auch unachtsam fallen gelassene Tabletten landen schnell im Magen der Vierbeiner, da diese die Tabletten für ein Leckerli halten. Aber viele Medikamente für den Menschen sind für Tiere giftig oder unverträglich. Auch die Dosierung kann von der beim Menschen stark abweichen, weshalb ein für den Menschen verordnetes Präparat immer erst nach Rücksprache mit einem Tierarzt verabreicht werden darf. Manche Mittel zur Floh- und Zeckenprophylaxe mit guter und sicherer Wirkung beim Hund führen bei Katzen leider zu schweren Vergiftungssymptomen. Krämpfe, Speicheln und Durchfall sind auch hier die Hauptsymptome. In so einem Fall muss das Tier möglichst rasch zum Tierarzt gebracht werden. Der Tiermediziner kann mit bestimmten Mitteln Erbrechen auslösen und somit die aufwändige Magenspülung umgehen.

Lebensmittelvergiftungen an dritter Stelle

Die oftmals unterschätzten Lebensmittel Schokolade, Kaffee und Tee dürfen nicht an Haustiere verfüttert werden. Zwiebel, Knoblauch, Weintrauben und Macadamia-Nüsse zählen ebenso zu den Quellen möglicher Vergiftungen. Leider lieben Hunde es, in einem unbeobachteten Moment den Abfalleimer in der Küche auszuräumen und nehmen dabei Verdorbenes, Verschimmeltes oder – wie oben erwähnt – einfach für Hunde Giftiges auf. Auch Komposthaufen sind für viele Vierbeiner eine wahre Fundgrube für vermeintlich Fressbares. Die Schimmelpilze auf den vermodernden Abfällen produzieren aber im Laufe der Zeit starke Giftstoffe, die rasch zu akuten Vergiftungssymptomen führen.

Tödliche Frostschutzmittel

Frostschutzmittel schmecken sehr süß und werden von Tieren bei ungehindertem Zugang zu dieser Substanz sehr gerne aufgeschleckt. Das Zerbeißen von Coolpacks und die Aufnahme von Frostschutzmittel für Kraftfahrzeuge führen zuerst zu Erbrechen und Durchfall, um dann nach 1 bis 2 Tagen in einem leider zumeist tödlichen Nierenversagen zu enden.

Zimmerpflanzen für Katzen besonders gefährlich

Bei Katzen sind Zimmerpflanzen ein begehrtes Ziel, um Neues und Unbekanntes zu kosten. Spielerisch wird zuerst mit den Blättern und den Blüten gespielt, um dann herzhaft hineinzubeißen. Leider können Katzen am Geschmack nicht zwischen Giftpflanzen und Katzengras unterscheiden. Vergiftungen mit Erbrechen und Durchfall, Maulschleimhautverätzungen und je nach Giftpflanze auch Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle sind die schwerwiegenden Folgen. Zu den häufigsten Giftpflanzen in Wohnungen gehören Dieffenbachie, Weihnachtsstern, Eibe, Maiglöckchen und Oleander.

Problematisches Putzverhalten von Katzen

Samtpfoten nehmen Gifte häufig bei der Fellpflege auf. Wenn sie ihr verklebtes oder verschmutztes Fell eifrig mit der Zunge reinigen, schlecken sie dabei die Giftstoffe auf. Das ist der Grund, warum Waschmittelvergiftungen bei Katzen häufiger auftreten als bei Hunden. Aber auch Kraftstoffe und Öle werden von den Stubentigern auf gleichem Wege aufgenommen und führen ebenfalls zu Vergiftungen.

Weniger als fünf Prozent Vergiftungen durch Giftköder

In böser Absicht ausgelegte Giftköder beinhalten häufig Insektizide oder andere rasch wirksame Substanzen. Immer wird das Gift in einem vermeintlich wohlschmeckenden Köder verpackt. Bekannt sind vor allem die mit einem violetten Pulver imprägnierten Fleischbrocken, die im Herbst häufig auf Feldern zu finden sind. Leider werden auch in verbautem Gebiet in der Stadt hin und wieder Köder in Gebüschen und in Hundezonen ausgelegt. Die Anzahl der Vergiftungen aufgrund dieser heimtückischen Vorgehensweise ist Gott sei Dank gering und macht weniger als 5% aller ursächlich aufgeklärten Vergiftungen aus.

Für die mit Abstand größte Gruppe an Vergiftungen sind leider Hunde- und Katzenbesitzer selbst verantwortlich: Unsachgemäße Lagerung von Nahrungsmitteln und Medikamenten, unvorsichtiges Ausbringen von Schädlingsbekämpfungsmitteln und fehlende Informationen über die Gefährlichkeit von manchen Haushaltsmitteln führen leider zu oft zu schweren Vergiftungen, die sich mit einiger Vorsicht vermeiden ließen.

Die Todesrate von Hunden und Katzen mit schweren Symptomen, die eine Vorstellung an einer Tierklinik mit nachfolgender stationärer Aufnahme des Patienten notwendig machen, liegt bei knapp 10 Prozent. Gott sei Dank sind aber die meisten Vergiftungen mit einem ambulanten Tierarztbesuch zu behandeln und hinterlassen meist keine Folgeschäden.

Privatdozent
Dr. Michael Leschnik

Ambulanz für Neurologie, Abteilung für Interne Medizin, Department für Kleintiere und Pferde, Veterinärmedizinische Universität Wien