Verein ‚Rote Pfote‘

Die Tumortherapie nimmt auch bei Tieren einen immer größeren Stellenwert ein. Kein Wunder, stirbt doch bereits jeder zweite Hund und jede dritte Katze über zehn Jahren an Krebsarten, die denen des Menschen teils sehr ähnlich, teils sogar gleich sind. Besonders gut vergleichbar sind Brustkrebs, Knochenkrebs, Melanome, Mastzelltumoren, Lymphdrüsenkrebs und Blasenkrebs. Aber anders als beim Menschen ist beim tumorkranken Hund medizinische Behandlung nicht automatisch vorgesehen. Noch im letzten Jahrzehnt waren die Behandlungs-möglichkeiten gegen Krebs beim Tier sehr begrenzt. Stand doch die Veterinäronkologie lange Zeit im Schatten der Humanonkologie, bis sich in den letzten Jahren auf internationaler Ebene zunehmend die Erkenntnis durchsetzte, dass das gemeinsame Entwickeln neuer Strategien gegen Krebs, sei es therapeutisch oder vorbeugend, weit effektiver ist und dass die gemeinsame Arbeit von Veterinär- und Humanmedizin viele Fragen zum Thema Krebs schneller beantworten kann. Im Jahr 2007 haben sich erstmalig in Europa Ärzte und Tierärzte im Verein „Rote Pfote“ zusammengeschlossen, um durch gemeinsame Forschung Tumorerkrankungen bei Mensch und Tier Einhalt zu gebieten. Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim und Univ.-Prof. Dr. Edgar Selzer – beide Krebsforscher an der Medizinischen Universität Wien – und Dr. Michael Willmann, Onkologe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, wollen die biologische Ähnlichkeit zwischen Mensch und Hund in parallel laufenden Studien zum Wohle von Zwei- und Vierbeinern nützen. Es war dies der erste Schritt einer interdisziplinären Zusammenarbeit im Bereich Krebsforschung und Entwicklung neuer leistbarer Therapien für Tiere in Europa, der sich als bahnbrechend und wegweisend erweisen sollte. So ermöglichen heute neben chirurgischen Eingriffen auch Bestrahlungstherapie und neue Wege in der Chemotherapie die erfolgreiche Behandlung von Krebs bei Tieren und eine Lebensverlängerung der Patienten bei hoher Lebensqualität.

Gemeinsame Forschung nützt Mensch und Tier
Menschliche Krebspatienten profitieren von der gemeinsamen Forschung insofern, dass durch die kürzere Lebensdauer der Tiere auch die Krebszyklen schneller ablaufen und daher die Forschungsergebnisse früher vorliegen. Die vierbeinigen Patienten wiederum haben aus den parallelen Studien folgenden Nutzen, dass die dabei erprobten Medikamente nach Abschluss der Studien nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere zur Verfügung stehen.

Hundegenom entschlüsselt
Die vergleichende Krebsforschung für Mensch und Tier basiert zu einem großen Teil auf der Entschlüsselung des Hundegenoms im Jahr 2005 an einer Boxerhündin namens Tasha. Seit diesem Moment weiß man, dass Hund und Mensch sich viel ähnlicher sind als artifizielle vorklinische Maus- und Rattenmodelle und dass daher in der gemeinsamen Entwicklung von Medikamenten viel erreicht werden kann. Wenn man Mensch und Hund vergleichend betrachtet, kommt man wesentlich schneller voran. Das ist ein großer Vorteil und in diesem Bereich hat die „Rote Pfote“ im europäischen Forschungsbereich sehr viel Aufklärungsarbeit leisten können. Sowohl an der Medizinischen als auch an der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde vergleichende Onkologie und allgemein auch die vergleichende Medizin in die Entwicklungspläne der Universitäten aufgenommen, und es wird in naher Zukunft an beiden Universitäten eine eigene Professur für diesen Bereich geben.

Verein „Rote Pfote“ fördert Studienprojekte
Impfstudie zur Therapie von Brustkrebs (Mammakarzinom) Es hat sich herausgestellt, dass diese Krebsart bei Hund und Mensch gleich aufgebaut ist und das Wachstumsantigen des Tumors, auf dem der Impfstoff basiert, bei beiden ident ist. Es kann also für Mensch und Hund der gleiche Impfstoff entwickelt werden. Die Impfung soll das weitere Wachstum des Tumors und Metastasenbildung verhindern. Die Studie wurde vor Kurzem abgeschlossen. Dies bedeutet, dass in naher Zukunft Tieren mit Mammakarzinomen mit der neuentwickelten therapeutischen Impfung geholfen werden kann. Das Ziel einer aktiven Immunisierung ist, dass der Körper die Antikörper selbst produziert und man sie nicht synthetisch herstellen muss. Letzteres wäre in der Veterinärmedizin nicht leistbar. Deswegen förderte der Verein „Rote Pfote“ diese Impfstudie. Denn nur Projekte für Therapien, die letztendlich für den Tierbesitzer auch erschwinglich sind, werden gefördert. l Studie über Immunglobulin E Man weiß heute, dass Menschen oder Hunde mit Allergien ein Übermaß an einem bestimmten Antikörper, nämlich Immunglobulin E (IgE) im Körper bilden. Aus der Humanmedizin ist bekannt, dass Menschen mit Allergien viel seltener Tumorerkrankungen entwickeln – vermutlich aufgrund des hohen IgESpiegels im Körper. Diese Patienten scheinen gegen Tumoren geschützt, weil das IgE physiologisch die Wirkung hat, jedes Antigen zu präsentieren. Das heißt, wenn eine fehlgeleitete Tumorzelle sich im Körper befindet, ist das Immunsystem viel aktiver, hellwach, und reagiert wegen des hohen IgE-Spiegels viel aggressiver. Leider aber auch manchmal überschießend wie bei einem Wespenstich. Dieses Wissen um die Funktion von IgE sollte man in der Tumortherapie einsetzen. Eine chinesische Forscherin war zu diesem Zweck ein Jahr in Österreich. Sie konnte nicht nur das IgE des Hundes charakterisieren, sondern auch IgE gegen tumorspezifische Antigene des Hundes herstellen und diese Daten international präsentieren. Dieses Projekt bietet die Grundlage für neue Behandlungsmethoden gegen Krebs.

Zukunftsvision: Vorbeugende Impfung gegen Tumoren
Manche Rassen haben eine besonders hohe Neigung zu bestimmten Krebserkrankungen: Boxer neigen sehr stark zu Mastzelltumoren, Greyhounds und Großhunderassen zu Knochenkrebs. In diesen Fällen mit erhöhtem Risiko zu einer Krebsart wird heute bereits diskutiert, ob man vorbeugend impfen könnte. So führen die Forscher des Vereins „Rote Pfote“ bereits internationale Gespräche über ein Impfprogramm gegen den Mastzelltumor beim Boxer.

Ausgezeichnet mit dem Spendengütesiegel 
Ende letzten Jahres wurde dem Verein „Rote Pfote“ große Anerkennung zuteil: Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder verlieh das Spendengütesiegel. Dies ist der Garant dafür, dass Ihre Spende ausschließlich in die Forschungsarbeit des Vereines fließt. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Wenn auch Sie die Krebsforschung für Tiere finanziell unterstützen möchten, spenden Sie bitte auf folgendes Konto: Kontonummer 15 106 107 lautend auf „Rote Pfote“ bei der Raiffeisenbank Wien, BLZ: 32000. www.rotepfote.at 
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