Tödliche Kaninchenseuchen

Einmal jährlich impfen schütztImmer mehr Kaninchen leben als Heimtiere in Privathaushalten. Leider glauben jedoch noch immer viele Kaninchenhalter, dass nur Langohren in großen landwirtschaftlichen Betrieben durch Impfungen vor tödlichen Seuchen geschützt werden müssen. Das ist ein gefährlicher Irrglaube: Denn als Heimtiere gehaltene Kaninchen sind im gleichen Ausmaß von den Infektionskrankheiten Myxomatose und Chinaseuche bedroht wie landwirtschaftliche Nutzkaninchen. Daher müssen auch Kaninchen in Heimtierhaltung regelmäßig geimpft werden.

In der Regel tödlich: Chinaseuche (RHD)

Diese hochansteckende Viruserkrankung der Haus- und Wildkaninchen wurde das erste Mal in China beschrieben, weshalb sie auch heute noch so genannt wird. Der wissenschaftliche Name lautet jedoch „Rabbit Hämorrhagic Desease“, Tierärzte sprechen kurz von RHD. Der Erreger ist ein in der Umwelt sehr widerstandsfähiges Virus, das direkt von Tier zu Tier, aber auch indirekt über Personen, Futter, Einstreu, Staub und Transportkäfige übertragen werden kann. Die direkte Übertragung erfolgt über den Kot, Harn, Speichel, Nasen- und Augensekret und über den Deckakt. Besondere Ansteckungsgefahr besteht natürlich immer dann, wenn sehr viele Kaninchen zusammenkommen, zum Beispiel auf Ausstellungen. Auch die rasche Verbreitung durch fliegende Insekten spielt eine immer größer werdende Rolle – aufgrund der milderen Winter steigt die Zahl der Stechmücken beständig an, so dass diese jetzt auch schon außerhalb der Sommermonate anzutreffen sind. Es sind daher auch Kaninchen in Wohnungshaltung gefährdet, durch Mücken mit Chinaseuche angesteckt zu werden. Die Erkrankung verläuft so akut, dass meist keine klinischen Symptome beobachtet werden, sondern betroffene Tiere ohne vorherige Krankheitsanzeichen plötzlich tot aufgefunden werden. Nur bei den seltenen verzögerten Verläufen werden Symptome wie Nasenbluten mit starker Atemnot, blutiger Harnabsatz oder blutiger Tödliche Kaninchenseuchen Durchfall beobachtet. Chinaseuche ist nicht behandelbar, sie ist die derzeit gefährlichste Kaninchenseuche.

Sehr ansteckend: Myxomatose (Kaninchenpest)

Die Myxomatose oder Kaninchenpest ist eine sehr ansteckende Erkrankung, die durch ein Virus ausgelöst wird. Das Myxomatose-Virus ist wirtsspezifisch und daher grundsätzlich nicht auf andere Tiere oder Menschen übertragbar. Aus diesem Grund sind von Myxomatose – abgesehen von einigen Fällen bei Feldhasen – nur Kaninchen inklusive Wildkaninchen betroffen. Die Übertragung des Erregers erfolgt hauptsächlich durch Stechinsekten, wie Mücken, Milben, Zecken und Kaninchenflöhe. Aber auch eine direkte Ansteckung von Kaninchen zu Kaninchen oder über das Futter (Grünfutter!) ist möglich, und auch der Mensch kann als Zwischenträger für das Virus fungieren. Es gibt zwei Erscheinungsformen der Myxomatose: Die fatale ödematöse Form und die etwas mildere knotige Form. Von der ödematösen Form der Myxomatose befallene Tiere leiden an geschwollenen eitrigen Augen, teigigen Schwellungen an Mund, Nase und Ohren sowie an den Gliedmaßenenden und an den Geschlechtsorganen. Die Tiere fressen und trinken nichts mehr, haben Atemnot und sterben nach ein bis zwei Wochen an Sekundärinfektionen. Die knotige Form zeigt sich in derbelastischen Knoten in der Haut und Unterhaut, die im Verlauf der Erkrankung geschwürig zerfallen. Eine gezielte Behandlung ist jedoch auch bei der knotigen Form nicht möglich. Die symptomatische Behandlung mit Antibiotika, Infusionen und gegebenenfalls Zwangsernährung kann bei der knotigen Verlaufsform versucht werden. Die wenigen Tiere, die eine Myxomatose-Erkrankung überlebt haben, bleiben lebenslang Virusausscheider.

Mit kombinierter Impfung gegen RHD und Myxomatose vorbeugen

ImpfenWie schon anfangs erwähnt, hat das Risiko für Kaninchen, sich mit Myxomatose und Chinaseuche (RHD) anzustecken, in den letzten Jahren durch das verstärkte Auftreten von Stechinsekten dramatisch zugenommen. Da es gegen beide Krankheiten keine Behandlungsmöglichkeiten gibt, kommt der Vorbeugung eine besondere Bedeutung zu. Dazu gehört, dass der Kontakt zu Wildkaninchen vermieden wird und kein Wiesenfutter gefüttert wird, zu dem Wildkaninchen Zugang haben. Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung ist jedoch die Schutzimpfung gegen Myxomatose und RHD. Bis vor einigen Jahren gab es nur getrennte Impfungen gegen die beiden Erkrankungen, wobei der Impfschutz für Myxomatose nur ein halbes Jahr anhielt – es musste also zweimal jährlich geimpft und im ersten Impfjahr sogar mehrmals grundimmunisiert werden. Dies bedeutete viele Tierarztbesuche in kurzen Abständen und gestresste Kaninchen! Jetzt gibt es jedoch einen kombinierten Impfstoff, der sowohl gegen Myxomatose als auch gegen RHD schützt und nur einmal jährlich verabreicht werden muss. Auch eine mehrmalige Grundimmunisierung im ersten Impfjahr ist mit dem kombinierten Impfstoff nicht mehr nötig. Es ist dies der erste Impfstoff mit einem ganzen Jahr Immunitätsdauer gegen Myxomatose und RHD – bereits nach einer einzigen Impfung. Geimpft werden können Kaninchen ab dem Lebensalter von fünf Wochen. Nachkommen geimpfter Muttertiere sind über die Muttermilch bis zum Alter von vier Wochen gegen Myxomatose und RHD geschützt. Wichtig für Tierfreunde: Im Gegensatz zu den früher üblichen RHD-Impfstoffen werden beim neuen kombinierten Impfstoff keine Kaninchen zur Gewinnung von Impfvirus benötigt.