Steig- und Motorik-Übungen für den Hund

Auf sicheren Pfoten ins Leben

Zu den klassischen Alltagsproblemen mit unseren Hunden – angefangen bei mangelnder Aufmerksamkeit über Leineziehen bis hin zu diversen Unsicherheiten bei Begegnungen – kann man sich endlos Tipps, Ratschläge und Trainingsmethoden einholen. Leider wird dann sehr oft nur an Symptomen gearbeitet. Die eigentlichen Ursachen werden dabei aber missachtet, und es erfolgt keine nachhaltige Besserung. Viele Probleme haben ihre Ursachen im Gemütszustand des Hundes. Sie hängen mit mangelndem Selbstbewusstsein und Unsicherheit zusammen, ganz entgegen der noch immer häufig diagnostizierten Dominanz. Sie haben ihre Ursachen in fehlender Orientierung und mangelnder fairer, klarer Führung durch uns Menschen. Und hängen natürlich auch allgemein mit dem Erfahrungsschatz und Stresslevel des Hundes zusammen. Ein selbstsicherer Hund, der gelernt hat, seinem Menschen zu vertrauen, dessen Selbstbewusstsein gefördert wurde, so dass er auch selbstständig mit den Herausforderungen, die unsere Umwelt und Gesellschaft an ihn stellen, zurechtkommt, wird nicht die Führung im Haushalt übernehmen. Er wird jedoch mit anspruchsvollen Situationen besser umgehen können, wird seinen Menschen als Orientierung verwenden und wenn dieser mal nicht da ist, trotzdem einen souveränen Lösungsweg finden; er hat Vertrauen in sich selbst und in seine eigenen Fertigkeiten.

Auf vier Pfoten im Leben stehen

Unsicherheit wird zu oft gar nicht oder zu spät erkannt, oder auch missverstanden. Man kann die Verbindung von Körper und Geist nicht voneinander trennen. Viele Hunde, die Verhaltensauffälligkeiten zeigen, sich vielleicht manchmal wie wahre Bestien gebärden oder vor scheinbar allem Angst haben, haben kein gutes Körpergefühl. Sie sind verspannt, können nicht lange aufmerksam und konzentriert sein, wissen nicht wie sie sich verhalten sollen und sind sehr schnell gestresst. Angst sitzt oft als Blockade in der Hinterhand. Die Hinterläufe „laufen mit“, können aber nur schlecht bewusst, sicher und langsam gesetzt werden. „Mit beiden Beinen im Leben stehen“ bezeichnet bei uns stabile, selbstbewusste Eigenschaften. Genauso verhält es sich bei Hunden – nur eben auf vier Pfoten. Deshalb sind Steig- und Motorik-Übungen, bei denen der Hund über an ihn angepasste Hindernisse begleitet wird, immer eine sinnvolle Ergänzung im Training. Dabei lernt der Hund, dass er mehr kann als er sich zuvor zutraute, er lernt alle vier Pfoten langsam und sicher über schwieriges Gelände zu setzten. Und er muss sich dabei konzentrieren. Diese Konzentration und Fokussierung auf einzelne Übungen, die dem Hund helfen sollen, aber nicht unserem sportlichem Ehrgeiz dienen, sowie die Verbesserung des Körpergefühls und des Selbstbewusstseins sind ein wichtiger Faktor, wenn man Verhalten verbessern möchte. Natürlich reicht es nicht, einfach über Leitern oder Kisten zu steigen, um einen unsicheren Hund, der auf viele Reize scheinbar übertrieben reagiert, zu kurieren. Kann man ihn aber schrittweise, in individuell an ihn angepassten Übungen an unterschiedliche, langsam gesteigerte Herausforderungen heranführen, ihn gleichzeitig auch lernen lassen, Führung durch den Menschen gerne anzunehmen, und lernt der Mensch im Gegenzug, wie er seinem Hund Orientierung geben kann, dann wachsen Mensch wie Hund gemeinsam an den Aufgaben. Sie stärken gegenseitig die Bindung, das Vertrauen zueinander und werden insgesamt ruhiger und souveräner in anspruchsvollen Situationen.

Ebenfalls von großer Bedeutung sind das Erkennen und Respektieren der Bedürfnisse unserer Hunde. Hunde, denen die Zeit gegeben wird, sich selbst mit Situationen zu befassen, diese zu verarbeiten und ihre Bedürfnisse zu befriedigen (ganz simpel schnüffeln oder sich einfach nur umsehen, um mit allen Sinnen die Situation zu bewerten) werden in Situationen, in denen es wirklich darauf ankommt, kooperativer und gelassener agieren. Und zwar auf freiwilliger und damit zuverlässigerer Basis!

Wie man alle diese Überlegungen zusammenfassen und in ein praktisches Training verpacken kann, zeigt Michaela Bauer in faszinierend kreativer, bis ins Detail durchdachter Methode in ihrem neuen, gleichnamigen Kurs „Auf sicheren Pfoten ins Leben“ in der Hundeschule „hundefragen“. www.hundefragen.at

Von Marcus Killer