Sommerfrische am Speiseplan

Obst und Gemüse in der Hundeernährung

Sommerzeit ist die Zeit der gesunden Genüsse. Frische Beeren, Marillen, Pfirsiche und Zwetschgen, am Ende die Äpfel … in unserer unmittelbaren Umgebung finden wir unzählige Möglichkeiten schmackhafter Erfrischungen und einer ebenso gesunden wie regional verankerten Ernährung, die wir nur allzu gern bei der gemeinsamen sommerlichen Siesta auch mit unserem vierbeinigen Partner teilen möchten. Gemeinsam Erdbeeren naschen, seine Hilfe bei der Himbeerernte annehmen, einen gerade frisch vom Baum gefallenen Apfel miteinander teilen – das können wunderschöne Momente einer innigen Verbindung von Mensch und Tier sein, Ausdruck einer untrennbaren Zusammengehörigkeit und tiefen Bindung. Die gesundheitsfördernden Aspekte von Obst und Gemüse für den Menschen sind in aller Munde, aber wie können wir unseren vierbeinigen Partner weitgehend gefahrlos und sinnvoll daran teilhaben lassen? „mein HAUSTIER“ sprach mit Prof. Dr. Christine Iben vom „Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe“ der Veterinärmedizinischen Universität Wien über das eventuell gesundheitsfördernde Potenzial von Obst und Gemüse und mögliche Risiken.

mein HAUSTIER: Frau Professor Iben, wir wissen, dass einige Obstsorten für unsere Hunde giftig sind und wie beispielsweise Weintrauben zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen können. Himbeeren oder Äpfel – um ein anderes Beispiel zu nehmen – werden hingegen problemlos vertragen. Gibt es allgemein gültige Kriterien, wie man für Hunde giftige Obstsorten oder Lebensmittel von verträglichen unterscheiden kann?

Prof. Christine Iben: Es gibt leider keine Faustregel, das sind ausschließlich Erfahrungswerte. Oft kennt man die Ursache nicht, warum Hunde bestimmte Nahrungsmittel wie beispielsweise Avocados oder Macadamianüsse nicht vertragen. Auch bei Weintrauben kennt man die eigentliche Ursache für die möglichen Vergiftungserscheinungen bei Hunden nicht. Bei Zwiebeln und Lauchgewächsen hingegen weiß man, warum sie unverträglich sind. Hier greift die schwefelhaltige Aminosäure Alliin die roten Blutkörperchen an, und Hund und Katze sind dadurch besonders gefährdet. Prinzipiell haben Unverträglichkeiten und möglicherweise auftretende Vergiftungserscheinungen immer mit der Menge eines Stoffes zu tun, die der Hund zu sich genommen hat. Es ist die Menge, die das Gift macht – und zudem gibt es große individuelle Unterschiede hinsichtlich der Verträglichkeit. In Bezug auf Himbeeren und Erdbeeren wissen wir zum derzeitigen Zeitpunkt nichts über Unverträglichkeiten.

Zu den größten Risikofaktoren in diesem Zusammenhang gehören wahrscheinlich auch bestimmte Kerne – auch wenn sie in verschiedenen Foren und in den sozialen Medien oft als alternative Tumortherapie thematisiert oder gar empfohlen werden. Warum sind zerkleinerte Pfirsichkerne kein Tumormedikament, sondern hochgiftig und gefährlich für unsere Hunde?

Der Grund dafür ist die in den Kernen enthaltene Blausäure – und das toxische Potenzial von Blausäure ist bekannt! Alle Kerne enthalten Blausäureverbindungen, die dann austreten und gefährlich werden, wenn die Kerne zerkaut werden, was natürlich besonders bei den größeren Steinobstkernen geschehen würde. Dann kann die Blausäure zu massiven Erkrankungen und lebensbedrohlichen Situationen wie Ersticken führen.

Trifft das auch auf Apfelkerne zu?

Auch wenn Hunde einen Apfel mit Gehäuse fressen, werden die Kerne nicht zerkaut, so dass diese giftigen Verbindungen in diesem Fall auch kaum austreten können. Insofern ist das zu vernachlässigen, was uns auch die Erfahrung lehrt.

Wenn Hunde mit speziellen Obstsorten verwöhnt werden, versprechen sich Besitzer oft einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Beim Menschen gibt es zahlreiche Studien, die verschiedenen Obst- und Gemüsesorten einen immunstärkenden und krebshemmenden Einfluss zusprechen. Lassen sich diesbezügliche Erkenntnisse vom Menschen auf den Hund übertragen?

Man kann annehmen, dass die Inhaltsstoffe und Vitamine, auf die die schützende Wirkung von Obst und Gemüse gegen Krebs zurückgeführt wird, beim Hund genauso wirken wie beim Menschen.

Welche Mechanismen liegen dem zugrunde? Warum „mögen Krebszellen keine Himbeeren“, um einen sehr populären Buchtitel aus diesem Bereich zu zitieren?

Das hängt immer von den jeweiligen Inhaltsstoffen ab. Die krebshemmende Wirkung von Himbeeren beispielsweise beruht auf der enthaltenen Ellagsäure, die zur Gruppe der Phenolsäuren gehört und auch in Brombeeren, Erdbeeren und Granatapfel enthalten ist. Eine andere Gruppe sogenannter sekundärer Pflanzenstoffe sind die Flavonoide, von denen es ca. 4000 bis 5000 verschiedene gibt, darunter viele Blütenfarbstoffe. Das Anthocyanin beispielsweise verleiht Blüten und Früchten eine intensive rote oder rot-blaue Färbung und ist in großer Menge im Granatapfel enthalten. Diese Substanzen haben sich in verschiedenen Studien als krebshemmend erwiesen, was vermutlich auf ihrer antioxidativen Wirkung basiert, mit der sie gegen sogenannte freie Radikale vorgehen. Eine der wenigen tiermedizinischen Studien in diesem Bereich konnte beispielsweise nachweisen, dass gelb-oranges Gemüse wie Karotten, Kürbis oder Süßkartoffel das Risiko für ein Blasenkarzinom beim Scottish Terrier, der genetisch für diese Erkrankung prädestiniert ist, signifikant senkt. Auch der Grund dafür, dass frisches Obst besonders wertvoll ist, liegt an einem Antioxidans im Schalenbereich, das das Innere der Frucht schützen soll. Dieses Antioxidans wird aber selber mit der Zeit abgebaut, so dass es immer wertvoller ist, frisches Obst zu verzehren – und Äpfel mit Schale zu essen! Zudem spielen auch verschiedene Vitamine eine große Rolle: Vitamin E beispielsweise verfügt über eine sehr kraftvolle antioxidative Wirkung, ebenso Vitamin C, Betakarotin und das Spurenelement Selen.

Freie Radikale entstehen aus Sauerstoffverbindungen. Wenn einem normalerweise zweifach gebundenen Sauerstoffmolekül ein Elektron fehlt, ist es hochaktiv auf der Suche nach einem neuen Bindungspartner. Um die eigene Stabilität wiederherzustellen, entreißen diese sogenannten Sauerstoffradikale anderen Molekülen Elektronen, um das fehlende eigene Elektron zu ersetzen. Mit diesen unkontrollierten biochemischen Reaktionen können sie großen Schaden anrichten und insbesondere die Struktur von Zellmembranen zerstören, was wiederum zu Veränderungen im Zellgenom führen kann. Daher gehören die freien Sauerstoffradikalen zu den Faktoren, die eine Tumor-entstehung fördern. Gleichzeitig aber leisten sie bei der Abwehr von mikrobiologischen Eindringlingen und Vernichtung von Fremdzellen wertvolle Arbeit. Die meisten Organismen jedoch verfügen über weit mehr freie Radikale als der Körper zu seinem Schutz benötigen würde. Diese Überzahl ist für das karzinogene (krebsfördernde) Potenzial der Sauerstoffradikalen verantwortlich.

Stichwort Vitamin C – Was weiß man über die Verträglichkeit von Zitrusfrüchten beim Hund?

Wahrscheinlich geht es hier eher darum, dass Hunde den Geschmack von Orangen oder Grapefruits nicht wirklich mögen. Über Unverträglichkeiten ist in der Literatur nichts bekannt – ebenso wenig beim Granatapfel.

Welche Empfehlung gibt es darüber hinaus, um das Immunsystem des Hundes durch die alltägliche Ernährung in seiner Arbeit zu unterstützen?

Das wichtigste ist ganz sicher eine hinsichtlich der Nährstoffe ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung. Das ist oberstes Gebot, und man befindet sich damit bereits zu einem Großteil auf der sicheren Seite. Natürlich können Obst und Gemüse Bestandteil der Ernährung des Hundes sein – wobei sich auch Faserstoffe positiv auf die Gesundheit auswirken. Zu einer ballaststoffreichen Ernährung würden beispielsweise Gemüse, Salat oder Kleien gehören, denken wir an Broccoli, Zucchini, Gurken oder Süßkartoffel. Man kann auch zu Fertigfutter Gemüse hinzugeben, allerdings sollte man dabei die Energiezufuhr beachten, die keinesfalls erhöht werden darf. Idealerweise sollte man auch Tiere ab und zu auf die Waage stellen, denn die Vermeidung von Übergewicht ist nach wie vor eine der wichtigsten Vorsorgemaßnahmen im Sinne eines langen und gesunden Lebens.

ACHTUNG GIFTIG! Was keinesfalls auf den Speise- oder Snackplan des Hundes gehört

Einige Nahrungsmittel, die für den Menschen verträglich sind, möglicherweise einen positiven Effekt für die Gesundheit haben und das Immunsystem bei seiner Arbeit unterstützen, können für unsere vierbeinigen Familienmitglieder giftig sein und im schlimmsten Fall zum Tode führen. Dazu gehören Schokolade und andere Kakaoprodukte, koffeinhaltige Substanzen, Zwiebel- und Lauchgewächse, Weintrauben und Rosinen, Avocados, Macadamia-Nüsse und Xylit (Birkenzucker)! Erbrechen ist das erste Symptom, das bereits nach der Aufnahme einer sehr geringen Menge von Weintrauben oder Rosinen auftreten kann. Mattigkeit und Durchfall folgen. Durch die massive Beeinträchtigung der Nierenfunktion können betroffene Hunde oft keinen Harn mehr absetzen und an akutem Nierenversagen versterben. Auf Grund der hohen Sterberate von 50 bis 75% müssen Hunde, die Weintrauben oder Rosinen aufgenommen haben, unbedingt stationär aufgenommen und intensiv therapiert werden. Der Verzehr von Avocados führt zu Mattigkeit und Schwäche. Auch wenn die überwiegende Anzahl der Fallberichte sich auf Vögel bezieht, muss bei Hunden von ähnlichen Symptomen ausgegangen werden. Ein Inhaltstoff der Avocado führt zu Nekrosen im Drüsengewebe der Milchleiste und damit bei Mutterhündinnen zu einer deutlichen Verringerung der Milchleistung. Auch der Herzmuskel kann von diesen Nekrosen betroffen sein, die einen plötzlichen Tod durch Herzversagen nach sich ziehen können. Eine Vergiftung mit Macadamia-Nüssen zeigt sich neben Mattigkeit, Erbrechen und einer Erhöhung der Körpertemperatur in neurologischen Symptomen wie Schwäche vor allem in der Hinterhand, Ataxien oder Muskelzittern.

Frau Professor Iben, herzlichen Dank für das Gespräch!

Interview geführt von Mag. Kerstin Piribauer

Ao.Univ.-Prof. Dr.med.vet. Christine Iben Dipl.ECVCN
Institut für Tierernährung und unktionelle Pflanzenstoffe
Veterinärmedizinische Universität Wien