Schnellere Heilung mit Lasertherapie

LasertherapieImmer mehr Tierarztpraxen bieten ihren Patienten Lasertherapie an. Ein neues Laser-Gerät, der MLS-Laser, erleichtert es dem Tierarzt, gleichzeitig schmerzdämpfend und entzündungshemmend zu therapieren. Da dieser Laser auch in der  Veterinärmedizinischen Universität Wien eingesetzt wird, haben wir Dr. Marion Müller von der Ambulanz für Physikalische Medizin und Rehabilitation dazu befragt.

Frage: Frau Dr. Müller, was ist das Prinzip der  Lasertherapie, was bewirken die Laserstrahlen?

Dr. Müller: Lasergeräte arbeiten mit nicht sichtbarem, gebündeltem Licht; der therapeutische Bereich liegt um die 900 Nanometer. Das Gute an den Laserstrahlen ist, dass die Lichtteilchen direkt von den Mitochondrien – den Kraftwerken der Zelle – auf- genommen und gleich in Energie umgewandelt werden. Es wird also Lichtenergie direkt in Zellenergie umgewandelt. Davon profitieren besonders Zellen, deren Gesundheit bereits angeschlagen ist – zum Beispiel bei Arthrosen oder Verletzungen – und Zellen in krankhaft verändertem Gewebe, die für die Bewältigung ihrer Aufgaben einen besonders hohen Energiebedarf haben. Lasertherapie kann also den kranken Zellen helfen, gleich wieder adäquat zu arbeiten.

Wie reagiert der Organismus auf die Lasertherapie?

Dr. Müller: Man weiß, dass Laserstrahlen die Durchblutung verbessern, wodurch Schmerzstoffe schneller abtransportiert werden und die Heilung gefördert wird. Man erreicht also ähnliche Effekte wie bei einer Massage, jedoch mit dem Unterschied, dass bei der Lasertherapie auch noch die feinsten Blutgefäße im Kapillarbereich erweitert werden, was eine sehr gute Wundheilung bewirkt. Die schmerzstillende Wirkung des Lasers wird nicht nur durch den schon erwähnten schnelleren Abtransport der Schmerzstoffe bewirkt, sondern die Laserimpulse sind auch schneller als die Schmerzimpulse, so dass diese gar nicht wahrgenommen werden – die Nervenbahnen werden sozusagen durch den Laser blockiert. Während für die Schmerzdämpfung pulsierendes Laserlicht zu- ständig ist, wirken kontinuierliche Laserstrahlen entzündungshemmend. Beim MLS-Laser werden diese beiden Strahlungsabgaben koordiniert und synchronisiert, wodurch er gleichzeitig schmerz- dämpfend und entzündungshemmend wirkt. Mit Lasertherapie erreicht man auch eine rasche Verminderung von Schwellungen und Ödemen. Ein weiterer Vorteil des MLS-Lasers ist, dass er sehr stark ist und daher im Gegensatz zu herkömmlichen Lasern sehr schnell sehr viel Energie ins Gewebe einschleust, was die Behandlungszeiten verkürzt. Wichtig für den niedergelassenen Tierarzt ist sicherlich auch die einfache Bedienbarkeit dieses Lasergerätes, hat es doch voreingestellte Programme für die unterschiedlichen Gesundheitsstörungen, wie zum Beispiel Muskelverletzungen, Arthritis oder chronische Schmerzen. Dies erspart es dem Tierarzt, sich mit Wellenlängen, Behandlungsdauer und dergleichen zu beschäftigen. Am Display kann und muss die Haar- und Hautfarbe eingestellt werden. Der Grund dafür ist, dass schwarze Tiere eine längere Behandlungsdauer benötigen, weil bei ihnen viel Laser- licht von Haaren und Haut absorbiert wird. Helle Tiere brauchen weniger Behandlungszeit.

Was sind die häufigsten Indikationen für Lasertherapie hier an der Ambulanz?

Dr. Müller: Wir setzen den MLS-Laser bei Sehnenerkrankungen, Arthrosen im akuten und chronischem Stadium, bei Rückenschmerzen und Verspannungen ein – und natürlich auch zur Wundheilung. So lasern wir Wunden immer beim Verbandwechsel, der zwei- bis dreimal die Woche erfolgt. Im Fall von Arthrosen setzen wir den Laser zur Schmerztherapie ein, behandeln aber gleichzeitig mit physiotherapeutischen Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel Unterwassertherapie, um die Gelenke zu stabilisieren und die Muskeln aufzubauen. Die Lasertherapie ist auch gut mit Elektrotherapie und Akupunktur zu kombinieren.

Wie viele Behandlungen sind üblicherweise nötig?

Dr. Müller: Im Durchschnitt sind acht bis zwölf Behandlungen ausreichend; diese sollten mindestens zweimal wöchentlich durch- geführt werden. Wir haben hier an der Ambulanz eine Studie mit Hunden gemacht, die Probleme mit der Biceps-Sehne hatten und deutlich lahm gingen. Auf einem Laufband mit Kraftmessplatten wurden vor und nach der Lasertherapie die Bodenreaktionskräfte gemessen. Nach acht Behandlungen, die sich über vier Wochen erstreckten, ging es allen Hunden deutlich besser.

Gibt es bei der Therapie mit dem MLS- Laser auch Nebenwirkungen? Ich denke da zum Beispiel an Verbrennungen…

Dr. Müller: Verbrennungen sind mit dem MLS-Laser glücklicherweise nicht möglich. Aber es gibt Fälle, in denen man keine Lasertherapie machen darf. Beispielsweise bei Im- plantaten, da Laserstrahlung von diesen reflektiert wird. Auch im Bereich von Tumoren ist Laser kontraindiziert, da die hohe Laserenergie die Zellteilungsrate erhöhen und damit das Tumorwachstum beschleunigen könnte. Besonders bei kleinen Hunden bemerken wir manchmal eine Erstverschlechterung – häufig bei Rückenschmerzen. Die Tiere sind ein bis zwei Tage nach der Therapie noch verspannter, danach kommt es jedoch zur Besserung. Der Grund dafür könnte sein, dass der Körper auf die Therapie hin zu arbeiten beginnt. Da das Laserlicht Netzhautschäden bewirken könnte, darf es nicht in die Augen kommen. Es ist daher not- wendig, dass der vierbeinige Patient, sein Therapeut und der Tierhalter während der Behandlung eine Laserbrille tragen.

Was sollte der Tierhalter  beachten, wenn er sein Tier zur Lasertherapie bringt?

Dr. Müller: Obwohl die Lasertherapie sehr gut vertragen wird, sollte das Tier am Tag der Therapie geschont werden. Und dem Tierbesitzer sollte bewusst sein, dass vor der Laserbehandlung eine genaue Diagnosestellung wichtig ist. Das Tier muss orthopädisch und neurologisch unter- sucht werden und bei Verdacht auf Sehnenverletzungen muss eine Ultraschalluntersuchung gemacht werden. Bei unklarer Gelenksproblematik kann auch Computertomographie nötig sein. Denn wie jede Therapie ist auch die Lasertherapie nicht für alles und jedes geeignet. Und ganz wichtig: Lasertherapie kann keine Operation ersetzen, kann jedoch in der Nachbehandlung unterstützend eingesetzt werden. So können Schmerzmittel und Entzündunghemmer durch die Lasertherapie reduziert und die Zeit ihrer Einnahme verkürzt werden.
Frau Doktor Müller, vielen Dank für das Gespräch.