Schildrüsenüberfunktion

Kater Fred war sein ganzes Leben lang ein gut genährtes Tier mit glänzendem Fell und starken Nerven; nichts konnte den gemütlichen Zimmertiger aus der Ruhe bringen. Jetzt im Alter von 15 Jahren ist er nicht wiederzuerkennen: Er ist schreckhaft, hektisch und nervös geworden. Obwohl er mit Heißhunger frisst, wird er immer dünner, er ist schon richtig mager. Auch seine Verdauung ist aus dem Gleichgewicht: Durchfall und Erbrechen sind an der Tagesordnung. Fred trinkt viel mehr als früher und uriniert dementsprechend viel. Mit seinem struppigen Fell wirkt er ausgesprochen krank!

Nach einer gründlichen Durchuntersuchung beim Tierarzt steht fest, dass Fred an einer Überfunktion der Schilddrüse leidet. Dies ist die häufigste hormonelle Störung bei Katzen ab 12 Jahren. Bei jüngeren Tieren kommt diese Hormonstörung nur sehr selten vor und bei Samtpfoten unter vier Jahren gar nicht. Viele Katzenbesitzer glauben zuerst, dass es am Alter liegt, wenn ihr Vierbeiner trotz Heisshungers und guter Futteraufnahme immer dünner wird, aber Alter ist keine Krankheit.

Früherkennung ermöglicht frühe Behandlung
Ältere Katzen sollten zweimal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung gebracht werden. Denn bei der dabei anfallenden großen Blutuntersuchung werden nicht nur die Leber- bzw. Nierenwerte und Zucker bestimmt, sondern auch das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4). Ist dieses erhöht, ist das ein sicherer Hinweis auf eine Überfunktion der Schilddrüse. Um das Ausmaß und die Ursache der Schilddrüsenüberfunktion noch genauer zu definieren, stützt man sich auf eine weiterführende Untersuchungsmethode, die Szintigraphie.

Was geschieht bei der Szintigraphie?
Die Szintigraphie ist ein bildgebendes Verfahren aus dem Bereich der Nuklearmedizin. Es handelt sich um eine Untersuchungsmethode bei der dem Patienten eine geringe und unschädliche Menge eines radioaktiven Stoffes verabreicht wird, und dann deren Verteilung im Körper verfolgt wird. Anders als bei anderen bildgebenden Verfahren, wie Röntgen oder Computertomographie, ist das Ergebnis der Szintigraphie aber keine hochauflösende Darstellung der Körperstrukturen, sondern ein Bild oder eine Bilderfolge, die Körperfunktionen darstellt. Dabei kann es sich um allgemeine Funktionen wie die Durchblutung einer bestimmten Körperregion handeln oder um spezielle Organfunktionen wie die Ausscheidungsleistung der Nieren. Je nach Untersuchungsrichtung werden dem Patienten dazu verschiedene Radiopharmaka verabreicht. Das sind spezielle Arzneimittel die an Szintigraphieradioaktive Isotope gebunden sind. Zumeist werden diese Substanzen dem Patienten gespritzt, verteilen sich im Körper und unmittelbar nach der Verabreichung oder einer Wartezeit von bis zu drei Stunden werden die Aufnahmen gemacht.

Das Bild entsteht, weil von den radioaktiven Isotopen Strahlung ausgeht (ionisierende Strahlung). Diese Strahlung wird mit einer Gammakamera registriert und in ein Bild umgewandelt. Aus dem Verteilungsmuster in dem Bild, das heißt aus dem vermehrten oder verminderten Auftreten oder Fehlen von Strahlung in einem Organ, wird dann auf dessen Funktion oder Fehlfunktion rückgeschlossen. Die häufigsten Anwendungen beim Kleintier sind, wie in der Humanmedizin, Schilddrüsenuntersuchungen, Nierenfunktionsuntersuchungen und Knochenuntersuchungen.

Szintigraphie der Schilddrüse
Mit Hilfe der Schilddrüsenszintigraphie ist es möglich, eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse zu bestimmen. Bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und unklaren Fällen ist es wichtig, zu lokalisieren wo sich der Auslöser befindet. Denn vor allem bei Katzen mit Hyperthyreose kann es vorkommen, dass nicht die Schilddrüse alleine, sondern auch zusätzliches außerhalb der Schilddrüse liegendes Gewebe (ektopes Schilddrüsengewebe) der Auslöser für die Hyperthyreose ist. Derartiges ektopes Gewebe kann sich an verschiedenen Stellen im Körper befinden, z.B. im Brustkorb. Wenn man als Therapie für die Schilddrüsenüberfunktion nun die chirurgische Entfernung wählt und das ektope Gewebe nicht berücksichtigt, bleibt der Therapieerfolg aus.

Szintigraphie von Knochen Mit Knochenszintigrammen werden Stoffwechselreaktionen des Knochens auf bestimmte Krankheiten dargestellt. Entzündungen, Brüche, Haarrisse, Tumormetastasen und andere Erkrankungen lassen sich so oft Tage bis Monate früher erkennen als im Röntgen. Zusätzlich ist es möglich das gesamte Skelett in einem Untersuchungsschritt darzustellen. Dies ist z.B. dann ein großer Vorteil, wenn der Ursprung einer Lahmheit bei der klinischen Untersuchung nicht auf ein bestimmtes Gebiet festgelegt werden kann. Mit dem Röntgen müsste man unzählige Bilder anfertigen um einen Überblick zu bekommen.

Szintigramm der Niere
Die Nierenszintigraphie wird bei Hunden und Katzen vor allem zur Bestimmung der Nierenfunktion eingesetzt. Die sogenannte Isotopennephrographie erlaubt eine deutlich genauere Bestimmung der Nierenfunktion als reine Blutuntersuchungen und bietet den Vorteil, dass die Arbeitsleistung der rechten und linken Niere getrennt bestimmt werden kann. Dies ist besonders wichtig, wenn eine Niere entfernt werden soll, da nur mittels Szintigraphie bestimmt werden kann, ob die verbleibende Niere auch wirklich ausreichend arbeiten würde.

Meist Kurznarkose nötig
Um auswertbare Ergebnisse zu erhalten, ist es wichtig, dass der Patient bei der Untersuchung absolut still hält. Eine Untersuchung dauert zwischen einer und zwanzig Minuten, weshalb die meisten Patienten für die Dauer der Untersuchung entweder beruhigende Medikamente verabreicht bekommen oder in Kurznarkose gelegt werden. Nach der Untersuchung müssen die Patienten für 12-48 Stunden an der Klinik verbleiben. Der Grund dafür: Ein Teil des Radiopharmakons wird mit dem Urin und Kot ausgeschieden, der Rest verbleibt im Körper und zerfällt langsam. Es gehen also sowohl vom Patienten als auch von seinen Ausscheidungen für kurze Zeit radioaktive Strahlung aus. Um den Tierbesitzer vor dieser minimalen Strahlenbelastung zu schützen, bleiben die Patienten solange im Strahlenschutzbereich bis sie sicher entlassen werden können.