Reptilienhaltung im Vormarsch

Reptilienhaltung im Vormarsch

Die Zahl der Reptilienhalter in Österreich zeigt in den letzten Jahren eine steigende Tendenz. Viele Menschen sind fasziniert von dem Artenreichtum, den individuellen Besonderheiten und den charakteristischen Verhaltensweisen von Reptilien. Hat man vor zehn Jahren diese Tiere noch hauptsächlich in Zoos bewundern können, haben sie heute Einzug in so manches Wohnzimmer gefunden. Mit dem zunehmenden Kontakt steigen auch unliebsame Vorkommnisse mit Exoten, welche von Unfällen mit Giftschlangen über entkommene Würgeschlangen bis hin zu lebensbedrohlichen Infektionen mit reptilienspezifischen Keimen reichen. Ist der Umgang mit den hier nicht heimischen Kaltblütern wirklich so gefährlich, oder wird das Thema aufgebauscht, um dem Wunsch nach einem generellen Verbot der Reptilienhaltung mehr Nachdruck zu verleihen?

Zoonose – was ist das?

Die WHO (World Health Organisation) definiert eine Zoonose als Krankheit und Infektion, die natürlicherweise zwischen Wirbeltieren und Menschen übertragen wird. Die normale bakterielle Keimflora von Reptilien beinhaltet häufig viele potentiell krankmachende Organismen. Solange das Tier gesundheitlich im Gleichgewicht ist, beeinträchtigen es die Krankheitserreger in keinster Weise. Wird das Immunsystem des Tieres durch diverse Stressoren, wie Transport, schlechte Haltungsbedingungen, Überbesatz, Legetätigkeit oder Erkrankungen belastet, können die latent vorhandenen Keime oder Parasiten schwerwiegende körperliche Probleme verursachen. Kommt eine Erkrankung zum Ausbruch, steigt auch die Ausscheidung und somit das Risiko einer Krankheitsübertragung auf alle Personen, die mit dem Tier oder Terrariengegenständen in Kontakt kommen. Menschen deren Immunsystem unterdrückt ist oder die an einer Immunschwäche leiden, sind einem besonders hohen Zoonose-Risiko ausgesetzt. Das betrifft auch Kinder unter fünf Jahren, ältere Menschen oder Personen die an einer chronischen Krankheit leiden, die das Immunsystem beeinträchtigt.

Von Reptilien übertragene Zoonosen
Je nach Art, Herkunft und Vorgeschichte des jeweiligen Tieres ist generell eine Übertragung von Bakterien, Pilzen, Viren oder Parasiten möglich.

Reptilien
  • Salmonellose ist die am häufigsten nachgewiesene Zoonose, die von Reptilien auf den Menschen übertragen wird. So besagen Studien aus den USA, dass ca. 14% aller pro Jahr auftretenden Salmonellen-Fälle durch Kontakt zu Schildkröten auftreten. Untersuchungen des Klinischen Instituts für Hygiene der Universität Wien zeigten, dass sich die Salmonellentypen von wildlebenden Tieren sehr stark von im Terrarium gehaltenen Reptilien unterscheiden. Haustiere zeigen einen signifikant höheren Befall mit für den Menschen pathogenen Salmonellenarten, als Reptilien in freier Wildbahn. Diese Tatsache beweist, dass die Ausscheidung solcher Stämme die Folge des engen Kontakts von Terrarianer und Reptil ist und dass qualitativ hochwertiges und hygienisch einwandfreies Futter das Risiko einer Salmonelleninfektion wesentlich verringern kann.
  • Auch die Ansteckung von Menschen durch Campylobacter- Bakterien ausscheidende Reptilien ist möglich. Diese Bakterien verursachen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Bauchkrämpfe und eine akute Magen-Darmentzündung beim Menschen. Die Infektion erfolgt entweder durch von Reptilien kontaminiertes Wasser, über offene Hautwunden oder durch Bisse und Kratzer eines infizierten Tieres. Weitere für den Menschen pathogene bakterielle Krankheitserreger sind die Gruppe der Mykobakterien, z.B. M. avium, M. marinum und M. tuberkulosis. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt über Hautwunden oder durch Inhalation von infektiösem Material beim Umgang mit dem Tier oder der Reinigung der Unterbringung. Mykobakteriosen können bei immunschwachen Menschen chronische Lungeninfektionen hervorrufen und sind häufig therapieresistent.
  • Erkrankte Reptilien können auch Ausscheider verschiedener Pilzerkrankungen sein. Die direkte Übertragung auf den Menschen ist jedoch eine Seltenheit.
  • Parasitenbefall ist ein häufiger Befund in der tierärztlichen Praxis und einige der bei Reptilien auftretenden Parasiten besitzen ein hohes
    Zoonosepotential. Eine Infektion mit Zungenwürmern (Pentastomiden) kann durch die Aufnahme von Eiern, die mit dem Speichel und Kot von Schlangen ausgeschieden werden, erfolgen. Die Ansteckung des Menschen führt zu geringgradigen entzündlichen Reaktionen des Gewebes durch die Wanderung der Larven vom Darm in Lunge, Leber und Milz. Schlussendlich sterben die Larven ab und werden im Gewebe abgekapselt. Hochgradiger Befall von Reptilien mit Laufmilben (Trombiculidae) oder der Schlangenmilbe (Ophionyssusnatricis) kann beim Menschen entzündliche Reaktionen der Haut und Juckreiz durch die Bisse der Ektoparasiten hervorrufen.

Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Reptilien
Das Risiko einer Krankheitsübertragung kann durch gewissenhafte und konsequente Hygienemaßnahmen wesentlich reduziert werden. So sollte sich jeder Reptilienhalter nach dem Umgang mit dem Tier gründlich mit heißem Wasser und Seife die Hände waschen. Die Desinfektion von Terrarium und Einrichtungsgegenständen in regelmäßigen Abständen senkt die Infektionsgefahr für Reptil und Betreuer. Kinder sollten sehr genau in den Umgang mit dem Exoten eingeschult werden und erst mit Betreuungsmaßnahmen betraut werden, wenn sie alt genug sind, um Verantwortung übernehmen zu können. Reptilien sollten nicht geküsst werden! Das Terrarium sollte keinesfalls in der Küche, oder an Orten wo Essen zubereitet oder verzehrt wird, aufgestellt sein. Während man mit den Tieren hantiert, sollte man keinesfalls essen, trinken oder rauchen, da so das Risiko einer direkten Erregeraufnahme wesentlich zunehmen würde. Zum Baden der Reptilien sollte ein eigens dafür bestimmtes Gefäß verwendet werden; keinesfalls Badewanne, Dusche oder Waschbecken! Um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden, sollten andere Haustiere keinen Kontakt zu Reptilien haben. Falls es zu kleinen Verletzungen wie Kratzern oder Bissen kommt, müssen diese unverzüglich desinfiziert und bei Bedarf von einem Arzt versorgt werden. Die Haltung von giftigen Reptilien unterliegt länderspezifischen Gesetzen, erfordert spezielle Sicherheitsvorkehrungen im Umgang und sollte erfahrenen und gut informierten Fachpersonen vorbehalten bleiben. Eine regelmäßige Grunduntersuchung bei einem reptilienkundigen Tierarzt ermöglicht das Auffinden von potentiellen Krankheitserregern, bevor diese die Gesundheit des Tieres und des Tierhalters beeinträchtigen