Probleme mit den Augen

Wenn auch Kurz- oder Weitsichtigkeit bei Vierbeinern nicht das Problem sind, so leiden sie doch unter vielen Augenkrankheiten, die denen des Menschen gleichen oder ident sind. Wir von „mein HAUSTIER“ haben daher Professor Barbara Nell von der Augenklinik der Veterinärmedizinischen Universität Wien zu diesem Thema befragt.

Frage: Sind Hund und Katze gleichermaßen von allen Augenkrankheiten betroffen?

Prof.Nell: Nein, es gibt Unterschiede. Bei Hunden sind vor allem rassebedingte Lidfehlstellungen, Netzhauterkrankungen sowie Grüner und Grauer Star von Bedeutung. Bei Katzen liegt der Schwerpunkt eher auf Infektionen der Binde- und Hornhaut und auf durch Bluthochdruck hervorgerufenen Einblutungen ins Auge. Star-Erkrankungen sind bei der Katze eher selten.

Frage: Kommt Bluthochdruck bei Katzen oft vor?

Prof.Nell: Hoher Blutdruck ist bei älteren Katzen häufig, weil sie eine Neigung zu Erkrankungen der Niere, Schilddrüse und Nebenniere haben und diese Erkrankungen mit hohem Blutdruck einhergehen. Es kommt in der Folge zu Einblutungen ins Auge mit anschließender Netzhautablösung. Dem Tierbesitzer fällt dann auf, dass die Katze schlecht sieht. Das Blut selbst wird für den Tierhalter erst dann sichtbar, wenn es in der Augen-Vorderkammer angekommen ist. Eine internistische Abklärung und Blutdruckmessung ist unbedingt notwendig, damit die Grunderkrankung behandelt und der Blutdruck gesenkt werden kann.

Frage: Welche Hunderassen sind von Lidfehlstellungen besonders oft betroffen?

Prof.Nell: Kurzköpfige Rassen wie Mops, Pekinese, Shi Tsu und Lhasa Apso haben eine zu große Lidspalte, wodurch es zum Entropium nasale kommt. Das heißt, das Unterlid rollt sich nach innen und scheuert auf der Hornhaut; Tränenfluss bis hin zu chronischer Entzündung ist die Folge. Bei größeren Hunderassen wie Deutsche Dogge, Bloodhound oder Basset ist die Lidspalte oft zu lang und die betroffenen Tiere leiden unter einer Mischung aus Entropium und Ektropium: In der Mitte hängt das Unterlid herunter und nasenwärts rollt es sich nach innen. Sowohl Ektropium als auch Entropium können durch eine unkomplizierte Operation behoben werden.

Frage: Wie problematisch sind Netzhauterkrankungen beim Hund?

Prof.Nell: Sehr problematisch, denn Hunde können schlechtes Sehen ziemlich lange gut kompensieren. Daher fällt es den Hundehaltern meist erst auf, wenn das Tier schon fast ganz blind ist und bereits der Großteil der Netzhaut kaputt ist. Wir unterscheiden eine genetisch bedingte Degeneration der Netzhaut – diese ist unheilbar – und eine entzündlich bedingte. Da das Auge extrem stark durchblutet ist, ist letztere oft die Folge von Infektionen und Stoffwechselstörungen, die über den Blutweg das Auge erreichen. Die Schäden der entzündlich bedingten Netzhauterkrankung sind jedoch behandelbar, wenn die Therapie rechtzeitig einsetzt. Andernfalls kommt es zur langsamen Erblindung.

Probleme mit den AugenFrage: Es kommt aber doch auch vor, dass ein Tier plötzlich erblindet. Was ist die Ursache dafür?

Prof.Nell: Eine plötzliche Erblindung wird meist durch Tumoren hervorgerufen, aber auch bei Staupe oder bei der durch Zecken übertragenen Gehirnhautentzündung (FSME) kann es dazu kommen.

Frage: Frau Professor Nell, sind Sie als Vorstand der Augenklinik für Tiere sehr oft mit der Diagnose „Grauer Star“ konfrontiert?

Prof.Nell: Ja, Grauer Star (Katarakt) ist eine bei Hunden weit verbreitete Augenerkrankung. Einerseits weil auch Hunde durch die gute Betreuung immer älter werden, andererseits gibt es auch genetisch bedingte Katarakte. Deswegen gibt es in vielen Hundeclubs eine verpflichtende Untersuchung der Elterntiere vor der Zucht.

Frage: Was passiert beim Grauen Star?

Prof.Nell: Beim Grauen Star handelt es sich um eine Trübung und Formveränderung der Linse und Linsenkapsel. Prinzipiell unterscheidet man Primärstar und Folgestar. Der Primärstar tritt unabhängig von anderen Erkrankungen des Auges oder des Gesamtorganismus auf und ist in den meisten Fällen erblich bedingt. Er kann schon in jugendlichem Alter in Erscheinung treten oder auch erst später. Auch die meisten Fälle vom sogenannten Altersstar sind erblich bedingt. Der Altersstar beginnt mit einer Trübung des Linsenkernes, die nur langsam fortschreitet. Es dauert manchmal Jahre, bis die vollständige Erblindung eintritt. Der Folgestar tritt – wie schon der Name sagt – als Folge von Augenerkrankungen oder Erkrankungen des Gesamtorganismus, wie zum Beispiel Zuckerkrankheit, auf. Aber auch Vergiftungen und Verletzungen (z. B. Katzenkrallenverletzungen) können zum Grauen Star führen. Probleme mit den AugenBei Katzen gibt es eine Sonderform des Grauen Stars, bei der durch den Erreger „Encephalitozoon cuniculi“ schon Embryos befallen werden. Die Welpen kommen dann schon mit beginnendem Grauen Star auf die Welt. Ohne Operation erblinden sie bereits im jugendlichen Alter.

Frage:Wann ist der beste Zeitpunkt für die Star-Operation?

Prof.Nell: Jeder graue Star sollte möglichst frühzeitig operiert werden, damit die Linsenkapsel noch durchsichtig ist. Mit dem Fortschreiten des Grauen Stars trübt sich die Kapsel ein und die Kunstlinse kann nicht mehr in den natürlichen Linsensack implantiert werden. Es sollte jedoch vor der Operation darauf geachtet werden, ob Sehnerv und Netzhaut noch keinen Schaden gelitten haben. Andernfalls wäre die Operation vergeblich.

Frage:Was geschieht bei der Staroperation und unterscheidet sich die Operation bei Tieren von der bei Menschen?

Prof.Nell: Man wendet beim Tier die gleiche Methode an wie beim Menschen. Mit einem winzigen Schnitt – nur 3 1/2 mm – eröffnet man Hornhaut und Linsenkapsel. Dann fährt man mit einer Ultraschallspitze in den Linsensack und zertrümmert mit Ultraschall das Linseneiweiß, welches mit einer Spülflüssigkeit herausgespült wird. In den verbliebenen, durchsichtigen Kapselsack wird jetzt die Kunstlinse implantiert. Die Kunstlinse aus Silikon wird zusammengefaltet ins Auge eingesetzt und entfaltet sich dort selbst.

Frage: Für welche Tiere gibt es eigentlich Kunstlinsen?

Prof.Nell: Kunstlinsen gibt es für Hunde, Katzen und Pferde, wobei Hunde die häufigsten Empfänger sind.

Probleme mit den AugenFrage: Es gibt ja auch noch die Möglichkeit der Staroperation ohne Kunstlinse. Was macht den Unterschied für das Tier?

Prof.Nell: Ja es besteht auch die Möglichkeit, nur die getrübte Linse zu entfernen und auf das Einsetzen der Kunstlinse zu verzichten – eventuell aus finanziellen Gründen oder wenn bei einem weiter fortgeschrittenem Star die Linsenkapsel bereits eingetrübt ist. Der Hund sieht dann zwar wieder, ist aber weitsichtig und sieht in der Nähe nur verschwommen. Setzt man aber die Kunstlinse ein, dann sieht der Hund auch in der Nähe scharf, erkennt also auch den Ball vor seiner Nase.

Frage: Was passiert, wenn man den Grauen Star nicht operiert?

Prof.Nell: Wenn die Erkrankung fortschreitet, quillt die Linse auf und kann den Abfluss des Kammerwassers ( Flüssigkeit im Auge ) beeinträchtigen und so bei Tieren mit Glaukombereitschaft einen Grünen Star auslösen, was sehr gefährlich ist. Ist der Graue Star dann überreif, wird die Linse durchlässig und das Linseneiweiß tritt ins Auge aus. Schwere entzündliche Erkrankungen des inneren Auges sind die Folge. Meist ist dann nur noch das Herausnehmen des ganzen Auges möglich. Es ist daher wirklich wichtig, den Grauen Star möglichst frühzeitig zu operieren.

Frage: Warum sind gerade zuckerkranke Tiere besonders gefährdet für Grauen Star?

Prof.Nell: Bei diabetischen Tieren quillt durch den überschüssigen Zucker im Organismus das Linseneiweiß, es entsteht sehr schnell eine Katarakt. Man sollte möglichst bald operieren.

Frage: Ebenfalls sehr gefürchtet bei Tierbesitzern, vor allem Hundehaltern, ist der Grüne Star. Wie erkennt man ihn und was kann man dagegen machen?

Prof.Nell: Der Grüne Star (Glaukom) entsteht durch eine Störung im Abflusssystem des Auges, sodass das Kammerwasser aus der vorderen Augenkammer nicht abfließen kann, wodurch sich der Augeninnendruck erhöht. Der Augapfel vergrößert sich und die gesamte Augenoberfläche ist getrübt. Durch den hohen Druck im Auge wird die Netzhaut zerstört, was sehr rasch zur Erblindung des betroffenen Tieres führt.

Frage: Was fällt dem Tierhalter auf?

Prof.Nell: Glaukomkranke Tiere haben gerötete Augen, weite Pupillen und erhöhten Augendruck. Bei allen entzündlich erscheinenden Augenveränderungen sollte man auch ans Glaukom denken und es vom Tierarzt sehr genau abklären lassen. Leider ist die Therapie beim Grünen Star bei Tieren noch sehr unbefriedigend; die Methoden, die beim Menschen angewendet werden, funktionieren beim Tier nicht.

Frage: Aber welche Möglichkeiten der Glaukom-Therapie beim Hund gibt es dann?

Prof.Nell: Man kann es mit dem Lasergerät versuchen. Wir lasern den Ciliarkörper, also das Organ, das das Augenwasser produziert. Durch die Zerstörung des Ciliarkörpers mit dem Laser dämmen wir die Flüssigkeitsproduktion des Auges ein. Aber auch hier ist der Erfolg sehr oft nicht zufriedenstellend. Es bleibt dann nur die Möglichkeit das Auge herauszunehmen. Wobei man sagen muss, dass die Tiere in den meisten Fällen ohnehin schon blind waren, weil der hohe Augeninnendruck die Netzhaut zerstört hat.

Frage: Brauchen die Tiere nach den genannten Operationen einen Klinikaufenthalt und wann ist wieder normale Bewegung erlaubt?

Prof.Nell: Die Tiere können nach allen genannten Eingriffen am selben Tag wieder nach Hause gehen; nur Tiere mit schweren Allgemeinerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, müssen noch einen Tag zur Kontrolle an der Klinik bleiben. Die operierten Vierbeiner bekommen eine Halskrause und müssen zwei Wochen an der Leine gehen.

Frage: Ist auch eine Nachbehandlung notwendig?

Prof.Nell: Ja, die Tierbesitzer müssen über einen längeren Zeitraum täglich Augentropfen verabreichen, manchmal sogar lebenslang. Die gewissenhafte Nachbehandlung mit den Augentropfen ist beinahe ebenso wichtig wie die Operation selbst.