Papageien – intelligent und gesellig

Wissen über artgerechte Haltung wichtigZu den am häufigsten in Österreich gehaltenen Großpapageien gehören neben Wellensittich, Nymphensittich und Agaporniden (die Unzertrennlichen) der afrikanische Graupapagei und die Blaustirnamazone. Auch Kakadus – zum Beispiel Gelbhaubenkakadus – und Aras (Gelbbrustara) sind, wenn auch weniger häufig, als Haustiere anzutreffen.

Papageien haben spezielle Anforderungen

Bedingt durch ihre Größe, ihr Sozialverhalten und auch ihre Kommunikation Papageien verursachen oft ohrenbetäubenden Lärm – brauchen diese Vögel spezielle Bedingungen, um ihnen eine artgerechte Haltung und Fütterung zu bieten und ihnen die Möglich- keit zu geben, mit ihrer „menschlichen“ Umgebung in Eintracht zu leben.

Sehr viele Krankheiten unserer exotischen Patienten werden durch Fütterungs- oder Haltungsfehler hervorgerufen. Das neue Tierschutzgesetz hat sich eingehend damit befasst, um einerseits Haltungsmissstände auszumerzen und andererseits für die einzelnen Arten Richtlinien für eine artgerechte Haltung und Fütterung auszuarbeiten. Das neue Tierschutzgesetz vom 17. Dezember 2004 gibt in der 2. Tierhaltungsverordnung mit seinen Anlagen sehr detaillierte Angaben zu den besonderen Anforderungen zur Haltung von Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien, Fischen und Wildtieren. *http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/tierschg/

Papageienhaltung zum Wohlfühlen

Die Käfig- beziehungsweise Volierenhaltung muß den Tieren soviel Raum geben, dass physiologische (natürlich angeborene) Bewegungsabläufe ausgeführt werden können und die Futtersuche nach Papageienart ablaufen kann. Ein Käfig, der nicht genug Raum zum Fliegen bietet, ist Tierquälerei; jeder Papagei muss ausreichend Platz zum Fliegen haben! Papageien sind sehr intelligent, können aber auch sehr zerstörerisch sein. Daher muss ihnen genügend Abwechslung durch wechselnde Ausstattung des Käfigs und häufig wechselnde Spielsachen geboten werden. Auch wenn dies bedeutet, dass immer wieder neue Gegenstände für die Zerstörung zur Verfügung gestellt werden. Da die Einzelhaltung von Tieren, welche natürlicherweise in Paaren oder Gruppen leben, verboten ist, dürfen Papageien nicht einzeln gehalten werden. Die meisten Papageien leben zeitlebens in ein und der selben Partnerschaft. Somit ergibt sich bei einer Vergesellschaftung die schwierige Aufgabe, den idealen Partner für ein Individuum auszusuchen. Institutionen, wie zum Beispiel die „Arge Papageien“, können im Rahmen ihres Vergesellschaftungsprogrammes bei der „Partnerwahl“ hilfreich sein.

Traditionelle Körnerfütterung veraltet

Entsprechend der Herkunft der jeweiligen Papageienart ist auch die geeignete Fütterung zu wählen. Das Futter muss dem natürlichen Futterangebot entsprechen, also abwechslungsreich und artgerecht sein. Bei der Beschaffung der Futtermittel ist es wichtig, auf die Qualität der Herkunftsquelle zu achten, um von vornherein fütterungsbedingte Erkrankungen – vor allem Mycotoxikosen ( Schim- melpilzvergiftung) ausschließen zu können. Damit das Futter nicht durch Kot verschmutzt wird, muß auf die Anordnung der Einrichtungsgegenstände des Käfigs (Sitzstangen!) geachtet werden. Da der begrenzte künstliche Lebensraum und das Fütterungsangebot in Gefangenschaft immer nur einen Ersatz und eine versuchsweise Imitation des natürlichen Lebensraums bedeutet, muss daher noch stärker auf die Qualität der Futtermittel geachtet werden.

Die traditionelle Körnerfütterung gilt für die verschiedenen Papageienarten schon seit Jahren als veraltet. Ein breites Angebot an qualitativ sehr gutem Pellet-Futter in Verbindung mit Futtermitteln, die dem Erkundungstrieb der Tiere entgegenkommen und erforscht werden können (Zuckerrohr, Ölfrüchte usw.), steht seit Jahren im guten Fachhandel zur Verfügung. Die Nahrungspalette kann mit Obst und Gemüse erweitert werden. Auf ausreichend Trinkwasser in reiner Qualität ist täglich zu achten. Zusätze für das Trinkwasser oder sogar Trinkwasserersatz (blaue Wässerchen in manchen Zoogeschäften) und Mittel um die „Veralgung zu verhindern“ oder „zur Desinfektion“ sind strikt abzulehnen. Die einzigen Zusätze, welche man ins Trinkwasser geben darf, sind bei Bedarf Vitaminpräparate.

Erkrankungen – oft erst spät bemerkt

Da die meisten Vögel erst in einem fortgeschrittenem Stadium ihrer Erkrankung dem Tierarzt vorgestellt werden, weil dem Besitzer oft nicht auffällt, dass die Tiere verändert und krank sind, sind diese Papageien sehr häufig Intensivpatienten und bedürfen einer sorgfältigen, aber ra- schen Untersuchung, um den Stress für sie so gering und kurz wie möglich zu halten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Tierbesitzer ihre Papageien gut beobachten und die natürlichen Verhaltensmuster kennen. Meist sitzen kranke Vögel aufgeplustert und teilnahmlos im Käfig. Sobald sie sich jedoch beobachtet fühlen (z.B. wenn jemand näher an den Käfig herantritt), nehmen sie wieder ein „normales“ Aussehen an. Dies ist ein natürlticher Instinkt, damit sie ihren Feinden nicht „krank“ erscheinen. Erstes Anzeichen für Erkrankungen können veränderte Ausscheidungen sein. Das Verhältnis Kot zu Harn und Harnsäureanteil kann sich ändern, die Qualität (weicher, härter, schaumig, unverdaute Futterbestandteile usw.) sowie die Farbe (gelb, cremefarben, rötlich, schwarz,…) können schon einen Hinweis auf die spezifische Erkrankung geben. Bedingt durch falsche Fütterung und Haltung (Vitaminmangel, unausgewogene Nährstoffe, zu trockene Luft,… ) können Pilzerkrankungen wie die Aspergillose des Atemtraktes auftreten. Die Tiere zeigen dabei Schweratmigkeit, welche in fortgeschrittenen Fällen zu regelrechter Atemnot führt. Dies vor allem dann, wenn Pilzgranulome die Luftröhre verschließen, was zu lebensbedrohlichen Situationen führen kann. Weiters kann es durch Aflatoxine ( Stoffwechselprodukte der Pilze) zu Leber- und Nierenschäden kommen. Manche Arten – z.B. der afrikanische Graupapagei – haben physiologischerweise einen höheren Bedarf an Mineralstoffen (Calzium). Fällt der Calziumspiegel unter einen bestimmten Wert, können die Tiere Krampfanfälle entwickeln (Foto 1), welche sehr dramatisch verlaufen, vor allem wenn der Besitzer nicht rechtzeitig reagiert und geeignete tierärztliche Intervention nicht gegeben ist. Unter gewissen Umständen – zum Beispiel bei weiblichen Tieren in der Legetätigkeit – kann es auch bei allen anderen Papageienarten bei nicht adäquater Ernährung zu Calziumstoffwechselstörungen und damit verbundener Legenot kommen (Foto 2).

Bei ungeeigneter Zusammenpaarung oder haltungsbedingter Enge ohne Rückzugsmöglichkeit kann es sogar unter harmonisierenden Paaren, vor allem bei Kakadus, zu schweren Verletzungen des Weibchens durch das Männchen kommen (Foto 3), welche manchmal sogar tödlich enden. Neben den haltungs – und fütterungsbedingten Erkrankungen treten immer wieder Infektionskrankheiten auf, die für die Papageien sehr oft tödlich verlaufen und auch für den Menschen gefährlich werden können. Ein bekanntes Beispiel ist die Psittakose (Papageienkrankeit), die beim Menschen von leichten Atemwegsinfekten bis zu schweren Lungenentzündungen führen kann. Diese Erkrankungen sind mit geeigneten Tests jedoch gut nachweisbar, sodass zwischen kranken und gesunden Papageien unterschieden werden kann.