OP und Reha nach Kreuzbandriss

Redaktionshund Kasperl wieder voll aktiv

Kasperl, mein vierzehn Jahre alter Beagle, ist die Seele unserer Redaktion und für sein Alter noch erstaunlich fit. Während eines Spaziergangs im Frühsommer kam er jedoch plötzlich hinkend auf mich zu. Er konnte mit dem rechten Hinterlauf nicht auftreten. Erschrocken machten wir uns auf den Heimweg, aber zuhause angekommen ging Kasperl wieder ganz normal. In den nächsten Tagen wechselten sich Hinken und normales Gangbild phasenweise ab. Der Verdacht auf Arthrose oder Kreuzbandriss stand im Raum. Trotz seines fortgeschrittenen Alters zeigten sich im Röntgen keine wesentlichen Arthrosen.

Auch das sogenannte „Schubladenphänomen“, eine Provokationsprobe zur Feststellung eines Kreuzbandrisses, war nicht feststellbar. Dabei versucht man, den Unterschenkel gegen den Oberschenkelknochen nach vorne zu verschieben. Das geht nur, wenn das vordere Kreuzband gerissen ist und seine Aufgabe, die Stabilität im Kniegelenk zu garantieren, nicht mehr erfüllen kann. Bei chronischen Prozessen im Gelenk, aber auch bei schweren Hunden ist diese Schublade oft äußerst schwierig auszulösen. Und gerade bei älteren Hunden handelt es sich häufig um einen chronischen Prozess, da die Kreuzbänder mit zunehmendem Alter porös werden, wodurch viele kleine Einrisse passieren. Schlussendlich reicht eine kleine falsche Bewegung, damit das Kreuzband reißt. So war das auch bei Kasperl. Erst in Narkose konnte das Schubladenphänomen ausgelöst werden. Danach stand fest, dass Kasperl operiert werden musste.

Der Operateur unseres Vertrauens war Mag. Christoph Leichtfried von der Tierarztpraxis am Stadtpark. Und als erfahrenen Anästhesisten wählten wir Doktor Christoph Peterbauer. Trotz meines großen Vertrauens zu den beiden Kollegen war mir schwer ums Herz, als ich Kasperl in der Früh zum OP-Termin in der Tierarztpraxis am Stadtpark bei Dr. Peterbauer abgab.

Obwohl selbst Tierärztin, reagiert man beim eigenen Hund genauso emotional wie jede andere Hundemami: Wird er die Narkose gut vertragen, wird die Heilung trotz seines hohen Alters gut verlaufen, wird er hoffentlich keine Schmerzen haben …

Die beste Anästhesie für Kasperl – Dr. Peterbauer berichtet

Am 7.6.2018 traf ich Kasperl zum ersten Mal. Bei der klinischen Untersuchung in der Ordination von Mag. Leichtfried, wohin ich von Kasperls Frauchen, Frau Dr. Puttner, angefordert wurde, konnte ich beim Abhorchen von Herz und Lunge zum Glück nur physiologische Befunde erheben. Für sein Alter von 14 Jahren war Kasperl fit wie ein Turnschuh, und auch sein Blutbild zeigte keine Auffälligkeiten. Aber ein großer Eingriff am rechten Knie war geplant, und Schmerzen während und nach der Operation waren meine größten Bedenken. Ich entschied mich für eine leichte „Wurschtigkeitsspritze“ kombiniert mit einem starken Schmerzmittel. Da Kasperl sehr tapfer und brav war, konnten wir ganz einfach einen Venenkatheter legen und ihm die Medikamente direkt über die Vene verabreichen, was einen sehr schnellen Wirkungseintritt zur Folge hatte. Anschließend verabschiedeten wir uns von Frau Dr. Puttner und brachten Kasperl in den Vorbereitungsraum, wo er noch vor der Narkoseeinleitung Sauerstoff über eine Maske erhielt.

Damit ich Kasperls Zustand immer im Blick hatte, wurden seine Vitalparameter kontinuierlich mit modernen Monitoren überwacht. Er war regelrecht „verkabelt“: EKG-Kabel, Blutdruck-Schlauch, Sonden zur Messung von Sauerstoffsättigung und ausgeatmetem Kohlendioxid verbanden ihn mit den Monitoren. Sein Blutdruck und die Sauerstoffsättigung waren aber von Anfang an sehr gut und Kasperl brauchte auch keine mechanische Atmungsunterstützung. Da es sich bei dem Eingriff am Knie um eine invasive Technik am Knochen handelt und ich auf jeden Fall verhindern wollte, dass Kasperl in irgendeiner Weise Schmerzen verspürt, entschied ich mich für eine besondere lokalanästhetische Technik. Ich stellte mit meinem Ultraschallgerät die beiden Nerven dar, die das Knie versorgen und injizierte jeweils einige Milliliter eines langwirksamen Lokalanästhetikums. Die Verteilung des Medikamentes rund um den Nerv konnte ich dabei am Ultraschall sehen und war  deshalb sicher, weder den Nerv geschädigt, noch ein Blutgefäß angestochen zu haben.

Im Anschluss konnte ich die Narkose von Kasperl mittels Anästhesiegas sehr gering halten, was sich in einem stabilen Blutdruck wiederspiegelte. Durch die Nervenblockade mittels Lokalanästhetikums spürte er weder den Schnitt durch die Haut noch die Säge am Knochen. Ich war mir sicher, dass er auch keine Schmerzen beim Aufwachen haben wird, da das Lokalanästhetikum bis zu 6 Stunden wirkt. Durch die Unterbindung der Weiterleitung dieser schmerzhaften Reize vom Operationsgebiet während des Eingriffs wird die Ausbildung einer Schmerzbahn zum Gehirn verhindert, so dass er auch in der Zeit nach der Operation keine gesteigerte Schmerzwahrnehmung haben wird.

Der Eingriff konnte ohne Komplikationen sehr erfolgreich durchgeführt werden. Zum Aufwachen brachten wir Kasperl in eine gewärmte Box und entfernten den Tubus aus seiner Luftröhre. Da die Narkose nicht sehr tief war, wachte Kasperl nach wenigen Minuten sehr ruhig auf. Nichts deutete darauf hin, dass er Schmerzen hätte oder desorientiert wäre. Kurze Zeit später stand er sogar schon auf und wedelte uns durch die Gitterstäbe freundlich an.

Ich war mit der Narkose und der raschen und ruhigen Aufwachphase sehr zufrieden, und auch Kasperl schien in keiner Weise unzufrieden zu sein. Er durfte am Abend mit einem Trichter, einer Gehhilfe fürs Stiegen steigen und Schmerzmittel für die nächsten vier Tage von seinem Frauchen abgeholt werden.

Dr.med.vet. Christoph Peterbauer
European Specialist in Veterinary Anaesthesia and Analgesia
Mobil: +43 664 75073981
www.anaemalis.at
(Dr. Peterbauer ist mobiler Anästhesist in Niederösterreich, Wien und im nördlichen Burgenland)

OP-Bericht von Mag. Christoph Leichtfried

Die Messung des Tibiaplateauwinkels (Tibia ist die lateinische Bezeichnung für Schienbein) am Röntgenbild zeigte, dass die Neigung dieser Gelenksfläche bei Kasperl zu steil nach hinten abfällt. Die Operationsmethode der Wahl war daher die TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomie). Dabei wird das nach hinten abfallende Tibiaplateau gerade gestellt. Zu diesem Zweck durchtrennte ich mit einer speziellen bogenförmigen Säge das Schienbein, rotierte das Plateau in die gewünschte Richtung und fixierte den Knochen mit einer speziellen winkelstabilen Platte in dieser Stellung. Bei Kasperl musste ich den steilen Tibiaplateauwinkel von 35° auf 5° korrigieren. Das Ziel dieser Operationsmethode ist, die Kraftachsen im Kniegelenk bei Belastung zu neutralisieren und damit eine dynamische Stabilität zu erreichen. Bei der TPLO wird die mechanische Achse so umgestellt, dass eine Neutralisation der Kräfte im Kniegelenk entsteht: Wenn der Hund auftritt und das Knie belastet, kann die Tibia nicht mehr nach vorne ausweichen. Kasperls Operation verlief problemlos, er konnte noch am selben Abend nach Hause entlassen werden. Zehn Tage später wurden die Nähte entfernt und nach drei Wochen ein Kontrollröntgen gemacht. Dieses zeigte, dass alles in Ordnung und die Heilung gut fortgeschritten war. Somit blieb für mich nichts mehr zu tun, der nächste Schritt für Kasperl sollte die Reha sein.

Kasperl profitiert von medizinischem Hanf

Da klassische Schmerzmittel bei längerer Einnahme häufig Magen-Darmstörungen bis hin zu Magen- und Darmgeschwüren verursachen, wurde die Einnahme dieser Mittel bei Kasperl auf die ersten vier postoperativen Tage beschränkt. Zusätzlich verordnete der Operateur ein neues Hanfpräparat für Haustiere (CBD Extrakt Premium von Vetrivital), das gut gegen Schmerzen jeder Art und gleichzeitig ausgleichend auf die Psyche wirkt, aber auch bei Langzeittherapie keine Nebenwirkungen verursacht. Da Kasperl ein erbitterter Gegner des Trichters um seinen Kopf war, kam uns neben der schmerzstillenden auch die psychisch ausgleichende Wirkung der CBD-Tropfen sehr gelegen. Einige Wochen bekam Kasperl die Tropfen zweimal täglich, jetzt nur mehr dann, wenn ihn das Bein hin und wieder schmerzt – zum Beispiel bei einem gröberen Wetterumschwung. Im Freundeskreis wurde immer wieder die Frage gestellt, ob mein Hund denn nicht „high“ wäre, wenn er doch ein Hanfpräparat einnimmt. Ich konnte die besorgten Mitmenschen jedoch beruhigen:

In CBD Extrakt ist kein Rauschmittel enthalten. CBD wird aus CBD-reichem Nutzhanf gewonnen und enthält den „High“-machenden Wirkstoff THC nicht.

Kasperl im Reha-Zentrum

Nach dreieinhalb Wochen größter Schonung zu Hause übersiedelte Kasperl für drei Wochen ins Reha-Zentrum von Giorgia Papadopoulos, einer auf Physiotherapie und Rehabilitation spezialisierten Tierärztin im Weinviertel. Die vierbeinigen Reha-Patienten können sich tagsüber frei in Haus und Garten bewegen, nur in der Nacht müssen sie in einem Zimmer bleiben, vergitterte Boxen gibt es nicht.

Lesen Sie hier den Bericht von Mag. Papadopoulos über Kasperls Reha: Kasperl ist ein liebevoller, lustiger und sehr aktiver Hund, der vor dem Kreuzbandriss trotz seines Alters noch mehrere Stunden spazieren gehen konnte. Bei seiner Ankunft  war besonders auffällig, dass die Muskulatur am linken Oberschenkel deutlich stärker ausgebildet war als am operierten rechten Bein. Das operierte Bein war deutlich schwächer und dünner als das linke, was auf einen gravierenden Muskelschwund hinwies. Es ist immer wieder verblüffend, dass das scheinbar innerhalb so kurzer Zeit passiert. Aber der Muskelschwund begann nicht erst nach dem Riss des Kreuzbandes, sondern schon vorher. Denn Kasperl hatte bereits längere Zeit vor seiner diagnostizierten Knieproblematik das rechte Bein nicht mehr richtig belastet, da auch die kleinen Einrisse am Kreuzband schmerzten. Der Verlust an Muskelmasse erfolgt dann sehr schnell. Umso wichtiger ist es, nach der Operation dem Muskelschwund so schnell wie möglich entgegen zu wirken. Die Muskulatur stabilisiert ein Gelenk bis zu 80 Prozent; das heißt je schneller der Patient wieder an Muskulatur gewinnt, umso schneller und besser ist der Genesungsverlauf.

Unmittelbar nach der Operation sind kalte Umschläge wichtig, dann absoluter Leinenzwang und eine gute Schmerztherapie, das sind die ersten Schritte. Wenn die akute Schmerzhaftigkeit überstanden ist, kann mit einer gezielten Physiotherapie begonnen werden, denn Gelenke müssen bewegt werden. Monatelanges Schonen ist falsch. Die Bewegung muss langsam gesteigert werden, bis man schließlich wieder in eine normale Belastung übergehen kann. Kasperl wurde also bei mir aufgenommen und bekam tägliche Therapieeinheiten.

Ganz wichtig war das tägliche Intervalltraining am Unterwasserlaufband. Angefangen haben wir mit 3 x 3 Minuten mit kürzeren Pausen dazwischen, damit sich Kasperl nicht überanstrengt. Die Wasserhöhe entsprach seinem Hüfthöcker. Mit diesem Wasserstand musste er nur 38 Prozent seines Eigengewichtes tragen, wodurch sowohl sein operiertes Gelenk als auch alle anderen Gelenke geschont wurden. Durch den Wasserwiderstand muss aber viel mehr Muskelkraft eingesetzt werden als beim normalen Laufen, was wiederum für den Muskelaufbau wichtig ist. Am Unterwasserlaufband wird also unter gelenksschonenden Bedingungen Muskelmasse aufgebaut. Um Kasperl zum Laufen zu motivieren, bekam er immer wieder mal ein Leckerli. Somit waren das umgebende Wasser und das Laufband vergessen.

Das Intervalltraining vom Wasserlaufband habe ich immer abhängig von Kasperls Befinden angepasst. Alle 2 Tage wurde die Zeitspanne verlängert. Am Schluss ist er sogar 15 Minuten am Stück gelaufen. Nach der Unterwasserlaufbandtherapie bekam Kasperl täglich auch noch Lasertherapie, Stromtherapie und Akupunktur. Die Lasertherapie wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und hilft defekte Strukturen wiederherzustellen. Eine der meist auftretenden Nebenwirkungen bei  Knieoperationen kann eine Sehnenentzündung sein. Mit dem Laser wird einer solchen Entzündung entgegengewirkt.

Mit meinem High Intensity Laser behandelte ich Kasperls Knie nicht länger als 5 Minuten. Für die Stromtherapie entschied ich mich, um die Durchblutung seiner Muskulatur zu fördern und um Muskelkontrakturen vorzubeugen. Da viele Patienten in der Rekonvaleszenz nach der Operation das Bein nicht richtig belasten und eine Einschränkung der Beugung des Gelenkes zeigen, kann es zu einer Verkürzung der Extremität und somit auch zur Muskelverkürzung kommen. Damit das bei Kasperl nicht passiert, therapierte ich sein Bein täglich 15 Minuten lang mit Strom. Akupunktur zur Schmerzlinderung und zur Anregung der Heilungskräfte für Muskel, Sehnen und Knochen war ebenfalls im Therapieplan enthalten.

Bereits nach 2 Wochen Therapie hatte Kasperl ca. 3cm Muskel-umfang gewonnen. Sein Gangbild war deutlich besser, und er benötigte keine Schmerzmittel mehr.

Als Kasperl nach drei Wochen wieder nach Hause durfte, bestand kein Grund mehr, sich Sorgen um seine zukünftige Lebensqualität zu machen.

Ende gut – alles gut

Die Operation liegt jetzt schon vier Monate zurück und Kasperl hat alles gut überstanden. Er macht wieder seinen Job in der

Redaktion, wirkt als Entspannungscoach für die gestresste Chef-redakteurin und genießt wie eh und je lange Spaziergänge.

Mag.med.vet CCRP Georgia Papadopoulos
ANIviVET – Rehazentrum und Tierarztpraxis für
Physiotherapie, Rehabilitation & regenerative Medizin
Mobil: 0664 540 0989
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