Ohrenentzündung bei Hunden

Ein häufiges Sommerproblem

Die Entzündung des äußeren und inneren Anteils der Ohrmuschel sowie des Gehörganges ist eine im Sommer besonders häufig anzutreffende Erkrankung bei Hunden und wird als Otitis externa bezeichnet. Typische Symptome sind gerötete Ohren, Juckreiz, Kopfschütteln, Reiben des Kopfes am Boden oder an Gegenständen, sichtbare Sekretbildung und in vielen Fällen Geruch aus dem Ohr. Ohrentzündungen können sehr schmerzhaft sein und dazu führen, dass die betroffenen Hunde kopfscheu oder gar aggressiv reagieren. In einigen Fällen kann auch eine Kopfschiefhaltung beobachtet werden. Bei sehr starkem Kopfschütteln besteht in weiterer Folge die Gefahr der Bildung eines Othämatoms (Blutohr). Dabei kommt es bedingt durch das Schütteln des Kopfes  und Anschlagen der Ohrmuschel an feste Gegenstände zum Zerreißen von Blutgefäßen. Die Folge davon ist ein Bluterguss zwischen den beiden Knorpelschichten des Ohres. Dem Hundehalter fällt auf, dass das Ohr prall gefüllt und geschwollen ist. Ein schmerzhafter Zustand für das Tier. Ohne Behandlung ist keine Besserung zu erwarten, da das Blut normalerweise im Knorpel nicht gerinnt. Meist hilft nur eine Operation.

Auslösende Ursachen und unterstützende Faktoren

Ohrenentzündungen sind in vielen Fällen eine Multifaktorenkrankheit, d.h. mehrere Faktoren gemeinsam verursachen die Entzündung.

Auslöser der Entzündung sind Allergien, Parasiten (Ohrmilben) und Fremdkörper (z.B. Grannen), aber auch Infektionen mit Bakterien und/oder Hefepilzen.

Unterstützende Faktoren, die ohne einen Auslöser nicht zur Entzündung führen würden, sind beispielsweise anatomische Veränderungen wie eine Verengung des Gehörkanals, ein Gewächs oder übermäßiges Haarwachstum im äußeren Gehörgang, vermehrte Feuchtigkeit im Gehörgang – zum Beispiel bei Rassen mit Hängeohren oder bei Hunden, die gerne schwimmen und tauchen, und bei Hunden, die viele Talgdrüsen im Gehörgang haben. Aber auch eine übertriebene Pflege der Ohren kann das Entstehen einer Ohrenentzündung begünstigen.

Manche Rassen sind häufiger von Ohrenentzündungen betroffen als andere. So werden Cocker Spaniel, Shar Pei, Bulldoggen, Pudel, Shi Tzu, Basset und Labrador Retriever besonders oft mit Ohrenleiden in der Kleintierpraxis vorgestellt.

Was beim Tierarzt geschieht

Bei der ersten Untersuchung eines Hundes, der wegen einer Ohrenentzündung vorgestellt wird, wird die Vorgeschichte aufgenommen und anschließend der Patient einer allgemeinen und dermatologischen Untersuchung unterzogen. Nach dem Abtasten der Ohrmuschel und des Ohrkanals wird der Gehörgang mit einer Lampe inspiziert.

Moderne mit einer Vergrößerungsoptik ausgestattete Video-Otoskope erleichtern die Befunderhebung. Mittels Abstrich und Tupferprobe wird Ohrsekret entnommen und mikroskopisch untersucht. Das Aussehen des gewonnenen Ohrsekrets kann bereits Hinweise auf mögliche Erreger geben: So ist beim Befall mit Ohrmilben typischerweise reichlich schwarzes krümeliges Ohrsekret vorhanden, bei Hefepilzinfektionen ist das Sekret schwärzlich bis dunkelbraun und riecht meist süßlich, bei bakteriellen Entzündungen ist es eher gelblich bis grünlich eitrig. Eine Mischinfektion ist immer möglich. Auf Grund der erhobenen klinischen Befunde können weitere Untersuchungen veranlasst werden, die die Auswahl eines geeigneten Ohrreinigers bzw. Medikamentes erleichtern. Ihr Tierarzt wird die für Ihren Hund passende Therapie zusammenstellen.

Tipps für zuhause

  • Regelmäßige Kontrolle der Ohren und des äußeren Gehörgangs.
  • Korrekte Reinigung der Ohren bei prädisponierten Rassen und bei Hunden, die an Allergien leiden oder bei Hunden, die viel schwimmen und tauchen. Ihr Tierarzt zeigt ihnen gerne, wie Sie es richtig machen.
  • Keine Wattestäbchen zur Reinigung verwenden!
  • Beim Baden/Shampoonieren die Ohren auslassen bzw. Watte als Schutz in die Ohren geben.
  • Ohren regelmäßig beim Tierarzt kontrollieren lassen.

Jede Otitis externa sollte von Beginn an konsequent und richtig behandelt werden, um hartnäckige und frustrierende Fälle zu vermeiden! Die Grunderkrankung darf dabei niemals außer Acht gelassen werden, da man es sonst mit einer immer wiederkehrenden Ohrenentzündung zu tun haben wird. Liegt der Entzündung ein allergisches Geschehen zugrunde – zum Beispiel eine Futtermittelallergie oder Atopie – muss dieses primär behandelt werden.

Fehlende Behandlung hat Folgen

Wenn es im Laufe einer unbehandelten chronischen Otitis externa zum Durchbruch der Entzündung durch das Trommelfell kommt, hat dies eine Mittelohrentzündung zur Folge. Anzeichen dafür sind Schiefhaltung des Kopfes und Gleichgewichtsstörungen. Wenn bei der Besichtigung des Gehörgangs mit dem Otoskop eine milchige Trübung des Trommelfells oder Eiter im Mittelohr festgestellt wird, muss eine Punktion des Trommelfells zur Linderung des akuten Schmerzes durchgeführt werden.

Dr. med.vet.
Claudia Kreil-Ouschan

Fachtierärztin für Dermatologie
Gewerbepark 2, 9131 Grafenstein
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