Myxomatose bedroht Kaninchenleben

Zweimal jährlich Impfen beugt vorFälschlicherweise glauben noch immer viele Kaninchenhalter, dass Myxomatose nur Kaninchen betrifft, die in großen landwirtschaftlichen Beständen oder im Freien gehalten werden. Das stimmt aber nicht: Da diese Infektionskrankheit überwiegend durch Stechmücken übertragen wird, sind auch in der Wohnung gehaltene Kaninchen gefährdet. Im letzten halben Jahr wurde vor allem im Osten Österreichs ein vermehrtes Auftreten von Myxomatose beobachtet. Es ist dies eine hoch ansteckende Erkrankung, die durch ein Pockenvirus ausgelöst wird. Dieses Virus ist wirtsspezifisch und daher grundsätzlich nicht auf andere Tiere oder Menschen übertragbar. Aus diesem Grund sind von Myxomatose hauptsächlich Kaninchen betroffen, vereinzelt erkranken aber auch Feldhasen. Die Erkrankung unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen. Fälle von Myxomatose treten in der Regel ab dem Frühjahr auf, erreichen im Sommer (Juli und August) ihren Höhepunkt und nehmen danach wieder ab. Die Übertragung des Erregers kann sowohl direkt (durch Kontakt vom kranken zum gesunden Tier) als auch indirekt erfolgen, wobei die Infektion durch Stechmücken im Vordergrund steht. Auch der Kaninchenfloh kann, besonders bei der Übertragung des Virus innerhalb eines Bestandes, eine Rolle spielen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit der Übertragung der Erreger auf gesunde Tiere durch den Menschen (Kleidung oder Arbeitsgeräte).

Unterschiedliche Verlaufsformen möglich
Abhängig von der krankmachenden Eigenschaft des Virusstammes können verschiedene Verlaufsformen beobachtet werden.

Ödematöse Form (teigige Anschwellung der Haut):
Befallene Tiere leiden an teigiger Schwellung der Augenlider und Lichtscheue. Im weiteren Verlauf breiten sich die teigigen Schwellungen auch auf andere Regionen des Kopfes (Lippen, Nase, Ohrgrund) und den Bereich der äußeren Geschlechtsorgane sowie des Anus aus. Vielfach verschlimmern hinzukommenden Infektionen durch Bakterien den Krankheitsverlauf. Im Endstadium werden betroffene Kaninchen oftmals matt und appetitlos. Zusätzlich kann im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auch Atemnot bemein Haustier beobachtet werden. Für Anzeichen wie Verklebungen und Krustenbildung im Bereich der Nasenöffnungen kommen auch noch andere Erkrankungen, wie Kaninchenschnupfen oder Kaninchensyphilis, in Frage. Die mit teigigen Schwellungen einhergehende Form der Myxomatose führt fast ausnahmslos zum Versterben des erkrankten Kaninchens.

Noduläre (knotige) Form
Diese meist milder verlaufende „knotige“ Form der Myxomatose ist durch die Ausbildung von knotigen Haut- und Unterhautverdickungen an oben genannten Stellen gekennzeichnet. Die Diagnosestellung ergibt sich in der Regel aus dem klinischen Bild, kann aber auch mit Hilfe einer Gewebeprobe der Haut erfolgen. Auch ein Virusnachweis kann angefordert werden. Eine gezielte Behandlung ist bei Myxomatose nicht möglich. Die symptomatische Behandlung mit Antibiotika, Infusionen und gegebenenfalls Zwangsernährung kann bei der „knotigen“ Verlaufsform versucht werden.

Schutz durch Impfung
Die wenigen Tiere, die eine Myxomatose-Erkrankung überlebt haben, sind nur ein paar Monate gegen eine Neuerkrankung immun. Daher sollten alle Kaninchen – unabhängig von der Art ihrer Haltung – gegen Myxomatose geimpft werden. Denn Stechmücken haben überall Zutritt: Im Stall, im Garten, am Balkon und in der Wohnung. Geimpfte Kaninchenmütter geben über die Muttermilch die Antikörper an ihre Jungen weiter, so dass Nachkommen geimpfter Muttertiere für die Dauer von 2 bis 4 Wochen nach der Geburt gegen Myxomatose geschützt sind. Zur Impfung gegen das Myxomatosevirus steht in Österreich ein abgeschwächter Lebendimpfstoff zur Verfügung. Dieser Impfstoff wird in einer Dosierung von 0,5 ml unter die Haut verabreicht. Eine Impfung sollte nicht bei tragenden oder säugenden Häsinnen angewendet werden, da diesbezüglich keine Studien vorliegen. Für Kaninchen, die in stark myxomatoseverseuchten Gebieten (mit einer hohen Anzahl an erkrankten Wildkaninchen) leben, wird eine frühzeitige Impfung der Jungtiere ab einem Alter von 4 bis 5 Wochen empfohlen. Diese Tierchen sollten eine erste Wiederholungsimpfung im Abstand von 3 bis 4 Wochen erhalten. Weitere Wiederholungsimpfungen derart gefährdeter Kaninchen, sollten alle 4 bis 6 Monate erfolgen. Für Kaninchen, die in Gebieten ohne nachgewiesene Myxomatose- Erkrankungen leben, werden eine Erstimpfung im Alter von 6 bis 10 Wochen, sowie Nachimpfungen im Abstand von 6 Monaten als ausreichend angesehen.

In Ausnahmefällen kann es an der Injektionsstelle zur Ausbildung von Schwellungen kommen. Diese Umfangsvermehrungen in der Haut können bis zu hühnereigroß werden und sich unter Umständen erst nach mehreren Wochen vollständig zurückbilden. Die Myxomatose-Impfung kann gleichzeitig mit der Impfung gegen die hämorrhagische Kaninchenkrankheit (Rabbit haemorrhagic disease, RHD, „Chinaseuche“), jedoch an einer anderen Stelle, verabreicht werden. Als zusätzliche vorbeugende Maßnahme ist unbedingt auch eine Bekämpfung der Übertragungsvektoren (Stechmücken, Flöhe) anzustreben. In gefährdeten Gebieten sollte der Kontakt zu Wildkaninchen unterbunden, sowie auf den Einsatz von potenziell kontaminiertem (verseuchtem) Grünfutter verzichtet werden.