Morbus Cushing beim Meerschweinchen

Eine nicht so seltene HormonerkrankungMeerschweinchen  erfreuen sich als Haustiere schon lange Zeit ungebrochener Beliebtheit. Während dem interessier- ten Tierhalter die häufig auftretenden Zahnprobleme, welche durch ein permanentes Zahnwachstum und eine unangemessene Fütterung begünstigt werden, meist schon hinlänglich bekannt sind, werden Hormonerkrankungen oftmals außer Acht gelassen. Zu den wichtigsten Hormonerkrankungen des Meerschweinchens zählen Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) und  Morbus Cushing, eine Erkrankung der Nebennieren, die auch als Hyperadrenocortizismus bezeichnet wird.

Das Cushing-Syndrom ist eine beim Menschen, aber auch beim Hund  und bei der Katze gut bekannte Hormonerkrankung, die bisher beim Meerschweinchen nur selten beschrieben wurde.
Man unterscheidet zwischen der „peripheren Form“, die auf ei- ner Störung der Nebennieren beruht, und der „zentralen Form“, für die eine Störung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) verant- wortlich ist. Die Hirnanhangsdrüse kon-
trolliert als übergeordnetes Zentrum die Ausschüttung von Hormonen  aus den Nebennieren.

Als  Auslöser für  „Morbus  Cushing“ kommen häufig Tumoren der Nebenniere oder der Hirnanhangsdrüse oder auch eine längere Gabe von Cortison in hoher Dosierung in Frage.
Aufmerksame Meerschweinchen-Halter  berichten häufig über ein zunehmendes Trinkbedürfnis ihrer Meerschweinchen sowie ein auffällig schütteres Haarkleid. Der Haarverlust beginnt zunächst am Bauch, aber auch in der Flankengegend und kann sich weiter auf den gesamten Körper ausbreiten (Abbildung). Auch Gewichts- verlust, Muskelschwund und  ein Hervortreten der Augen sind häufig auftretende Symptome eines „Morbus Cushing“. Zumeist erkranken weibliche Tier mittleren Alters (durchschnittlich etwas über 4 Jahre).

Bezüglich der  Hautveränderungen sollten andere Hormonerkrankungen,  wie  Eierstockzysten, Schilddrüsenüberfunktion oder Zuckerkrankheit als Ursache ausgeschlossen werden. Es sind dazu gründliche tierärztliche Untersuchungen und Laborunter- suchungen  des Blutes nötig. Bei Verdacht auf durch Parasiten (z.B. Milben) verursachte Hautveränderungen  kann eine mikro- skopische Untersuchung einer Haar- bzw. Hautprobe Gewissheit bringen. Außerdem gehen parasitäre Hauterkrankungen meist mit Juckreiz einher.

Ein gesteigertes Trinkbedürfnis kann jedoch auch auf Haltungs- probleme, eine Zahnerkrankung oder auf eine gestörte Nierenfunktion hinweisen. Die Verdachtsdiagnose „Cushing“ wird neben dem typischen klinischen Bild durch eine gründliche klinische Untersuchung, eine Blutuntersuchung (erhöhte Leberenzyme) und  ein Bauchultraschall untermauert.

Komplizierte Hormonmessungen aus dem Speichel bzw. Blut des betroffenen Tieres sowie Hormontests und bildgebende Untersuchungsmethoden wie Computertomographie oder Magnetresonanz sind aufwändig und daher Spezialkliniken vorbehalten.

Da das Wohlbefinden der an „Morbus Cushing“ erkrankten Tiere zumeist stark beeinträchtigt ist und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen besteht, wird eine Therapie angeraten. Bei Vorliegen eines Tumors an der Nebenniere ist die chirurgische Entfernung auf Grund der Größe der Patienten oft schwierig und erfordert viel Erfahrung. Jedoch ist ein Medikament (Trilostan), das die Hormonbildung hemmt, bereits in Einzelfällen erfolgreich beim Meerschweinchen zum Einsatz gekommen. Auftretende Symptome können damit vorübergehend beseitigt und damit die Lebensqualität verbessert werden.

Hormone der Nebennieren
Die beidseits an den Nieren angelagerten Nebennieren bil- den zwei Gruppen von Hormonen: Mineralo- und Glukokor- tikoide. Zu den Glukokortikoiden zählt man das lebensnotwendige Cortisol (ein cortisonverwandtes Stresshormon), zu den Mineralokortikoiden das sogenannte Dursthormon (Aldosteron). Diese Hormone erfüllen viele wichtige Funktionen des Körpers:

  • Regulation des Eiweiß-, Zucker- und Fettstoffwechsels
  • Erhaltung der Blutdruck- und Herzkreislauffunktionen
  • Mobilisierung von Energiereserven bei Belastung und
  • Krankheit
  • Beeinflussung  von Entzündungsreaktionen des Körpers