Mops und Französische Bullys wieder in Mode

mmhMops und Bully sind anhängliche, sensible, sanfte Hunde mit sehr gutem Charakter, die sich von ihrem Besitzer viel Zärtlichkeit erwarten. Sie sind angenehme Gefährten für berufstätige Stadtbewohner, da sie nicht allzu viel Bewegung brauchen, so gut wie nie Verhaltensstörungen zeigen und auch nicht beißen. Da das runde, kurzschädelige Köpfchen dieser Hunde genau dem sogenannten Kindchen-Schema entspricht, nehmen sich auch Menschen, die im Hund ein wenig „Kindersatz“ sehen möchten, gerne ein Möpschen oder einen Bully. Wer sich für eine dieser beiden Rassen entscheidet, sollte sich jedoch auch bewusst sein, dass bei beiden Rassen sehr häufig Probleme mit der Atmung auftreten, die bis zu lebensbedrohenden Zuständen führen können. Die „mein HAUSTIER“-Redaktion hat bei Univ. Prof. Dr. Gilles Dupré von der Veterinärmedizinischen Universität Wien nachgefragt, warum gerade Mops und Bully so häufig von der so schwerwiegenden gesundheitlichen Stö- rung betroffen sind.

Frage: Woran liegt es, dass der Großteil der Möpse und Französischen Bulldoggen an massiven Atmungsproblemen leidet?

Prof. Dupré: Die Ursache des Problems ist die nach wie vor sehr beliebte Kurzköpfigkeit dieser Rassen. Denn durch die Zucht kam es zu einer Verkürzung der Schädel- und Gesichtsknochen, aber nicht zu einer Verkürzung der dazugehörigen Weichteile, wie Haut und Schleimhaut. Das bedeutet, dass diese Tiere für Ihre kurzen Knochen einfach zu viel Haut und Schleimhaut haben, die innen und außen Falten werfen und die Atemwege verlegen. Außerdem bestehen bei diesen Rassen eine Missbildung der Nasenmuscheln, verkürzte Nasengänge und eine Verengung der Nasenlöcher. Trotz tierschutzrelevanter Einwände wurde das Zuchtprogramm dieser Rassen jedoch bisher nicht wirklich verändert. Je mehr Möpse und Französische Bulldoggen gezüchtet werden, desto mehr Probleme gibt es. Wir haben hier an der Kleintierchirurgie eine Studie gemacht, in der wir die beiden Rassen in Bezug auf dieses Problem verglichen haben. Die Studie ergab, dass Möpse einen noch engeren Nasenrachenraum haben als Französische Bullys.

Welche Krankheitssymptome zeigen diese Hunde?

Prof. Dupré: Die Tiere erzeugen schnarchende Atmungsgeräusche, ermüden bei Bewegung rasch und halten Hitze und Stress sehr schlecht aus. Im Extremfall kommt es zu Ohnmachts- und Erstickungsanfällen. Bei der Computertomographie (CT) sieht man, dass durch die Nasengänge fast keine Luft fließen kann. Aber auch Probleme des Verdauungstraktes, wie Erbrechen und Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre und dadurch Entzündung der Speiseröhre und des Magens, hängen ursächlich mit den Problemen des Atmungstraktes zusammen. Und zwar kommt es deshalb zum Erbrechen und zum Rückfluss der Nahrung, weil die Tiere nur mit großer Anstrengung einatmen können, sodass ein Unterdruck in den Luftwegen und im Bauch entsteht und die Magensäfte dadurch regelrecht in die Speiseröhre gesogen werden. Wobei man sagen muss, dass Möpse von letztgenannten Problemen weniger betroffen sind als Bulldoggen. Bullys leiden auch häufig an einer verlangsamten Entleerung des Magens – das ist der Grund, warum Französische Bulldoggen drei bis fünf Stunden nach der Fütterung unverdautes Futter entweder hochwürgen oder erbrechen können.

Wie ist die Vorgangsweise, wenn solche Hunde an der Kleintierchirurgie vorgestellt werden?

Prof. Dupré: Unsere Forschung fokussiert sich darauf, die engste Stelle der Atemwege zu finden, um zu wissen, warum der Hund so schlecht Luft bekommt. Erst dann können wir die geeigneten Maß- nahmen ergreifen. Bis vor zehn Jahren war man noch der Meinung, dass ein überlanges Gaumensegel, das den Kehlkopf einengt, die Ursache für die Atembeschwerden war. Aber heute weiß man, dass es nicht um die Einengung des Kehlkopfes durch ein verlängertes Gaumensegel geht, sondern um die Einengung des Nasenrachenraumes durch das verdickte Gaumensegel und die verdickte Schleimhaut in diesem Bereich. Es bleibt dadurch im Nasenrachenraum kein Platz für das Durchströmen der Luft, sodass den Hunden, die natürlicherweise ja durch die Nase atmen, nur noch die Möglichkeit der Atmung mit offenem Maul bleibt. Wobei ich nicht sagen will, dass das verlängerte Gaumensegel kein Problem war, aber das Problem hat sich aufgrund der Tatsache, dass die Köpfe immer kürzer und runder werden, verlagert. Das Hauptproblem ist jetzt die zu üppige Schleimhaut und auch zu üppiges Bindegewebe. Nur zum Vergleich: Bei einem Schäferhund beträgt die Dicke des Gaumensegels nur einen halben Zentimeter, beim Mops und Bully jedoch bis zu zweieinhalb Zentimeter! Das Gaumensegel wird also zwischen der Zungenbasis und dem Schädel zusammengepresst und findet nur noch Platz im hinteren Nasenrachenraum, was zur Einengung desselben führt. Die Tiere müssen mit so großer Anstrengung einatmen, dass ein Überdruck entsteht und sich der Kehlkopf verschließt, also das Gaumensegel und die Stimmtasche in den Kehlkopf gezogen werden und die Kehlkopfknorpel aneinander gepresst werden – diesen lebensgefährlichen Zustand nennt man Kehlkopfkollaps. Im Laufe einer weiteren Studie haben wir dann festgestellt, dass die engste Stelle am oberen Rand des weichen Gaumens liegt – sie ist übrigens bei Möpsen noch enger als bei Bullys.

Welche Behandlungsmethoden gibt es und was ist das Ziel der Behandlung?

Prof. Dupré: Wenn ein Tier mit derartigen Problemen bei uns an der Klinik vorgestellt wird, evaluieren wir zuerst mittels Computertomographie und Endoskopie, wo die oberen Atemwege am engsten sind. Das Ziel ist dann die Befreiung der Nasengänge und des Nasenrachenraumes durch eine operative Erweiterung der Nasenlöcher und einer Reduktion der Dicke des Gaumensegels, um mehr Platz im Nasenrachenraum zu schaffen. In neunzig Prozent der Fälle erreichen wir eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität des betroffenen Tieres. Bei den Mops-und Bully-Patienten heutzutage genügt eine Verkürzung des Gaumensegels oft nicht mehr, da das Hauptproblem die Verdickung ist. Die Operation muss möglichst früh – immer schon vor dem Auftreten eines Kehlkopfkollapses – erfolgen. Verengte Nasenlöcher sollte man schon ab dem Alter von sechs Monaten erweitern. Auch das verdickte Gaumensegel sollte im ersten, spätestens im zweiten Lebensjahr operiert werden. Die neueste Methode ist die „Faltlappenplastik des weichen Gaumens“, bei der das für die Verdickung verantwortliche Gewebe herausgeschnitten und die Schleimhaut beim Nähen in Falten gelegt wird. Wie lange dauert der Klinikaufenthalt?

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Prof. Dupré: Die Computertomographie, die Endoskopie und die Operation werden am selben Tag durchgeführt, um das Tier nicht mehrmals narkotisieren zu müssen. Der operierte Hund muss über Nacht an der Klinik bleiben, wo er durchgehend überwacht und mit Sauerstoff versorgt wird. Am nächsten Tag kann der Patient nach Hause gehen und nach zwei Wochen auch wieder normal belastet werden.

Was können frischgebackene Mops-Halter tun, um Ihrem Vierbeiner gravierende Atemprobleme in seinem Leben zu ersparen?

Prof. Dupré: Möpse und Französische Bulldoggen sollten schon im Alter von sechs Monaten an der Klinik vorgestellt werden, damit rechtzeitig – noch bevor es zum Kehlkopfkollaps kommt – medizinisch eingegriffen werden kann. Und jeder Hundehalter sollte wissen, dass Schnarchen niemals eine Rasseeigenschaft ist. Leider zeigen Studien, dass gerade Mops- und Bully-Besitzer das Leiden ihrer Tiere nicht wahrhaben wollen. Leider haben die Verkürzung des Kopfes und die Verdickung des Gaumensegels eher noch zugenommen und bei Möpsen sind die Nasengänge infolge einer durch die Zucht bedingte Aufwärtsdrehung des Oberkiefers fast verschwunden. In der Mops- und BullyZucht sollten endlich Maßnahmen getroffen werden, die zum Ziel haben, dass diese Rassen wieder mit einem „normalen“ Kopf frei durchatmen können