Mobile Anästhesie

Unterstützung von Praxen und Kliniken zum Wohl der tierischen Patienten

Die Anästhesie ist einer der größten Segen der modernen Medizin. Durch die Bewusstlosigkeit und Ausschaltung des Schmerzempfindens können operative Eingriffe durchgeführt werden, die ohne Anästhesie unvorstellbare Schmerzen verursachen würden. Gerade in den letzten 50 Jahren entwickelte sich diese Disziplin enorm, sicherere Anästhetika wurden entdeckt, Geräte zum Überwachen der Vitalfunktionen eingeführt und verfeinert sowie Checklisten zur Vermeidung von Fehlern implementiert. Trotz dieser Errungenschaften verringerte sich die Zahl der anästhesiebedingten Todesfälle in der Veterinärmedizin vergleichsweise wenig im Vergleich zur Humanmedizin. Vielleicht liegt dies daran, dass nun auch an Tieren äußerst komplexe chirurgische Eingriffe durchgeführt werden. Immerhin wird schon routinemäßig am offenen Brustkorb, an Gefäßen oder dem Gehirn operiert. Unsere Patienten werden im Schnitt auch älter und leiden in diesem Alter oft an Grundkrankheiten. Trotzdem sind viele Tierbesitzer immer öfter bereit, auch den Senioren unter den Haustieren eine adäquate Behandlung oder Operation angedeihen zu lassen. Im Vergleich zu jungen gesunden Tieren, können diese Patienten aber die Auswirkungen einer Vollnarkose nicht mehr so leicht kompensieren. Das trifft nicht nur für große Operationen zu, sondern auch für kleine Eingriffe wie der Entfernung von Zahnstein oder eines Hauttumors. Dabei sind es oft nicht nur die direkten Auswirkungen der Anästhesie, die sich negativ auf den Organismus eines Tieres auswirken können, sondern auch jene Langzeit-Probleme, die durch einen dauerhaft schlechten Blutdruck, eine mangelhafte Schmerzbekämpfung oder einer ungenügenden Behandlung einer Grundkrankheit während der Narkose entstehen können.

Trend zur Spezialisierung

Eine ganze Flut an Fortbildungmöglichkeiten ermöglicht es praktizierenden Tierärzten, sich dieser neuen Situation anzupassen, um ihren Patienten modernste Behandlungs- und Operationsmethoden anbieten zu können. Dabei scheint es logisch, dass eine einzelne Person nicht in mehreren Fächern hoch spezialisiert sein kann, ohne Abstriche bei der angebotenen Qualität machen zu müssen. Analog zur Humanmedizin geht auch in der Veterinärmedizin der Trend in Richtung Spezialisierung und Ausbildung von Fachärzten. Diese Entwicklung ist eine große Chance für niedergelassene Allgemeinpraktiker, dem Rückgrat der veterinärmedizinischen Grundversorgung.

Durch die steigende Zahl von mobilen Fachspezialisten aller Fachrichtungen wird es für Tierärzte immer leichter, sich zur Betreuung der eigenen Patienten dieser Expertise zu bedienen und in der eigenen Ordination anzubieten. So können sich Privattierärzte komplett auf ihre bevorzugte Fachrichtung konzentrieren und auf die Kompetenz externer Fachärzte anderer Disziplinen vertrauen. Patienten, die zuvor zur optimalen Versorgung an spezialisierte und gut ausgerüstete Kliniken überwiesen werden mussten, können nun gemeinsam mit einem Facharzt als Unterstützung in der eigenen Ordination behandelt oder operiert werden.

Besorgte Tierbesitzer können mit ihrem Tier in einem bekannten und vertrauten Umfeld bleiben und müssen sich nicht einem fremden Klinikpersonal anvertrauen. Trotzdem wissen Sie ihren Liebling in den besten Händen: denen eines vertrauten Tierarztes sowie eines Facharztes.

Mobile Veterinär-Anästhesisten

Dieses Konzept verfolgen auch die wenigen in Österreich praktizierenden freiberuflichen und mobilen Veterinär-Anästhesisten. Nach jahrelanger Berufserfahrung, einer dreijährigen Fachausbildung in Anästhesie und Schmerzmanagement sowie einer bestandenen Facharztprüfung sind sie befähigt, selbst kritisch kranke Tiere sicher und schonend zu anästhesieren, eine optimale medizinische Versorgung während der Narkose zu gewährleisten sowie Empfehlungen zur postoperativen Behandlung und Schmerzausschaltung zu geben. Durch besondere, auf den Patienten zugeschnittene Anästhesieverfahren können auch sehr alte oder junge sowie kranke Patienten sicher operiert werden, ohne deren Kompensationsmechanismen zu überlasten.

Besondere Methoden bei alten und kranken Tieren

Ultraschall-gestützte Lokalanästhesie stellt eine effiziente Möglichkeit dar, Patienten trotz sehr oberflächlicher Narkose komplett schmerzfrei operieren zu können. Dabei wird mithilfe eines Ultraschallgerätes unter Sicht eine Injektionsnadel direkt an den zu anästhesierenden Nerven dirigiert und ein Lokalanästhetikum injiziert. Am Bildschirm des Ultraschallgerätes sind sowohl der Nerv als auch die Nadel und das gespritzte Lokalanästhetikum sichtbar. Die Verwendung von Stimulationsnadeln erleichtert das Auffinden des Nerven und erhöht zusätzlich die Sicherheit dieses Verfahrens. Dabei werden minimale elektrische Impulse über die Spitze einer isolierten Nadel ins Gewebe gesendet. Diese stimulieren den angepeilten Nerv und lösen eine Muskelkontraktion aus. Je näher die Nadelspitze beim Nerv liegt, deste weniger Stromstärke ist für diese Reaktion notwendig. Dadurch tastet man sich sehr vorsichtig an Nervenbahnen heran, ohne diese zu schädigen. Das gesamte Körperareal, das von diesem angepeilten Nerv versorgt wird, kann somit anästhesiert werden, ohne maßgeblich den restlichen Organismus zu beeinflussen. Besonders sehr alte oder kranke Tiere profitieren von dieser Mathode, die auch zur Schmerzbekämpfung bei chronischen Schmerzpatienten eingesetzt wird. Dadurch wird oft eine wochen- bis monatelange Schmerzfreiheit erreicht.Besonders wenn eine Lokalanästhesie nicht möglich sein sollte und eine balancierte Inhalationsanästhesie mit zusätzlicher Infusion von Schmerzmitteln gewählt wird, müssen die lebenswichtigen Organe in ihrer Funktion unterstützt werden. Leider kann weder das menschliche Auge zuverlässig genug einen Abfall der Sauerstoffsättigung oder einen Anstieg des Kohlendioxidgehaltes im Blut anhand der Schleimhäute erkennen, noch ist durch Fühlen des Pulses der Blutdruck zu ermessen.

Deshalb werden präzise Überwachungsmonitore eingesetzt, um einem fatalen Sauerstoffmangel oder einem Blutdruckabfall sofort entgegenwirken zu können. Auch die Beatmung eines Patienten, der an einer Atemwegs- oder Lungenerkrankung leidet, ist heutzutage mit präzisen Anästhesiemaschinen möglich, ohne die sensiblen Luftwege zusätzlich zu schädigen.

Vorteile der mobilen Anästhesie

Leider ist trotz sorgfältigster Überwachung und der Verwendung von äußerst sicheren Anästhetika keine Sedation oder Vollnarkose komplett risikofrei. Sollten jedoch Komplikationen während der Operation auftreten, reagieren ausgebildete Fachärzte für Anästhesie und Analgesie schnell und effizient. Durch ihre Ausbildung in Notfall- und Wiederbelebungsmaßnahmen übernehmen sie wichtige Aufgaben als Teil des Tierärzteteams und können oft schwere Folgeschäden oder sogar lebensbedrohliche Ereignisse verhindern. Der operierende Tierarzt kann sich zu 100% auf den Eingriff konzentrieren, da alle lebensunterstützenden sowie -erhaltenden Maßnahmen von einem Spezialisten übernommen werden. Natürlich ist dieses Service nicht kostenlos und wird sich im Operationspreis wiederspiegeln. Dafür haben fürsorgliche Tierbesitzer die Gewähr, dass ihre Schützlinge auf sehr hohem medizinischem Niveau mit modernen Geräten und nach allen Richtlinien  internationaler Fachgremien betreut werden.

Sollten sie also Sorge wegen einer Narkose bei ihrem geliebten Gefährten haben oder wollen sie eine optimale und individuelle Betreuung ihres Tieres während einer Narkose, haben sie nun die Chance, einen Facharzt in Anästhesie und Schmerzbehandlung auch in ihre vertraute Ordination mitnehmen zu können. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach den Möglichkeiten einer mobilen Anästhesie durch einen Fachtierarzt.


Die verschiedenen Anästhesieverfahren im Überblick

Die einfache intramuskuläre Injektionsnarkose ist in der Veterinärmedizin sehr verbreitet. Dabei wird eine Mischung aus mehreren Anästhetika mit einer Nadel meist in den Muskel des Tieres gespritzt. Diese Art der Narkose ist relativ einfach, weil wenig apparativer Aufwand betrieben werden muss, und ist für kleinere Eingriffe gut geeignet. Allerdings wirken die Anästhetika nur relativ kurz und sind belastend für Herz und Kreislauf. Diese Methode sollte deshalb nur bei wirklich gesunden Tieren im mittleren Alter und für wenig schmerzhafte Eingriffe verwendet werden. Ihre Wirkung kann im Anschluss durch Injektion eines Gegenmittels fast vollständig aufgehoben werden. Die zusätzliche Verabreichung von Sauerstoff und Infusionslösungen ist bei dieser Narkoseart anzuraten.

Die totale intravenöse Anästhesie ist eine Art steuerbare Injektionsnarkose. Es werden sehr kurz wirksame Opiate und Anästhetika wie Propofol mittels einer Spritzenpumpe verabreicht. Trotz guter Steuerbarkeit sollte immer Sauerstoff zugeführt werden. Diese schonende Anästhesiemethode findet überall dort Anwendung, wo eine Inhalationsanästhesie nicht möglich ist.

Die Inhalationsanästhesie ist die schonendste, aber auch aufwendigste Art der Narkoseführung, bei der ein gasförmiges Narkosemittel mit Sauerstoff als Trägergas über die Lunge verabreicht wird. Dazu muss ein Tubus in die Luftröhre eingeführt werden. Durch das Aufblasen eines kleinen Ballons kann die Lunge sogar künstlich beatmet und das Eindringen von Flüssigkeiten, zum Beispiel bei der Zahnhygiene, verhindert werden, was ein zusätzlicher Sicherheitsaspekt dieser Methode ist. Die eingeatmeten Anästhesiegase können bei modernen Anästhesiemaschinen sehr präzise verabreicht werden. Leider besitzen sie keine schmerzstillende Komponente, weswegen Schmerzmittel meist schon vor der Narkoseeinleitung und zusätzlich auch als Dauertropfinfusion während der gesamten Narkose verabreicht werden müssen. Wussten Sie, dass bei Tieren wie auch beim Menschen Schmerzen durch einen operativen Eingriff auch schon während der Narkose entstehen und sogar über das Rückenmark zum Gehirn weitergeleitet werden? Nur das bewusste Empfinden von Schmerz wird durch die Narkosemittel ausgeschaltet. Die weitergeleiteten Schmerzimpulse können unbehandelt jedoch zu chronischen Schmerzzuständen führen, die die Lebensqualität des Tieres sehr einschränken können. Die meisten Anästhetika haben, wenn überhaupt, nur eine sehr leichte schmerzstillende Komponente, und sobald das Tier aus der Narkose aufwacht, würde es hochgradigen Schmerz empfinden. Deshalb ist es so wichtig, zusätzlich starke Schmerzmittel, zum Beispiel aus der Gruppe der Opiate, zu verwenden, womit die Entstehung und Weiterleitung von Schmerzimpulsen gehemmt wird. In den 60er Jahren konnte in einer Studie an Kindern mit Operationen am Herzen durch die zusätzliche Verabreichung eines Opiates zur Inhalationsanästhesie die Sterblichkeit um 80% gesenkt werden, was zum Durchbruch dieser Anästhesiemethode geführt hat. Die gleichzeitige Anwendung von Narkose- und Schmerzmitteln nennt man übrigens balancierte Anästhesie.

Die Lokalanästhesie ist eine großartige Methode, um eine Narkose sehr oberflächlich, gerade so tief, dass das Tier bewusstlos ist und nichts von seiner Umgebung mitbekommt, halten zu können. Von der kompletten Schmerzausschaltung eines Körperareals bei gleichzeitig geringer Narkosetiefe profitieren vor allem kranke, alte oder sehr junge Tiere die manche Nebenwirkungen von Anästhesiemedikamenten, wie Blutdrucksenkung oder Atemdepression schlecht verkraften würden, oder bei denen aufgrund einer Herzerkrankung ein Schmerzreiz unbedingt vermieden werden muss.

Dr.med.vet. Christoph Peterbauer
European Specialist in Veterinary Anaesthesia and Analgesia
Mobil: +43 664 75073981 • www.anaemalis.at
Dr. Peterbauer ist mobiler Anästhesist in Niederösterreich, Wien und im nördlichen Burgenland