Mediterrane Landschildkröten

Über Gartenhaltung und Gesundheitsprobleme

Schildkröten sollten warm und hell gehalten werden. Idealerweise hält man sie im Sommer im sicher eingezäunten Garten. Dies ermöglicht den Tieren Sonnen- und Schattenplätze je nach dem momentanen Bedürfnis aufzusuchen und sich die Gräser und Kräuter, die sie fressen wollen, selbst zu wählen. Ist der Gartenzaun an manchen Stellen undicht, empfiehlt es sich, die Schildkröten in einem abwechslungsreich gestalteten Freigehege zu halten. Das Freigehege muss fest im Boden verankert sein und Sonnen- und Schattenplätze aufweisen. Da Schildkröten gut und gerne klettern, freuen sie sich über kleine Baumstämme oder einen großen Stein zum darüber klettern. Auch ein Unterschlupf, den die Tiere an Regentagen aufsuchen können, ist notwendig. Dafür geeignet sind Mini-Gewächshäuser oder auch ein Kaninchen-Haus mit breitem Eingang und regendichtem Dach. Da Schildkröten meist nur beim Baden trinken, sollte man das Wasser in einer großen, flachen Schale, in die die Schildkröte hinein steigen kann, anbieten, zum Beispiel in einem großen Terracotta-Blumenuntersetzer. Frei in einem natürlich gehaltenen Garten (kein makellos gepflegter englischer Rasen!) umher laufende Schildkröten brauchen nur wenig Zusatznahrung; sie ernähren sich von der Vielfalt an Gräsern und Kräutern. Für im Freigehege gehaltene Schildkröten eignen sich als Grundnahrung die eher harten Salatsorten, wie Rucola, Endivien und Feldsalat.  Gutes Heu muss sowohl freilaufenden als auch im Gehege gehaltenen Schildkröten stets zur Verfügung stehen, bildet es doch die Grundlage jeder Schildkrötenernährung. Über saftige Leckerbissen wie zum Beispiel Melonen, Marillen, Erdbeeren, Bananen und Gurken freuen sich die gepanzerten Vierbeiner besonders bei Hitze sehr. Wobei darauf geachtet werden muss, dass von den süßen, zuckerhaltigen Früchten nur eine sehr geringe Menge – beispielsweise eine große Erdbeere, eine halbe Marille oder eine Viertelbanane pro Tag – angeboten wird.

Sozialkontakt zum Menschenerwünscht

Auch Schildkröten sind fähig, eine Bindung zu Menschen zu entwickeln – vorausgesetzt der Mensch beschäftigt sich mit ihnen. Die wenigsten Menschen wissen, dass die Panzertiere Streicheleinheiten sowohl am Panzer als auch am Köpfchen oder an der Kehle schätzen. Sind sie es erst einmal gewöhnt, Leckerbissen mit der Hand gefüttert zu bekommen, laufen sie freudig auf ihren Betreuer zu, wenn dieser in den Garten kommt. Es gibt Schildkröten, die auf Zuruf kommen!

Nicht artgerechte Haltung macht krank

Leider werden sehr viele Schildkröten ohne die geringste Kenntnis einer artgerechten Betreuung in der Wohnung gehalten, so dass falsche Haltung einer der Hauptgründe für Erkrankungen dieser Reptilienart ist.

Lungenentzündung

Erkrankungen des Atmungstraktes sind bei Schildkröten häufig und verlaufen meist sehr dramatisch. Sie sind eine der häufigsten Todesursachen von Jungtieren. Schildkröten brauchen idealerweise eine Umgebungstemperatur von 25 bis 30 Grad Celsius und sie sind sehr empfindlich gegen Zugluft. Aber gerade am Zimmerboden gehaltene Tiere bekommen sehr viel Zugluft ab und werden dadurch geschwächt. So ist die Ursache von Schnupfen und Lungenentzündung bei Schildkröten meist Unterkühlung und Erkältung. Aber auch falsche Ernährung trägt zu einer verminderten Widerstandskraft der Tiere bei, Krankheitserreger haben dann leichtes Spiel. Auffallende Symptome bei Lungenentzündung sind starker Schnupfen, Schweratmigkeit und pfeifende und rasselnde Geräusche beim Ausatmen wegen der Verschleimung der Luftröhre und der Bronchien. Die Schildkröten werden immer apathischer und hören schließlich auf zu fressen.Im Gegensatz zu Säugetieren wie z. B. Hund und Katze gibt es bei Schildkröten keine herdförmige, begrenzte Lungenentzündung, sondern der Krankheitsprozess ergreift immer den ganzen Lungenlappen. Der Grund dafür ist, dass die Säugetierlunge viele feine Unterteilungen hat, die den Entzündungsprozess eingrenzen können, die Reptilienlunge diese feine Verzweigung aber nicht hat.

Bei Lungenentzündung behandelt der Tierarzt die Schildkröte mit Antibiotika, und der Tierhalter muss für deutlich verbesserte Haltungsbedingungen sorgen.

Legenot

Landschildkröten mit Legenot werden in der tierärztlichen Praxis immer wieder vorgestellt. Auch hier spielt nicht artgerechte Haltung eine große Rolle. Fehlt der Schildkröte zum Beispiel die Möglichkeit, die Eier einzugraben, funktioniert die Eiablage nicht. Aber auch Kalziummangel kann zu Legenot führen. Dem Tierhalter fällt dann auf, dass die Schildkröte tage- bis wochenlang unruhig ist, ziellos umherläuft, immer wieder mit den Hinterbeinen scharrt und zu graben versucht. Sie presst auch heftig, um die Eier zu legen, aber es funktioniert nicht. Es entsteht so ein großer Druck auf die Kloake, schleimiger Ausfluss ist die Folge. Dem Tierbesitzer fällt auf, dass die erschöpfte Schildkröte mit offenem Maul atmet. Das ständige erfolglose Pressen des Schildkrötenweibchens führt schließlich zum Zerbrechen der Eischalen. Deren Bruchstücke verletzen den Eileiter und im schlimmsten Fall kommt es zum Durchbruch in die Leibeshöhle, was dann zum Tod der Schildkröte führt.

Je rascher eine Schildkröte mit Legenot zum Tierarzt gebracht wird, desto besser sind die Aussichten für das Tier. Die Diagnose „Legenot“ kann vom erfahrenen Tierarzt meist schon aus dem Vorbericht, den er vom Tierhalter bekommt, gestellt werden. Um ganz sicher zu gehen, empfiehlt sich jedoch eine Röntgenaufnahme, auf der die ungelegten Eier gut sichtbar sind. Um die Wehentätigkeit zur Eiablage anzuregen, injiziert der Tierarzt der Schildkröte ein Wehenmittel. Häufig legt die Schildkröte schon 15 bis 20 Minuten danach alle Eier. In manchen Fällen muss die Behandlung wiederholt werden. Auch Kalziuminjektionen wirken sich positiv aus.  Wenn bei nicht vollständig gereiften oder deformierten Eiern das Wehenmittel nicht nützt, müssen die ungelegten Eier operativ entfernt werden.