Lymphdrainage hilft auch Tieren

Die Überprüfung der wichtigsten Lymphknotenareale gehört auch bei Vierbeinern zur Standarduntersuchung beim Tierarzt. Ein intaktes Lymphgefäßsystem (LGS) ist für den Organismus von großer Bedeutung, da es wichtige Aufgaben erfüllt.

LymphdrainageWie es funktioniert

Das Lymphgefäßsystem ist ein Drainagesystem, es transportiert die Lymphe von der Peripherie in den venösen Blutkreislauf. Im Lymphgefäßsystem wird die lymphpflichtige Last (Plasma, Eiweiße, Fette, Zellen, Fremdpartikel wie Bakterien, Kohlenstaub und Glasstaub) weitertransportiert. Man kann das Lymphgefäßsystem als Sicherheitsventil betrachten, denn die Flüssigkeiten, die venös nicht abfließen können, werden lymphpflichtig. Solange das Lymphgefäßsystem, welches über eine sogenannte funktionelle Reserve verfügt, die lymphpflichtige Last bewältigen kann, ist alles in Ordnung. Sollte diese jedoch die Transportkapazität des LGS übersteigen, kommt es zu einem Ödem (Wasseransammlung im Gewebe) (siehe Bild 1).

Manuelle Lymphdrainage
Dies ist eine physikalische Therapieform, bei der mittels einer speziellen Massagetechnik der Lymphabfluss angeregt wird. Die überaus diffizile Technik ist kaum mit anderen Massagetechniken zu vergleichen. Durch kreisförmige Verschiebetechniken, welche stets mit sanftem Druck angewendet werden, wird Flüssigkeit aus dem Gewebe in das Lymphgefäßsystem verschoben. Grundsätzlich handelt es sich um Kreisbewegungen, bei denen die Haut verschoben wird. Im Gegensatz zu anderen Massagearten wird nie über die Haut gestrichen. Ein Haupteinsatzgebiet der manuellen Lymphdrainage sind Ödeme, also Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe. Es können aber auch Narben und Verhärtungen mittels Spezialgriffen gelockert werden.

So wirkt manuelle Lymphdrainage
Während der Behandlung wird die Lymphbildung erhöht und die Massage beschleunigt die Füllung und Entleerung der Lymphkapillaren. Es kommt zu einer verstärkten Kontraktion der Lymphgefäße und in weiterer Folge zu einer Abfuhr angestauter Flüssigkeit aus dem Gewebe. Manuelle Lymphdrainage wirkt beruhigend und entspannend auf die quergestreifte Muskulatur, schmerzlindernd, entzündungshemmend und beschleunigt den Heilungsprozess. Außerdem unterstützt diese Behandlungstechnik die Immunabwehr, fördert die Verdauung und den Milchsäureabbau und wirkt zusätzlich entschlackend. Einsatzgebiete sind orthopädische und traumatische Erkrankungen, die mit einer Schwellung des Gewebes einhergehen. Nach Operationen hilft manuelle Lymphdrainage, das geschwollene Gewebe zu entstauen. In der Veterinärmedizin wird manuelle Lymphdrainage immer häufiger angewendet, zum Beispiel bei Leistungspferden oder der intensivmedizinischen Behandlung von Hund und Katze (siehe Bild 2).

Voraussetzungen für die Behandlung
Die Therapieeinheit sollte nach Möglichkeit in ruhiger Umgebung stattfinden, damit sich der tierische Patient entspannen und die Berührung mit den Händen bewusst wahrnehmen kann. Weiterhin gilt es, die Therapie nicht zu unterbrechen und anschließend eine Phase des Nachruhens zu ermöglichen (ca. 20 min). Öle, Cremes oder Ähnliches werden nicht verwendet, da das Rutschen über die Haut nicht erwünscht ist. Die Griffe müssen rhythmisch und „monoton“ ausgeführt werden und dürfen nie schmerzhaft sein. Die Kreise werden sozusagen mit der Haut und nicht auf der Haut vollzogen. Die Hände des Therapeuten sollten angenehm warm und trocken sein. LymphdrainageEs wird immer das körpernähere Gebiet vor dem entfernteren behandelt, um Platz für die nachströmende Flüssigkeit frei zu massieren. Im Allgemeinen ist etwas Bewegung vor der Behandlung von Vorteil, da eine Aktivierung des Kreislaufes vorab stattfindet und die positiven Effekte der manuellen Lymphdrainage begünstigt. Der Rhythmus ist entweder einhändig, beidhändig, parallel oder im Wechsel auszuführen, wiederum abhängig von Patient, Erkrankung und Lokalisation des Ödems. Vor Behandlungsbeginn ist es notwendig, den Gesundheitszustand des Tieres von einem Tierarzt abklären zu lassen. Bevor mit der tatsächlichen Behandlung begonnen wird, sollte zum Patienten Vertrauen aufgebaut werden. Die Massage darf für den Patienten niemals schmerzhaft sein, in diesem Fall darf nur um das schmerzhafte Gebiet massiert werden.

Vielzahl von Erkrankungen im Heilungsverlauf unterstützt
Akute und chronische Entzündungen der Gelenke, Sehnen, Bänder, Muskeln oder Haut (z.B. Sehnenscheidenentzündung, Arthrosen)

● Ödeme (siehe Bild 3)
● Phlegmonen (bakterielle Entzündung mehrerer Hautschichten)
● Mastitis
● Narbenbehandlung
● Venenerkrankungen
● Verbrennungen
● Muskelregeneration

Wie die Behandlung abläuft

LymphdrainageDie Behandlung beginnt immer im Bereich der Schulter und am Hals, nicht im Bereich der Umfangsvermehrung. Die Behandlung wird also ganzheitlich eingeleitet und nicht lokal. Die Stimulierung der zentralen Abflusswege zu vermehrter Arbeit wird als zentrale Vorbehandlung bezeichnet. Diese kommt im Bereich des Halses, sowie am Rumpf zur Anwendung und erzeugt einen Sog auf die gestauten Lymphgefäße. Danach werden alle dem betroffenen Gebiet voran geschalteten Körperregionen behandelt und schlussendlich die erkrankte Region. Die Druckstärke ist so weich und großflächig wie möglich zu wählen. Prinzipiell hängt die Anwendung des Drucks vom Zustand des Gewebes ab. Allgemein kann man behaupten: je weicher sich das Gewebe darstellt, desto weicher muss auch der Massagedruck sein. Zu starker Druck führt zum Kollabieren der Lymphgefäße und ist kontraproduktiv. Je nach Größe des Patienten und der zu behandelnden Körperregionen kann eine Behandlung 30 bis 90 min in Anspruch nehmen. Die Anzahl der Behandlungen hängt stark vom Krankheitsbild und dessen Verlauf ab. Viele Entzündungen können mit wenigen, in kurzen Abständen folgenden Behandlungen therapiert werden. Chronische Prozesse werden nach einigen kurz aufeinander folgenden Initialbehandlungen in weiterer Folge mit längeren Abständen, idealerweise wöchentlich therapiert (siehe Bild 4).

 

 

 

Reaktionen nach der BehandlungLymphdrainage
In der Regel tritt während oder nach der Behandlung Müdigkeit auf. Schließlich stellt die Aktivierung des Lymphflusses eine Anstrengung für den Organismus dar und der entspannende Effekt der Einheit führt auch meist zum wohligen Einschlafen der tierischen Patienten. Durch Aktivierung des vegetativen Nervensystems kommt es während der Behandlung zur Blutdrucksenkung.