Leben mit dem alten Hund

Kleine und große Möglichkeiten der Unterstützung im Alltag

Eines Tages wird uns auffallen, dass der beste Freund an unserer Seite sich fast unmerklich ein wenig verändert. Er schläft vielleicht ein wenig mehr, geht den Alltag ein bisschen langsamer an – und die eine oder andere Charaktereigenschaft, die wir über die Jahre lieb gewonnen haben – verstärkt sich sogar. Unser vierbeiniger Partner wird älter! Damit der Hundesenior sich weiterhin rundum wohl fühlt und noch viele Jahre lang ein lebenswertes Leben an unserer Seite führen kann, gilt es nun, einige Dinge zu beachten und vor allem die sich langsam ändernden Bedürfnisse in den eigenen Alltag zu integrieren.

Rechtzeitig zum Tierarzt

„Irgendwie war er früher lebhafter.“ – „Ja, da siehst Du, wie die Zeit vergeht. Auch die Hunde werden älter!“ – „Und Fressen mag er auch nimmer so wie ich‘s gewohnt war.“ – „Ist ja kein Wunder, dass er keinen Appetit hat, wenn er ganzen Tag nur herumliegt.“ – „Ja, er schläft jetzt wirklich viel mehr!“ – „Du, das ist sicher das Wetter. Wirst sehen, das vergeht …“ – Bekannte Dialoge mit den Bekanntschaften auf der Hundespielwiese oder in der täglich besuchten Social-Media-Gruppe! Geht es in diesen Gesprächen eines Tages um den eigenen Hund, sollten wir damit keine wertvolle Zeit verschwenden! Wenn sich erste Anzeichen, die wir als Alterungsprozess deuten, zeigen, muss der erste Weg zum Tierarzt führen, um in einer umfassenden Vorsorgeuntersuchung abzuklären, ob unser Senior medizinische Hilfe braucht. Neben einer klinischen Untersuchung gehören dazu ein Blutbild und im Idealfall eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums. Stellt sich dabei heraus, dass unser Partner auf vier Pfoten gesund ist, sollten wir jetzt dennoch einige Dinge beachten, um den Veränderungen des Organismus, die der Alterungsprozess mit sich bringt, gerecht zu werden.

Immunsystem im Alter schwächer

Das entscheidende Kriterium für das biologische Alter eines Organismus ist die Zellalterung, die in engem Zusammenhang mit dem Immunsystem steht. Wenn die Immunzellen altern, verlieren sie auch einen Teil ihrer Fähigkeit, eine starke Immunreaktion auszulösen. Ist das Immunsystem aber durch äußere Faktoren wie beispielsweise das Alter des Hundes geschwächt, können vermehrt Infektionen und Tumorerkrankungen auftreten. Alle Faktoren zu vermeiden, die das Immunsystem zusätzlich belasten, gehört nun folgerichtig zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen, mit denen wir die Gesundheit unseres Seniors schützen und erhalten können. Neben ausreichendem Schlaf ist vor allem die Vermeidung von chronischem Stress von entscheidender Bedeutung, denn zahlreiche Studien belegen für Mensch und Tier gleichermaßen dessen schädigende Wirkung auf den Organismus und die belastende Einschränkung des Immunsystems durch körpereigene Stressreaktionen. Ist das Immunsystem geschwächt, sollte zudem immer gewissenhaft abgewogen werden, ob eine ideologisch gefärbte Ernährungsentscheidung zum Barfen in dieser Situation wirklich die richtige für unseren vierbeinigen Partner ist, denn in mehrfachen Untersuchungen konnte immer wieder nachgewiesen werden, dass ein Großteil der handelsüblichen Barf-Rationen mit Erregern belastet sind, deren Unschädlichkeit für den Organismus nur ein gesundes und voll funktionsfähiges Immunsystem garantieren kann.

Alltagshilfen erleichtern das Leben

Darüber hinaus kann die eine oder andere Alltagshilfe unserem vierbeinigen Senior das Leben enorm erleichtern. Wenn beispielsweise Rücken- oder Gelenksprobleme das Sprungvermögen beeinträchtigen, leistet eine Hunderampe gute Dienste, um dennoch den angestammten Lieblingsplatz auf dem Sofa zu erreichen oder ins Auto einzusteigen, um mit Herrchen und Frauchen zu einer gemeinsamen Fahrt aufzubrechen und alte Lieblingsplätze aufzusuchen. Da Senioren ganz natürlich ein wenig gemächlicher unterwegs und weniger bewegungsfreudig als ihre jüngeren Artgenossen sind, haben sie beispielsweise auch im Winter zunehmend Probleme, die Körpertemperatur zu regulieren und sich selbst warmzuhalten. In diesen Fällen kann der oft belächelte Hundemantel eine unumgängliche Unterstützung sein.

Beschäftigung fördert Wohlbefinden

Dank einer modernen leistungsfähigen und effizienten Veterinärmedizin haben unsere Partner auf vier Pfoten heute eine höhere Lebenserwartung als in früheren Jahren. Und natürlich wirkt sich der ganz normale Alterungsprozess auch auf die kognitiven Fähigkeiten von Hunden aus. Eine Studie aus dem Clever Dog Lab des Messerli Forschungsinstitutes an der Veterinärmedizinischen Universität Wien widmete sich bereits 2016 diesem Thema und konnte nachweisen, dass ältere Hunde tatsächlich langsamer lernen als jüngere, dass sich die Fähigkeit zur logischen Schlussfolgerung im Alter hingegen verbessert. Erst jüngst zeigte eine weitere Studie der Kognitionsbiologen des Messerli Forschungsinstituts, dass lebenslanges Lernen nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde eine Bereicherung darstellt. Stetes Hirntraining und gelöste Denkaufgaben setzen den Studienautoren zufolge bei den bis ins hohe Alter lernfähigen Tieren positive Emotionen frei und bremsen den natürlichen, geistigen Abbau. Dass sich Beschäftigungsinhalte und Trainingsmethoden jetzt grundlegend von denen junger Hunde unterscheiden, liegt auf der Hand, doch der vollständige Verzicht auf regelmäßige Herausforderungen ist keineswegs ratsam: „Damit schränkt man kognitive Impulse ein, die für die weiterhin lernfähigen Tiere ein positives Denkerlebnis bedeuten können“, erklärt Erstautorin Lisa Wallis. „Ähnlich wie bei Menschen sinkt auch bei Hunden im Alter die Produktion des Botenstoffs Dopamin, mit der etwa abnehmendes Erinnerungsvermögen einhergeht. Diesem natürlichen, geistigen Abbau kann man aber mit gezieltem Training vor allem der kognitiven Fähigkeiten entgegenwirken.“

Im Rahmen der Studie kam dafür ein Training mit computerbasierten Denkaufgaben zum Einsatz.

„Das Spielen am Touchscreen wird zwar hauptsächlich mit jungen Hunden analysiert. Wir konnten aber schon zeigen, dass auch ältere Hunde auf diese kognitive Trainingsmethode ansprechen“, sagt Letztautor Ludwig Huber. „Bei den Tieren ist vor allem die Aussicht auf Belohnungen ein wesentlicher Faktor für die Motivation etwas Neues oder Herausforderndes zu tun. (…) Das positive Empfinden, das eine gelöste, geistige Herausforderung  bringt, ist vergleichbar mit dem Empfinden, das Menschen im Alter spüren, wenn sie etwas Neues dazu gelernt haben.

Regelmäßiges Hirntraining rüttelt also nicht nur uns, sondern auch Hunde im Alter quasi wach und macht sie etwa wieder aufmerksamer für Kommandos.“

Von Mag. Kerstin Piribauer

*Kognition bezeichnet in der Psychologie die Umsetzung einer Information in Verhalten. Die Kognitionsbiologie beschäftigt sich also mit Fragen der Informationsverarbeitung.