Krankes Frettchen

fretchen1Zu Jagdzwecken – ihrer ursprünglichen Verwendung – werden Frettchen heute nur mehr selten eingesetzt. Als Heimtiere werden sie jedoch immer beliebter, was zur Folge hat, dass inzwischen auch Frettchen zum fixen Bestandteil der tierärztlichen Sprechstunde gehören. Die häufigsten Erkrankungen beim Frettchen werden durch hormonelle Störungen ausgelöst.

Lebensgefährliche Blutarmut durch Dauerranz

Der Eisprung bei der Fähe (weibliches Frettchen) wird erst durch den Deckakt ausgelöst. Werden Fähen während ihrer Brunst nicht gedeckt, so unterbleibt der Eisprung und die Tiere können über einige Monate brünstig bleiben, was zu einem sehr hohen Östrogenspiegel im Blut führt. Dieser kann nach einiger Zeit eine Knochenmarkdepression bewirken, so dass die Bildung von roten und weißen Blutzellen und den zur Blutgerinnung nötigen Blutplättchen unterdrückt wird. In der Folge kommt es zu lebensgefährlichen Zuständen mit Abmagerung, Appetitlosigkeit, punktförmigen Blutungen in die Haut, blassen Schleimhäuten, Schweratmigkeit und Blutstuhl. Neben der in der Dauerranz bleibend vergrößerten Vulva fällt auch noch symmetrischer Haarausfall auf. Bis vor kurzem war die chirurgische Kastration die Therapie der Wahl; jedoch starben viele der betroffenen Tiere, da sie für die Operation schon zu geschwächt waren.

Überfunktion der Nebenniere nach chirurgischer Kastration

Da Frettchen zweimal im Jahr bis zu 13 Junge werfen können, entscheiden sich viele Frettchen-Halter zur Kastration ihrer Tiere. Die chirurgische Kastration führt jedoch oft zu unerwünschten und gefährlichen Nebenwirkungen. So wird zum Beispiel die Überfunktion einer oder beider Nebennieren häufig durch die chirurgische Kastration ausgelöst und geht dann mit einer exzessiven Produktion von Sexualhormonen einher. Kastrierte Fähen und kastrierte Rüden sind gleichermaßen davon betroffen. Das Krankheitsbild betroffener weiblicher Tiere ähnelt dem der Dauerranz unkastrierter Weibchen.

Neue Therapie bei Dauerranz und Nebennierenüberfunktion

Das bei Hunden und Katzen schon bewährte Implantat „Suprelorin“ wird mit gutem Erfolg auch zur Behandlung der Dauerranz bei Frettchenfähen und zur Therapie der Nebennierenüberfunktion bei männlichen und weiblichen Tieren eingesetzt. Das Implantat führt zu einer vorübergehenden Unterdrückung der Produktion von Sexualhormonen, was als „hormonelle Kastration“ bezeichnet wird. Das reiskornkleine Implantat wird wie eine Impfung unter die Haut gespritzt. Bei der Dauerranz löst Suprelorin zuerst den Eisprung aus und führt anschließend zur hormonellen Kastration der Fähe, wobei beim Frettchen die Wirkung 17 bis 27 Monate anhält. Bei Tieren mit Nebennierenüberfunktion führt die Implantation zu einer deutlichen Besserung bis hin zum Verschwinden der klinischen Symptome und stellt eine überlegenswerte Alternative zur operativen Entfernung der Nebennieren dar.

Unblutige Kastration auch beim Frettchen möglich

Sowohl männliche als auch weibliche Hunde werden seit einigen Jahren routinemäßig mit dem Suprelorin-Implantat unblutig und reversibel kastriert. Dies ist auch bei Frettchen möglich. Bei weiblichen Frettchen wird durch die Implantation außerhalb der Brunstzeit kurzzeitig eine Ranz ausgelöst, bevor es zum Kastrationseffekt kommt. Bei Behandlung von Fähen in der Ranz kommt es zur Auslösung des Eisprunges und im Anschluss zur hormonellen Kastration. Das Implantat kann beim Frettchenrüden jederzeit gesetzt werden und führt zur reversiblen Unfruchtbarkeit. Ist das implantierte Stäbchen nach 17 bis 27 Monaten aufgebraucht, ist der Rüde wieder fruchtbar und deckfähig.

Allgemeine Informationen über Frettchen gibt es auch unter www.frettchenhilfswerk.at

Dr. Herta Puttner / Fachtierärztin für Kleintiere