Kranke Meerschweinchen

zysten, Haarballen und TumorenLeider werden Meerschweinchen häufig erst zum Tierarzt gebracht, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten und Heilung kaum noch möglich ist. Um dies zu vermeiden, soll- ten Meerschweinchen stets gut beobachtet werden, damit Veränderungen im Allgemeinbefinden rechtzeitig entdeckt werden.

Häufiger Befund bei Meerschweinchen: Zysten am Eierstock
Rosettenmeerschweinchen Susi teilt ihren Käfig und das Freigehege mit Maxi und Poldi, zwei kastrierten Langhaarmeerschweinchen. Die drei Tierchen sind fünf Jahre alt und waren bisher noch nie krank. Aber plötzlich fällt den Besitzern auf, dass Susi an den Flanken kahle Stellen bekommt und dass ihr Bauchumfang deutlich zunimmt. Sie sieht aus, als ob sie trächtig wäre. Aber das ist unmöglich, da ihre beiden Mitbewohner kastriert sind. Abgesehen von den kahlen Stellen und dem dicken Bauch ist Susi unverändert fröhlich und bei gutem Appetit. Der Tierarzt ertastet im Bauch zwei wachteleigroße, knotige Gebilde. Die anschließende Ultraschalluntersuchung zeigt, dass es sich nicht um Tumore, sondern um mit Flüssigkeit gefüllte Zysten an den Eierstöcken handelt. Der beidseitige symmetrische Haarausfall an den Flanken deutet darauf hin, dass es hormonbildende Zysten sind, die das hormonelle Gleichgewicht des Organismus stören. Zysten am Eierstock können Tennisballgröße erreichen und verdrängen schlussendlich andere Organe im Bauch, was zum Tod führen kann. Die Punktion der Zysten durch die Bauchwand bringt nur kurzzeitig Erleichterung, da sich die Zysten schnell wieder füllen. Bei hormonell aktiven Zysten und Haarlosigkeit an den Flanken kann vom Tierarzt eine Behandlung mit Gestagenen versucht werden – das betroffene Tier bekommt einmal monatlich eine Gestagenspritze. Erfahrungsgemäß wachsen daraufhin zwar die Haare schnell wieder nach, aber das Problem der Zysten bleibt meist bestehen. Die einzige Therapiemöglichkeit mit sicherem Erfolg ist die Kastration des Meerschweinchens. Diese sollte möglichst im Anfangsstadium der Erkrankung erfolgen, solange die Zysten noch klein sind. Bei der Kastration werden beide Eierstöcke entfernt. Die Tierchen überstehen die Operation in Vollnarkose üblicherweise gut und fressen meist schon nach zwei Stunden wieder.

Lebensbedrohend: Haarballen im Magen
Konrad, mit seinen sieben Jahren bereits ein Meerschweinchen-Senior, trauert um seine Gefährtin, die vor einigen Wochen an Altersschwäche verstarb. Um seine psychischen Spannungen abzubauen, entwickelte er einen zwanghaften Putztrieb; er ist dauernd damit beschäftigt sein Fell sauber zu lecken. Anfangs war die Futteraufnahme noch normal, aber seit einer Woche frisst er kaum noch und hat schon deutlich an Gewicht verloren. Die meiste Zeit liegt er matt im Käfig herum. Bei der Untersuchung stellt der Tierarzt fest, dass zwischen den Schneide- und Backenzähnen ganze Haarbüschel eingeklemmt sind. Beim Abtasten des Bauches ist ein tennisballgroßes, derbes Gebilde zu spüren. Mit einer Ultraschalluntersuchung wird abgeklärt, ob es ein Tumor oder eine andere Veränderung ist. Der Ultraschall zeigt, dass es sich nicht um einen Tumor, sondern um einen nicht minder gefährlichen Haarballen im Magen handelt. Der Magen ist dadurch ausgeweitet und die Peristaltik funktioniert nicht mehr ausreichend, was bedeutet, dass das Futter vom Magen nicht mehr zur Gänze zum Darm weitertransportiert wird und daher nicht verdaut werden kann. Wegen der Größe des Haarballens kam bei Konrad eine konservative Therapie nicht in Frage; er musste operiert werden, erholte sich danach aber rasch. Bei kleineren Haarballen reicht meist die konservative Therapie mit der Verabreichung von Paraffinöl und anschließenden Bauchmassagen, sowie homöopathische Verabreichung von Nux Vomica-Injektionen durch den Tierarzt aus. Die Haarballenbildung wird gefördert durch psychische Belastung der Tierchen, durch Langeweile und durch schlechte Fellpflege von Seiten des Tierhalters. Vor allem während des Fellwechsels ist regelmäßiges Kämmen und Bürsten der Meerschweinchen unbedingt nötig, da diese sonst, wenn sie sich putzen, zu viele Haare schlucken, welche sich dann im Magen zusammenballen. Auch eine falsche Zusammensetzung des Futters – zu viel Körnerfutter und zu wenig Heu und Grünfutter – und eine zu geringe Wasseraufnahme begünstigen das Entstehen von Haarballen im Verdauungstrakt. Ausreichend Bewegung ist ebenfalls wichtig, um das Entstehen von Haarballen zu vermeiden. Eine Selbstverständlichkeit sollte die artgerechte Haltung der Tierchen in sozialen Gruppen sein. Denn damit wird Langeweile, die die Ausbildung von zwanghaften Verhaltensweisen (Putzzwang!) fördert vermieden.

Tumore meist gutartig
Meist handelt es sich um gutartige Geschwülste des Fettgewebes und der Talgdrüsen. Erschreckend für den Tierhalter sind die Tumoren des Kaudalorganes, welche Golfballgröße erreichen können. Das Kaudalorgan ist ein im Bereich des Kreuzbeins ausgebildetes ovales Drüsenfeld mit einer Anhäufung von Talgdrüsen. Es ist beim geschlechtsreifen Männchen am stärksten entwickelt und sezerniert sexuelle Duftstoffe. Der riesige Tumor ist mit schwarzgrauer, schmierig-breiiger Masse gefüllt, die sich entleert, wenn der Tumor in stark fortgeschrittenem Zustand platzt. Die Tierbesitzer sind verzweifelt, da sie glauben, dass es sich um Krebs handelt und ihr Liebling eingeschläfert werden muss. Glücklicherweise ist dies nicht der Fall, denn wie die meisten Tumore beim Meerschweinchen ist auch der Tumor des Kaudalorganes gutartig und erfolgreich zu operieren.