Kranke Hunde optimal begleiten

Neues Buch zeigt den Weg

„Liebe wirkt Wunder“ ist der Titel des neuesten Buches unserer Redakteurin Kerstin Piribauer. Es ist soeben erschienen und setzt sich in der schier unüberschaubaren Vielfalt der Literatur zur Mensch-Hund-Beziehung erstmals ausführlich und fundiert mit einer Thematik auseinander, die schlicht jeden Hundehalter während all der Jahre des Zusammenlebens mit seinem vierbeinigen Gefährten betrifft: Was tun, wenn der Partner auf vier Pfoten erkrankt ist? Das Buch widmet sich den fundamentalen Fragen um Leben und Gesundheit und erklärt, warum eine vernunftbasierte Herangehensweise an diese Thematik der zuverlässigste Garant dafür ist, dass wir am Ende nicht nur das Beste für unseren vierbeinigen Lebensgefährten tun wollten, sondern es auch tatsächlich getan haben!

Wir haben der Autorin einige Fragen zum Buch gestellt…

mein HAUSTIER: Liebe Kerstin Piribauer, worum geht es in Deinem neuen Buch, das soeben erschienen ist?

Kerstin Piribauer: Im Mittelpunkt steht die Fragestellung, wie wir unseren vierbeinigen Partner optimal begleiten und unterstützen können, wenn das Leben sich einmal nicht von seiner Sonnenseite zeigt und der Hund erkrankt ist. In dieser Situation ist Teamwork gefragt: Der vierbeinige Patient selbst, der behandelnde Tierarzt und wir selbst als Besitzer müssen optimal zusammenarbeiten, um die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Heilungsprozess oder die dauerhafte Begleitung durch eine chronische Erkrankung zu schaffen. Ob unser Hund die Chance auf ein lebenswertes Leben auch in Zeiten der Krankheit hat, hängt zu einem Großteil davon ab, wie wir selbst auf die Situation reagieren und mit den veränderten Gegebenheiten umgehen. Darüber hinaus geht es auch um die ethische Basis unserer Verantwortung, den vierbeinigen Familienmitgliedern auch bei schwerwiegenderen Erkrankungen die Chance auf Leben zu geben und eine bestmögliche medizinische Betreuung zukommen zu lassen. Und nicht zuletzt werden die biologischen Grundlagen thematisiert, die dieses Denken rechtfertigen: die biologische Ähnlichkeit zwischen Mensch und Hund, die sich nicht nur längst in vergleichbaren Therapiemöglichkeiten manifestiert, sondern für die auch Kognitionsbiologie und Hirnforschung immer wieder neue Belege finden. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe praktischer Tipps und Hinweise, die man nicht alltäglich im Internet findet: beispielsweise, wie wir uns optimal auf den anstehenden Tierarztbesuch vorbereiten oder wie wir unseren Hund rund um eine notwendige Operation begleiten und unterstützen können – und auch, wie wir dem unausweichlichen Ende des Lebens begegnen können: in stiller Übereinkunft mit dem geliebten Wesen an unserer Seite und in Frieden mit uns selbst.

Das klingt nach einer sehr umfassenden Betrachtung der Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Warum eine derart intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema?

Ich denke, dass mit dem heutigen Wissen der Lebenswissenschaften die menschliche Verantwortung andersartigem Leben gegenüber ganz allgemein ansteigt – und im Besonderen damit auch in diesem speziellen Aspekt der Mensch-Hund-Beziehung. Dieser Verantwortung sollten wir uns bewusst sein, und ich denke, da kann dieses Buch einen Beitrag leisten. Zudem könnte es eine Hilfestellung sein, sich mit weniger alltäglichen Themen, die vielen Menschen Unbehagen einflößen oder die man gern bei Seite schiebt, auseinanderzusetzen. Wir wissen heute viel über die Krankheitsrisiken, denen unsere Hunde ausgesetzt sind, denken wir beispielsweise nur an rassespezifische Prädispositionen für bestimmte Erkrankungen oder an die Tatsache, dass Krebs zu den häufigsten Todesursachen unserer Hunde gehört. Sich zu Zeiten eines unbelasteten Zusammenlebens zumindest ansatzweise ein wenig mit derartigen Themen zu befassen, kann einen unermesslichen praktischen Nutzen haben, wenn die konkrete Situation eintritt. Auch diese Auseinandersetzung ist ein Teil der Prävention, ähnlich wie die jährliche Vorsorge- oder Gesundenuntersuchung beim Tierarzt, die heute eigentlich selbstverständlich ist – oder sein sollte.

Das Buch vermittelt nicht nur aktuelles Wissen zu all diesen Themen, sondern zeugt auch von sehr viel Erfahrung in diesem Bereich…

Der Gedanke, dieses Buch zu schreiben, ist über einen sehr langen Zeitraum hinweg in mir gereift, Zeit, in der ich meine eigenen Hunde über Monate, zum Teil Jahre hinweg durch Krankheit und Therapie begleitet habe, und in der ich durch meine journalistische Arbeit mit vielen Hundehaltern Kontakt hatte und Gespräche führte, die in ähnlichen Situationen waren. Dabei habe ich oft Menschen getroffen, die ehrlich verzweifelt waren, die mit der notwendigen Pflege ihres Hundes oder der Gesamtsituation vor allem emotional überfordert schienen, bei denen die Angst im Vordergrund stand. Viele dieser Geschichten, die ich teils sehr nah miterlebte, unterschieden sich fundamental von meinen eigenen Erfahrungen in diesem Bereich, was zum einen eine Frage des persönlichen Zugangs zu diesen Themen ist, zum anderen eine der Unterstützung, die man in seinem Umfeld erfährt. Zum wichtigsten Umfeld gehören in dieser Situation natürlich neben dem Lebenspartner und engen Freunden ganz existentiell die behandelnden Tierärzte und die Klinik, der wir das Leben unseres Vierbeiners anvertrauen. Ich bin mir durchaus bewusst, welchen Luxus ich in diesem Punkt seit inzwischen über zehn Jahren an den Universitätskliniken der Veterinärmedizinischen Universität in Wien erlebe und bin noch heute bei jedem Besuch mit meinen Boxern an der Klinik unendlich dankbar für alles, was man uns dort bietet – und ich spreche dabei nicht nur von der fachlichen Expertise, sondern ebenso von der menschlichen Ebene und einer stets von Sachlichkeit und Empathie gleichermaßen getragenen Kommunikation. Ich weiß aber auch, dass man selbst sehr viel dazu beitragen kann und muss, um ein derartiges Vertrauensverhältnis aufzubauen. Hier bietet das Buch sicher eine ganze Reihe gedanklicher Ansätze, die dabei helfen können.

Dazu gehören auch Deine doch sehr entschieden wirkenden Einwände gegen Professor Google und Dr. Facebook?

Ja, auch das! Ehrlich gesagt: Die pseudomedizinischen Diskussionen haben in den sozialen Medien heute an manchen Stellen die Grenze des Erträglichen überschritten und sind in einigen Teilen eigentlich längst tierschutzrelevant. Keine Frage: Das Internet kann eine sinnvolle Unterstützung sein, wenn man beispielsweise einen spezialisierten Fachtierarzt sucht oder sich auf Quellensuche zu verschiedenen Fragestellungen begibt, aber es ersetzt kein Wissen, sondern setzt im Gegenteil gewisse Grundkenntnisse der Materie voraus, um den Wert und die Seriosität einzelner Informationen einordnen und unterscheiden zu können. Internet und soziale Medien dürfen das eigene Denkvermögen nicht ausschalten und individuell situationsbezogene und faktenbasierte Entscheidungen nicht ersetzen.

Faktenbasiert ist sicher ein Stichwort, das den Inhalt des Buches gut umschreibt. Steht der Titel „Liebe wirkt Wunder“ nicht ein wenig im Gegensatz zu diesem Anspruch?

Nein, überhaupt nicht! Das mag vielleicht auf den ersten Blick so scheinen, und ich hoffe, dass gerade das dann auch zum Nachdenken anregt. Es ist weder ein Gegensatz noch ein Widerspruch, was im Buch auch ausführlich erklärt wird. Ein von Liebe und Harmonie geprägtes Umfeld fördert nicht nur bei uns Menschen die Gesundheit, sondern genauso bei unseren Hunden. Im humanmedizinischen Bereich gibt es eine ganze Reihe sehr guter, aktueller Literatur zu diesen Zusammenhängen, und die biologischen Mechanismen, die dahinter stehen, sind bei unseren Hunden ganz ähnlich – womit wir wieder bei der anfangs bereits erwähnten Ähnlichkeit von Mensch und Tier sind. Wir sollten die Wirksamkeit liebevollen Verwöhnens nicht unterschätzen. Das kann beispielsweise nach einer Operation die Wundheilung beschleunigen und sogar den Bedarf an Schmerzmitteln senken. All das ist neurobiologisch erklärbar. Insofern sehe ich da überhaupt keinen Widerspruch, sondern verstehe es als eine ganzheitliche Herangehensweise an Fragen um Gesundheit und Wohlbefinden, die eben nicht „alternativ“ ist, sondern auf einem naturwissenschaftlichen Weltbild basiert – und den allgemein gültigen Naturgesetzen entspricht.

Was könnte der Leser Deiner Ansicht nach im Idealfall aus der Lektüre mitnehmen?

Ein gestärktes Bewusstsein um die eigene Verantwortung, Mut und Zuversicht! Ja, ich denke, das Buch kann und soll Mut machen und helfen, Ängste zu überwinden, die oft das größte Hindernis sind, Verantwortung zu leben. Wenn es uns gelingt, Angst durch eine von Zuversicht und Optimismus geprägte Haltung zu ersetzen, dann schaffen wir beste Voraussetzungen, unsere Hundepatienten optimal zu begleiten. Wenn man diese Haltung dann auch noch auf andere Bereiche des Lebens übertragen würde … aber das wäre dann schon ein Thema für ein anderes Buch …

Liebe Kerstin, herzlichen Dank für das Gespräch!

Interview geführt von Dr. Herta Puttner