Knoten in der Haut nicht ignorieren

Tierärztliche Abklärung nötig

Frauchen streichelt zu Hause am Abend ganz entspannt ihre achtjährige Golden Retriever Hündin Maja und spürt eine kleine Erhebung in der Haut – nur so groß wie eine Erbse. Der Hündin geht es gut, sehr gut sogar. Kann man den kleinen Knoten also getrost ignorieren? Eine gar nicht so einfach zu beantwortende Frage. Die zentrale Frage bei Zubildungen in der Haut ist nämlich, um was für eine Art von Knoten es sich handelt. Ist es nur eine Entzündungsreaktion oder handelt es sich um einen gutartigen oder gar um einen bösartigen Tumor? Generell empfehlen wir Tierärzte jede Form von Knoten tierärztlich abklären zu lassen. Wenn in den letzten Tagen vor der Entstehung eines Knotens ein Trauma oder ein Insektenstich als Auslöser in Frage kommt, dann kann man auch ein paar Tage abwarten, ob sich dieser von selbst wieder zurückbildet. Wenn der Knoten aber schnell wächst, stark gerötet ist oder deutliche Schmerzen verursacht, dann sollte dennoch ein Tierarzt konsultiert werden.

Probenentnahme zur Abklärung

Der zumeist erste Schritt in der Abklärung von Hautknoten nach der klinischen Untersuchung ist eine sogenannte Feinnadelaspiration. Dabei wird mit einer dünnen Nadel, ähnlich jener bei der Blutabnahme, in die Umfangsvermehrung gestochen und versucht, etwas Probenmaterial aus dieser zu lösen. Die zumeist vier bis sechs Stiche schmerzen die Patienten nicht und können normalerweise ohne eine Sedierung oder ähnlichem durchgeführt werden. Das gewonnene Material kann dann unter dem Mikroskop beurteilt werden und gibt einen sehr guten Hinweis, um welche Erkrankungsform es sich handelt. Wenn die Feinnadelaspiration zu keinem auswertbaren Ergebnis führt, dann sollte ein kleines Stück Haut für die Untersuchung entfernt werden. Hierfür gibt es viele unterschiedliche Techniken, und ihre Tierärztin wird jene Technik wählen, die für den Patienten am wenigsten belastend ist und gleichzeitig die höchste Wahrscheinlichkeit hat, zu einer Diagnose zu führen. Ob für diesen Eingriff dann eine Lokalanästhesie ausreicht oder eine Narkose notwendig ist, hängt nicht nur von der gewählten Technik ab, sondern auch vom Naturell des Tieres: Eine kleine Katze, die sich bei jedem Tierarztbesuch vor lauter Angst in einen angreifenden Tiger verwandelt, wird für eine einfache Biopsie die sonst unter Lokalanästhesie durchgeführt werden könnte, eine Narkose benötigen. Das ist sicherer für das anwesende Personal und die Katze und gewährleistet eine korrekte Probennahme.

Weiteres Vorgehen nach der Abklärung

Wenn die Untersuchungen gezeigt haben, dass es sich bei dem Knoten um einen gutartigen Tumor handelt, dann wird man diesen soweit wie möglich in Ruhe lassen. Handelt es sich jedoch um einen bösartigen Tumor, dann hängt die weitere Therapie von mehreren Faktoren ab: Und zwar davon, ob ein echter Hauttumor vorliegt, also ein von den Strukturen der Haut ausgehender Tumor, oder aber beispielsweise ein Blutzelltumor, der auch in der Haut sichtbar wird, oder ob es sich gar um eine Hautmetastase von einem anderen – noch nicht entdeckten – bösartigen Tumor handelt. Anhand der gewonnenen Proben lässt sich dies unterscheiden. Weitere Fragen sind folgende: Handelt es sich nur um einen einzelnen Knoten oder liegen mehrere Knoten über den ganzen Körper vor? Lässt sich der Knoten vollständig entfernen oder ist er bereits zu groß, um ihn zu entfernen? Denn an Stellen mit wenig Haut können schon kleine und mittelgroße Knoten eine Herausforderung darstellen, wenn nach der Entfernung das entstandene Loch wieder geschlossen werden muss. Gibt es Verwachsungen mit den umgebenden Strukturen oder wächst der Tumor zum Beispiel zwischen die Strukturen der Wirbelsäule und kann daher nicht entfernt werden? Kann man also problemlos operieren oder nicht? Wie aggressiv ist der Tumor? Aggressive Arten von Hauttumoren können in Lymph- oder Blutgefäße eindringen und sich über deren Bahnen im ganzen Körper verteilen und so zu Metastasen (Tochtergeschwülsten) führen. Wenn ein Tumor bereits metastasiert hat, muss man entscheiden, ob eine größere Operation für den Patienten noch einen Vorteil bringt oder mehr Belastung als Nutzen für das Tier darstellt.

Vorgehen bei aggressiven, metastasierenden Tumoren

Bei aggressiven, metastasierenden Tumoren sollte auch an eine Ganzkörpertherapie gedacht werden, zumeist eine Chemotherapie. Bei Verdacht auf derartige bösartige Tumoren wird deshalb auch immer eine Metastasen-Suche durchgeführt. Wie umfangreich diese sein sollte, hängt von der Art des Tumors ab und kann vom Lungenröntgen über den Bauchultraschall bis hin zu Computer- und Magnet-resonanztomographie reichen. Nuklearmedizinische Untersuchungen werden nur in Spezialfällen angewendet. Der zentrale Teil der Therapie bei einem Hautknoten wird fast immer eine chirurgische Entfernung sein. Bei Hauttumoren, die unfühlbare Ausläufer in ihre Umgebung ausbilden können, wird vor dem Eingriff noch eine Computertomographie durchgeführt, um die gesamte Ausdehnung erkennen zu können. Denn wenn Teile dieser Ausläufer in der anscheinend gesunden Haut zurückbleiben, entstehen dort nach kurzer Zeit neue Tumorknoten und das Problem wurde nicht gelöst, sondern noch verkompliziert. Nach der Entfernung ist es daher auch unerlässlich, dass der Tumor an einem pathologischen Institut untersucht wird, damit dort einerseits die Aggressivität beurteilt und andererseits die vollständige Entfernung bestätigt wird.

Wenn der Tumor nicht ganz entfernt wurde

Sollte trotz sorgfältiger Planung der Fall eintreten, dass nicht der gesamte Tumor entfernt werden konnte, dann muss entweder nochmals operiert werden, oder wenn dies nicht mehr möglich ist, eine Bestrahlungstherapie überlegt werden. Bestrahlungen sind bei vielen Hauttumoren eine gute Möglichkeit, das Wiederauftreten des Tumors deutlich zu verzögern oder zu verhindern. Wichtig ist, dass eine Bestrahlungstherapie vor allem dann erfolgreich ist, wenn sie möglichst kurz nach der Operation durchgeführt wird und nicht erst dann, wenn wieder ein großer neuer Knoten tastbar ist. Leider ist Bestrahlungstherapie nicht überall verfügbar – in Österreich können nur an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien Bestrahlungen bei Tieren durchgeführt werden und sind mit einem erhöhten Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Um einen guten Erfolg zu erzielen, müssen bei den meisten Anwendungen 14-16 Einzelbestrahlungen jeweils in Kurznarkose im Zeitraum von drei Wochen durchgeführt werden. Für ansonsten gesunde Hunde und Katzen stellt dies aber kein Problem dar. Chemotherapien oder ähnliche Therapieformen werden von den vierbeinigen Patienten zumeist gut vertragen und laufen fast immer ohne Nebenwirkungen ab. Ihr Ziel ist es, die verbleibende Lebensspanne der betroffenen Hunde und Katzen zu verlängern. Im Vordergrund steht bei solchen Patienten immer die Lebensqualität, die durch die Therapie wieder hergestellt und auf keinen Fall verschlechtert werden soll. Sie sind aber fast immer nur Begleittherapie für fortgeschrittene Stadien der Tumorerkrankungen oder aggressive Tumorvarianten.

Wenn sich bei einem Hund oder einer Katze ein Knoten in der Haut bildet, dann sollte man mit dem Tierarztbesuch nicht zu lange warten und den möglichen Bösewicht auch nicht nur bei seinem Wachstum beobachten. Frühzeitiges Erkennen von bösartigen Tumoren erleichtert deren Entfernung und verbessert dadurch die Chance auf Heilung. Und bei Maja? Die Besitzerin hat sich entschieden, zum Tierarzt zu gehen. Dort wurde ein wenig bösartiger Mastzelltumor diagnostiziert und entfernt. Bei dieser Form des häufigsten Hauttumors des Hundes reicht meist eine einfache chirurgische Entfernung, und das war auch bei Maja der Fall.

Dr. med. vet.
Maximilian Pagitz

Klinische Abteilung für Interne Medizin
Department für Kleintiere und Pferde
Veterinärmedizinische Universität Wien