Kinderkrankheiten bei Hund und Katze

kinderkrankheiten_bei_hund_und_katzeJunge Hunde und Kätzchen kommen meist mit acht bis neun Wochen zu ihren neuen Besitzern. Im Idealfall stammen sie vom seriösen Züchter, häufiger jedoch aus Tierhandlungen oder sie wurden übers Internet erworben. Kätzchen stammen auch oft vom Bauernhof. Häufig kommt es dann gleich in den ersten Tagen im neuen Zuhause zu gesundheitlichen Problemen. Bei Hundekindern treten drei Probleme besonders häufig auf: Futtermittelunverträglichkeit, Endoparasiten und Parvovirose.

Falsche Fütterung

Dass das neue vierbeinige Familienmitglied das Futter nicht verträgt, beruht häufig darauf, dass die frischgebackenen Herrchen und Frauchen nicht nur nicht wissen, womit der Welpe vorher gefüttert wurde, sondern ihnen auch das notwendige Wissen über die Ernährung junger Hunde fehlt. Heftige Durchfälle bis hin zur Austrocknung können die Folge einer abrupten Futterumstellung oder falscher Ernährung sein.

Gefährliche Parasiten

Ein großes Problem bei jungen Hunden ist der Befall mit Darmparasiten. Viele Welpen wurden beim Züchter oder Händler nicht ausreichend entwurmt und leiden deswegen unter Durchfall und bleiben in der Entwicklung zurück. So sind siebzig Prozent aller Welpen und Junghunde von Giardien befallen. Diese Parasiten sind Einzeller, deren Vermehrung durch einfache Zweiteilung erfolgt, weshalb rasch ein explosionsartiges Ausmaß erreicht werden kann. Giardien verursachen eine heftige Darmentzündung mit monatelang anhaltendem Durchfall. Auch Spulwurmbefall ist nach wie vor sehr verbreitet; kein Wunder, können die Welpen doch schon im Mutterleib angesteckt werden. Es ist unumgänglich, dass die Hundekinder ab dem Wechsel zum neuen Besitzer bis zum Ende des ersten Lebensjahres noch mindestens viermal entwurmt werden.

Lebensgefährlich: Die Parvovirose

Vor allem in Ostösterreich ist die Parvovirose ein großes Problem – verursacht auch durch die oft illegalen Importe aus den umliegenden Ostländern. Da die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit drei bis sieben Tage beträgt, wird oft ein scheinbar gesundes Tier gekauft, die Krankheit bricht dann erst beim neuen Besitzer aus. Ein weiterer Grund für das häufige Auftreten der Parvovirose ist, dass auch bei Welpen von seriösen Züchtern die Grundimmunisierung noch nicht abgeschlossen ist und der Stress der Umstellung die Empfänglichkeit für Viren erhöht. Der Verlauf der Parvovirose ist schnell und heftig. Der massive Durchfall lässt die Tiere schnell austrocknen, der Zustand wird innerhalb von 24 Stunden sehr ernst. Rasche tierärztliche Hilfe – am besten mit stationärer Aufnahme in einer Klinik – ist nötig. Künstliche Ernährung über zehn Tage sowie Blut- und Eiweißtransfusionen verursachen hohe Kosten. Trotzdem beträgt die Sterblichkeitsrate noch immer zehn Prozent. Die meisten Parvovirosefälle finden sich im Alter von acht bis zwölf Wochen.

Staupe, ansteckende Leberentzündung und Leptospirose

Diese klassischen Junghund-Erkrankungen sind derzeit in Österreich selten. Wenn Sie aber doch auftreten, dann meist im Alter von drei bis acht Monaten. Nach einer überstandenen Staupe bleiben die betroffenen Hunde empfindlich und kränkelnd; ihr Immunsystem ist durch die Staupe lebenslang geschwächt.

Bei Beschwerden immer sofort zum Tierarzt

Schon bei den geringsten Veränderungen des jungen Hundes soll der Tierarzt aufgesucht werden. Denn Jungtiere haben noch keine Reserven und erreichen schnell ihre körperlichen Grenzen. Dies bedeutet, dass Krankheiten bei Tierkindern viel rasanter verlaufen als bei erwachsenen Vierbeinern.

Junge Hunde stärker unfallgefährdet

Genau wie Menschenkinder sind auch Hundekinder im Straßenverkehr besonders gefährdet. Der Grund dafür: Sie können weder die Entfernung noch die Geschwindigkeit eines herannahenden Autos abschätzen noch erkennen sie das Auto als Hindernis an. Auch Fensterstürze sind bei jungen Hunden viel häufiger als bei erwachsenen Vierbeinern. Kieferverletzungen sind die häufige Folge. Oft wirken Tiere nach Fensterstürzen oder Autounfällen auch so, als ob nichts passiert wäre. Trotzdem sollte innerhalb von zwölf Stunden der Tierarzt aufgesucht werden, da in diesem Zeitraum Atembeschwerden durch Lungenprellungen auftreten können. Das betroffene Tier benötigt dann Infusionen, eventuell sogar den Sauerstoffkäfig, Schmerzmittel und Kreislaufstabilisierung. Auch wenn durch den Sturz Luft aus der Lunge in den Brustkorb ausgetreten ist (Pneumothorax), zeigt sich dies erst nach einigen Stunden. Nach Autounfällen und Fensterstürzen also immer möglichst schnell den Tierarzt aufsuchen – auch wenn es so aussieht, als ob nichts passiert wäre.

Woran Kätzchen leiden

Bei Kätzchen spielt es eine große Rolle, woher sie kommen, ob sie Freigänger waren und ob sie vorher schon einmal geimpft wurden. Freigänger-Welpen, z.B. vom Bauernhof, sind meist stärker von Darmparasiten befallen und leiden öfter am Katzenschnupfenkomplex als Welpen von in der Wohnung gehaltenen Katzenmüttern.

Möglichst früh entwurmen

Genau wie junge Hunde leiden auch Kätzchen unter Spulwürmern und müssen mehrmals entwurmt werden. Auch junge Katzen sind häufig von Giardien befallen. Diese sind jedoch bei Samtpfoten deutlich schlechter behandelbar als beim Hund. Es kommt häufig zu einem Rückfall, die jungen Katzen werden die Giardien nicht los. Immer wiederkehrende Durchfälle sind die Folge.

Gefährliche Viruserkrankungen

Parvovirose (Katzenseuche) ist auch für Kätzchen lebensbedrohend. Die meisten Fälle treten im Alter von acht bis sechzehn Wochen auf. Leider verläuft die Katzenseuche in 50 Prozent der Fälle tödlich. Die von Katzenhaltern sehr gefürchtete FIP-Erkrankung (Feline Infektiöse Peritonitis oder Bauchwassersucht) bricht vor allem bei Katzenkindern im Alter von vier bis zwölf Monaten aus. Es zeigt sich der typische Wasserbauch, die Tierchen magern ab, obwohl sie fressen und sie sehen mit ihrem struppigen Fell sehr krank aus. Auch heute noch endet eine ausgebrochene FIP-Erkrankung in der Regel tödlich. Überaus ansteckend ist der Katzenschnupfen-Komplex. Wegen der schmerzhaften Geschwüre im Bereich der Zunge und des Mauls hören die kleinen Samtpfoten auf zu fressen. Die Überlebensrate ist bei Katzenschnupfen zwar hoch, jedoch ist eine sehr intensive Behandlung über einen längeren Zeitraum nötig.

Achtung Waschmaschine

Halbgefüllte Waschmaschinen sind ein großer Anziehungspunkt für Kätzchen – lieben diese doch die warme, dunkle Geborgenheit im Inneren der Maschine. So passiert es leider immer wieder, dass Samtpfoten zumindest kurz mitgewaschen werden. Wenn die Kätzchen dies überleben, sind schwere Lungenentzündungen und Verätzungen durch Waschmittel die Folge. Daher die Türe der Waschmaschine niemals offen stehen lassen und vor dem Einschalten immer kontrollieren, wo die Katze ist.

Andere Unfälle

Fensterstürze sind bei Katzenkindern noch häufiger als bei Hundekindern; die Verletzungen sind ähnlich und für die Lungenprellung gilt dasselbe wie für den Hund. Geöffnete Kippfenster müssen immer gesichert werden. Junge Katzen sollten nicht mit Schnüren, Wollfäden u.s.w. spielen, da diese nach dem Geschlucktwerden als strangförmige Fremdkörper im Darm liegen und durch eine nicht ungefährliche Operation entfernt werden müssen. Wohnungskatzen sind auch durch Zimmerpflanzen sehr gefährdet, da viele davon für Samtpfoten giftig sind.