Kehlkopflähmung beim älteren Hund

Bei Leistungsschwäche nicht nur ans Herz denken

Wer kennt ihn nicht – den älteren Hund, der nicht mehr so viel Bewegung machen kann und möchte wie ein junger! Wir denken in so einem Fall an Gelenksprobleme, eine Herzschwäche oder einfach an eine allgemeine Alterserscheinung, doch gerade bei älteren Hunden größerer Rassen kommt eine Erkrankung in Betracht, die zu starker Leistungsintoleranz führen kann: die Kehlkopflähmung (Larynxparalyse).

Meistens sind es Vertreter mittelgroßer bis größerer Hunderassen wie Golden oder Labrador Retriever, Irish Setter oder ähnliche, bei denen zunächst nur etwas lautere Atemgeräusche auffallen. Häufig hecheln die Hunde vermehrt und möchten sich weniger bewegen, sie sind müder. Im Frühjahr oder Sommer, beim Anstieg der Außentemperaturen, kommt es dann zu einer starken Verschlimmerung der klinischen Symptomatik – die Atmung wird noch lauter und macht eben auch in Ruhe schon starke Mühe, körperliche Bewegung wird komplett vermieden, und schließlich kann die Atemnot so schlimm werden, dass die Tiere kollabieren.

Die Ursache für diese klinischen Anzeichen ist eine fortschreitende Degeneration des peripheren Nervengewebes, eine sogenannte Polyneuropathie, sie wird seit einiger Zeit GOLPP (geriatric onset laryngeal paralysis polyneuropathy) genannt. Diese tritt eigentlich in allen Nerven des Körpers auf, wird aber im Bereich des Kehlkopfes als eine der ersten Lokalisationen auffällig. Eine beginnende allgemeine Muskelschwäche hingegen ist für die Lebensqualität primär nicht so stark einschränkend, wodurch sie sowohl vom Hund als auch vom Besitzer weniger wahrgenommen wird.

Die Kehlkopfmuskulatur hat beim gesunden Hund wichtige Funktionen: Die äußere, extrinsische Kehlkopfmuskulatur zieht beim Schlucken den Kehlkopf nach vorne, während die innere, intrinsische Kehlkopfmuskulatur die Stimmritze beim Lautgeben (Bellen, Winseln) verengt und bei der Atmung erweitert. Durch die Lähmung der Kehlkopfnerven kommt es zu einem vollständigen Funktionsausfall der Kehlkopfmuskulatur: Das Schlucken fällt schwer – es kommt zum Fehlschlucken; die Stimme wird heiser, und das Einatmen wird schwieriger, weil die Stimmritze bei der Einatmung immer weniger geöffnet wird und schließlich bei einer kompletten Kehlkopflähmung bei der Einatmung unbeweglich bleibt und nicht mehr erweitert werden kann.

Welche Behandlung ist möglich

Ist das Geschehen Teil oder Folge einer zu Grunde liegenden Erkrankung wie einer Unterfunktion der Schilddrüse oder eines Tumors, kann eine ursächliche Therapie (Behandlung der Schilddrüse, Operation des Tumors) erfolgreich sein. In vielen Fällen ist aber eine ursächliche Behandlung nicht möglich, und der Funktionsausfall des Nervengewebes kann nicht gestoppt oder verlangsamt werden. In solchen Fällen kann die chirurgische Wiederherstellung der Kehlkopföffnung zu einer Wiederherstellung der Lebensqualität führen.

Was der Tierarzt macht

In vielen Fällen ist schon der Vorbericht für den Tierarzt sehr aufschlussreich: Das Auftreten von fortschreitender Leistungsschwäche und Atemnot mit besonderer Brisanz bei warmem und feuchtem Wetter bei einem mittelgroßen bis großen Hund deuten auf die Atemerkrankung hin. Ist der Patient in einem instabilen Allgemeinzustand, also in starker Atemnot oder überhitzt, wird er zunächst gekühlt, mit einem leichten Beruhigungsmittel behandelt, und der Kreislauf stabilisiert. Bei Bedarf werden Voruntersuchungen wie ein Röntgen vom Brustkorb und ein Blutlabor angefertigt, auch um andere zugrunde liegende Erkrankungen auszuschließen. Dann wird der Patient oberflächlich anästhesiert und eine Untersuchung der oberen Atemwege vorgenommen. Rachen, Kehlkopf und Luftröhre werden idealerweise mit Hilfe eines Endoskops betrachtet. Hier zeigt sich dann bei betroffenen Hunden eine starke Verminderung der Kehlkopfmotorik – bis hin zum kompletten Ausfall. Idealerweise wird eine Operation in derselben Narkose vorgenommen, um eine wiederholte Aufwachphase beim schlecht atmenden Hund zu vermeiden. Für die Operation kommen individuell mehrere Methoden in Betracht. Meist wird jedoch mittels einer Zügelnaht die Stimmritze einseitig in eine halboffene oder offene Position gebracht, um die Atmung zu gewährleisten und gleichzeitig ein Fehlschlucken zu vermeiden. Der schonende Umgang mit dem Gewebe ist dabei von großer Wichtigkeit, um die langfristige Funktion der umliegenden Muskeln nicht zu gefährden.

Nach der Operation wird der Patient engmaschig überwacht, um ein optimales Aufwachen aus der Narkose zu gewährleisten. Die Hunde bekommen für einige Tage Schmerzmittel und sollten etwa ein Monat lang feuchtes Futter fressen, das sie leicht schlucken können. Außerdem sollten sie ein Brustgeschirr statt eines Halsbandes tragen und für etwa 3-4 Wochen nur kurze Spaziergänge an der Leine machen. Orthopädische Probleme können in Folge etwas häufiger bemerkbar werden, vor allem, weil die Hunde sich wieder mehr bewegen wollen!

Was man von der Operationerwarten kann

Obwohl leider eine ursächliche Heilung der Kehlkopflähmung nicht möglich ist, wird mit der Operation die Lebensqualität des Hundes doch stark verbessert. In einer Studie sprechen 90% der Besitzer von einer starken Verbesserung der Lebensqualität, und in einer weiteren, neueren Studie aus dem Jahr 2016 wurde die Lebensqualität der Hunde auf einer Skala von 1-10 bewertet, sie war nach der Operation um durchschnittlich 4 Punkte gestiegen.

Natürlich kann es auch nach der Operation noch Komplikationen geben: Die Lungenentzündung durch Fehlschlucken ist die häufigste, sie kann noch lange Zeit (länger als ein Jahr) nach der Operation auftreten. Glücklicherweise ist sie im Allgemeinen mittels Antibiotika gut behandelbar, der Tierbesitzer sollte allerdings auf mögliche Symptome (Husten, Mattigkeit, Fieber) achten. Generell steigt die Chance auf Komplikationen, je weiter die neurologische Degeneration bereits fortgeschritten ist beziehungsweise weiter fortschreitet. In der Regel geschieht dies aber langsam, operierte Hunde erreichen laut einer Studie eine Überlebenszeit von drei bis fünf Jahren bei guter Lebensqualität!

Ganz selten ist eine einseitige Operation nicht ausreichend und die andere Seite des Kehlkopfes muss auch operiert werden. Generell kann man aber von einem erfolgreichen kurzen chirurgischen Eingriff ausgehen, der die Lebensqualität und die Lebensfreude des Hundes wiederherstellt und trotz des oft fortgeschrittenen Alters der betroffenen Patienten empfohlen werden kann.

Dr.med.vet. Lea Liehmann
Dipl. ECVS
Europäische Fachtierärztin für Kleintierchirurgie
Kleintierchirurgie, Department für Kleintiere und Pferde Vetmeduni Wien