Katzenschnupfen ernst nehmen

Todesfälle bei Jungtieren häufig

Beim Menschen ist Schnupfen meist eine harmlose und schnell vorübergehende Störung des Wohlbefindens. Daher glauben viele Katzenbesitzer, dass auch der Schnupfen ihrer Samtpfote ungefährlich sei. Das stimmt jedoch nicht: Bei Katzen weisen die rinnende Nase und die tränenden Augen auf eine ernsthafte Erkrankung hin; junge Kätzchen können an Katzenschnupfen sterben, erwachsene Samtpfoten ein Leben lang darunter leiden.

Auch Paulis Frauchen hatte die rinnende Nase und die verklebten Augen ihres kleinen Katers zuerst nicht wirklich ernst genommen. Erst als Pauli kaum noch Luft bekam und mit weit geöffnetem Mäulchen nach Luft rang, suchte sie den Tierarzt auf. Aus Paulis Nase und Augen quoll eitriger Ausfluss, das Fell im Katzengesichtchen und an den Pfoten war verklebt und immer wieder schüttelten heftige Nießanfälle den kleinen Körper. Das Innere des Mäulchens und die Zunge waren von schmerzhaften Geschwüren bedeckt – kein Wunder, dass der kleine Kater das Futter verweigerte. Der Tierarzt stellte auch noch hohes Fieber fest und diagnostizierte „Katzenschnupfen“.

Herpesviren bestimmen Schwere der Erkrankung

Die Erreger des Katzenschnupfens sind Herpes- und Caliciviren, die in letzter Zeit besonders gefährliche Stämme entwickelt haben und so oft zum Tod der betroffenen Tiere führen. Vor allem Herpesviren sind dafür verantwortlich, wie schwer die Erkrankung verläuft. Denn sie verursachen Augen- und Nasenausfluss, geschwürige Entzündungen der Hornhaut, Speicheln, Nießen und Fieber. Die Geschwüre im Maul werden vorwiegend von Caliciviren hervorgerufen. Ohne Behandlung kann der Katzenschnupfen bei erwachsenen Tieren wochenlang dauern und bei Jungtieren zum Tod führen. Die Viren verursachen schließlich schwere Lungenentzündungen und erreichen über den Blutweg schlussendlich Magen und Darm. Erbrechen und Durchfälle führen zur Austrocknung und bald zum Tod.

Herpes auch bei Tieren sehr ansteckend

Die Ausscheidung der Erreger erfolgt hauptsächlich über den Speichel und über Augen- und Nasenausfluss. Die Ansteckung erfolgt großteils durch direkten Kontakt mit kranken Tieren, aber auch durch Tröpfcheninfektion: Beim Nießen werden Herpesviren bis zu eineinhalb Meter weit hinausgeschleudert. Aber auch eine indirekte Ansteckung über verseuchte Gegenstände wie Futternäpfe oder Käfige ist möglich. Ungewaschene Hände spielen bei der Übertragung des Katzenschnupfens ebenfalls eine Rolle.

Stress aktiviert Herpesviren

80 Prozent der Samtpfoten, die eine Katzenschnupfeninfektion überstanden haben, beherbergen das Katzen-Herpesvirus lebenslang in ihren Nervenzellen. Erwachsene Katzen, die Herpesvirus-Träger sind, können über lange Zeiträume symptomlos bleiben. Aber ähnlich wie das Fieberblasen-Herpesvirus des Menschen wird auch das Katzen-Herpesvirus bei Belastungen und Stress wieder aktiv und die Tiere leiden erneut unter heftigen Augenentzündungen und eitrigem Schnupfen. In schweren Fällen kann es zu Hornhautgeschwüren und sogar Erblindung kommen. Da Katzen sehr sensible Tiere sind, kommen als Stressfaktoren viele, auch eher harmlose Änderungen infrage: So wird bereits Unruhe im Alltag, zum Beispiel durch Handwerker oder Gäste, als Stress empfunden. Auch ein Umzug oder die Teilnahme an einer Katzenausstellung oder ein vorübergehender Aufenthalt in einer Tierpension führt häufig zum erneuten Ausbruch der Krankheit. Für Katzenwelpen, die oft schon innerhalb der ersten zwei Lebenswochen von ihrer virustragenden Mutter infiziert wurden, bedeutet dann die Trennung von Mutter und Geschwistern und der Umzug ins neue Heim so viel Stress, dass die Krankheit ausbricht.

Ansteckung durch scheinbar gesunde Tiere

Nicht alle virustragenden Katzen, bei denen es durch Stress zur Reaktivierung von Herpesviren kommt, erkranken sichtbar. Sie zeigen keinerlei Symptome, scheiden aber trotzdem Viren aus und stecken dann besonders viele andere Katzen an.

Pflichtimpfung – auch für Stubenkatzen

Ebenso wie die Impfung gegen Katzenseuche ist auch die Impfung gegen Katzenschnupfen eine Pflichtimpfung und kann als Kombinationsimpfung gegen beide Erkrankungen verabreicht werden.