Katzen-Kindergarten im Trend

Junge Kätzchen lernen gern

Der Katzen-Kindergarten ist nicht notwendigerweise nur ein Ort, den man mit seinem Kätzchen besucht, sondern er vermittelt auch eine Philosophie – die Veränderung der Grundeinstellung zur Katze! Hielt sich bis vor kurzen hartnäckig die Meinung, dass Katzen dem Lernen abgeneigt und unerziehbar seien, so weiß man es heute besser.

Denn:

  • Katzen lernen ausgesprochen schnell und gerne
  • Katzen kann man erziehen
  • Katzen brauchen unbedingt Erziehung, um mit uns Menschen entspannt   und problemfrei zusammen zu leben.

Das Ziel des Katzen-Kindergartens sind Katzen, die gelernt haben ihre Wünsche verständlich mitzuteilen und die nicht neben, sondern mit Menschen harmonisch und stressfrei leben.

Katzenerziehung beginnt schon in der Kinderstube!

Die frühe Jugendentwicklung von Kitten verläuft sehr schnell – innerhalb weniger Wochen ist aus dem hilflosen blinden Kätzchen ein kleines agiles Raubtier geworden, das vor allem eines im Sinn hat: mir, meins, alles mein und zwar jetzt sofort!

Die Toleranz und das Vertrauen in das große Raubtier Mensch muss ein Kitten lernen, sobald es die Augen und Ohren öffnet. Nur in dieser Lebensphase lernt eine junge Katze, dass Menschen Freunde sind und dass sie nicht gefressen werden, wenn sie hochgehoben, festgehalten oder untersucht werden. Somit ist die wichtigste Voraussetzung für eine entspannte Mensch-Katze-Beziehung, sich nach dem Grundsatz „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ frühzeitig nach einem passenden Kitten umzusehen, das einen immerhin oft an die 20 Jahre begleiten wird.

Kitten sollten bis zur 12. Woche bei ihrer Mutter und Geschwistern bleiben können. Je mehr sie in diesen ersten Wochen erleben und erfahren dürfen, desto besser ist es: Verschiedene Menschen und auch Kinder, Futterarten, Spielsachen, Katzenstreu, Gerüche, Geräusche und Aktivitäten … fröhliche Erlebnisse sind extrem wichtig!

Erziehung ab dem ersten Tag im neuen Zuhause

Junge Katzen lassen sich sehr gut erziehen – sie sind lernfreudig, offen für Neues und bringen bei entsprechender früher Sozialisierung auf den Menschen auch ein gewisses Grundvertrauen mit.

Das bedeutet nicht, dass sich ältere Katzen nicht mehr erziehen lassen, aber sie haben unter Umständen schon umfassende Lebenserfahrung, mit der sie gewisse Dinge in Frage stellen oder misstrauisch werden.

Zwei einfache Grundübungen im Katzen-Kindergarten

Die ersten beiden Grundübungen bringen einer Katze nicht nur praktische Dinge bei, sondern vermitteln dem Kätzchen auch, wie das Lernen vom Menschen funktioniert. Ohne diesen frühen Einstieg in die Erziehung lernen Kitten zwar genauso schnell, aber nicht das von uns Gewünschte – bald sind wir Menschen rechts überholt, und die Jungkatze weiß, welche Unart sie am schnellsten zum Ziel bringt.

Targetübungen sollen Unarten ersetzen

Das Sitzplatz-Target: Das Kitten bekommt einen Karton oder eine kleine Decke am Boden angeboten und sobald es sich hinein- oder darauf setzt, kommen der Zungenclick (mit der Zunge oder den Lippen ein Geräusch machen) und eine tolle Belohnung. Aus dem Sitzplatz-Target kann die Wunschkiste werden: Wann immer eine junge Katze etwas möchte – ihre normale Mahlzeit, ein Spiel, Streicheln, in den Garten gehen – lädt man sie ein, zuvor im Sitzplatz-Target Platz zu nehmen. Befolgt sie die Aufforderung, bekommt sie als Belohnung ihren Wunsch erfüllt. Mit der Zeit, ausreichend Wiederholungen und Aufmerksamkeit von uns Menschen lernt die Katze, dass ihre Bedürfnisse und Wünsche erfüllt werden, wenn sie still an ihrem Platz sitzt. So vermeidet man, dass sich Katzen Unarten wie Kratzen, ständiges Miauen oder anderen Unfug angewöhnen, nur um die Aufmerksamkeit zu bekommen.

Das Nasen-Target: Das Kitten soll den angebotenen Zeigefinger mit der Nase berühren und bekommt einen leisen Zungenclick und sofort einen kleinen Leckerbissen oder ein kurzes fetziges Spiel als Belohnung. Mit der Zeit kann der Abstand zwischen Finger und Nase vergrößert werden, sodass der Finger auch zum Heranrufen angeboten werden kann.

Dipl. Tierärztin Sabine Schroll
Praxis für Katzenmedizin
Verhaltensmedizin für Hund und Katze
www.schroll.at