Katzen gegen Infektionskrankheiten schützen

Impfung bedeutet Risiko minimieren

Impfungen gegen Infektionskrankheiten stehen immer öfter zur Diskussion – ob sie überhaupt so oft notwendig sind, und nachteilige Wirkungen für die Katze sollen sie auch haben. Tierärzten wird sogar immer wieder einmal unterstellt, sie impften nur damit die Registrierkasse klingelt. Da sich der Wissensstand ändert und Impfungen sinnvoll an Faktoren wie Alter, Lebensstil und Risikogruppe der Katze angepasst werden, ist eine individuelle Entscheidung beim jährlichen Gesundheits-Check die beste Lösung.
Impfungen sind irgendwie mit Versicherungen zu vergleichen –so lange man sie nicht braucht, merkt man nichts davon, außer dass sie etwas kosten. Erst wenn ein Schaden eintritt, merkt man es schmerzlich, wenn man keine hat.
Es geht also immer auch um das Risiko-Management und zwar um den Schweregrad des zu erwartenden Schadens, die Wahrscheinlichkeit, dass er eintritt und um welchen Preis und Aufwand kann dieses Risiko minimiert werden.

Vorbeugen ist immer besser!

Ganz oben auf der Liste steht nach wie vor die Panleukopenie oder Katzenseuche, eine hoch akut und meistens tödlich verlaufende Magen-Darm-Erkrankung. Junge Katzen sind an der Katzenseuche oft schon gestorben, bevor man überhaupt noch bemerkt hat, dass sie krank sind. Insgesamt ist die Katzenseuche durch die Impfung selten geworden, aber in großen Katzengruppen oder im Tierheim, wo viele Katzen unterschiedlichster Herkunft zusammentreffen, ist die Katzenseuche immer noch ein trauriges Alltagsthema. Der Preis eines eintretenden Schadens ist für die Katze maximal, weil tödlich, die Wahrscheinlichkeit hängt vom Alter und Lebensstil der Katze ab und reicht von gering bis maximal, der Preis ist niedrig.
Daraus folgt, dass die Impfung gegen Katzenseuche (meistens das P im Impfstoffnamen) unbedingt wie auch in den aktuellen Leitlinien angegeben, zu den sogenannten Core-Impfungen für alle Katzen gehört!

Ein Komplex von verschiedenen Infektionen ist der Katzenschnupfen – hoch ansteckend und mit einer Bandbreite von eher mildem Verlauf bis zu tödlichen Erkrankungen. Ein großes Pro-blem beim Katzenschnupfen-Komplex sind die häufig persistierenden Infektionen – die unter Stressbelastung jederzeit wieder aktiv werden können und auch an chronischen Entzündungen in der Mundhöhle beteiligt sein können.
Sowohl der Schaden wie auch die Wahrscheinlichkeit des Eintretens sind relativ groß, der Aufwand, die Katze zu schützen ist gering. Die Impfung gegen Katzenschnupfen (typisch das RC für Rhinotracheitis und Calici) erfolgt üblicherweise im Kombination mit der Katzenseuche und zählt auch zu den verpflichtenden oder Core-Impfungen für alle Katzen.
Die Grundimmunisierung besteht aus drei Teilimpfungen bis zur 20. Woche und nach einem Jahr. Danach sind Auffrischungsimpfungen je nach Lebensstil und Risiko alle ein bis drei Jahre nötig.

Gegen Leukose oder FeLV-Infektion, eine heimtückische und so gut wie immer tödlich verlaufende Seuche, können Katzen durch Impfung erfolgreich geschützt werden. Von Leukose sind vorrangig Katzen mit Freilauf und Kontakt zu anderen Katzen betroffen – leider können auch gesund wirkende Katzen das Virus in sich tragen und andere Katzen anstecken. Junge Katzen sind wesentlich anfälliger, mit dem Alter sinkt das Risiko einer Infektion. Der Schaden für die Katze ist meistens maximal; nur selten gibt es Katzen, die das Virus dauerhaft eliminieren können. Für Freigänger-Katzen ist das Risiko unberechenbar, weil ihre Kontakte unbekannt sind. Die Impfung gegen die FeLV-Infektion (das L oder FeLV) ist somit für Freigänger-Katzen wichtig. Die Grundimmunisierung erfolgt auch mit zwei Teilimpfungen im Abstand von vier Wochen und rund einem Jahr. Danach werden aktuell Auffrischungsimpfungen alle drei Jahre empfohlen. Katzen mit unbekanntem Virusstatus sollten vor einer Impfung getestet werden, weil die Impfung einer bereits infizierten Katze nichts mehr nützt.

Tollwut nimmt bei den Impfungen eine Sonderstellung ein, weil sie als einzige auch gesetzlich geregelt ist. Katzen, bei denen ein Tollwut-Verdacht besteht, müssen derzeit getötet werden!
Der Schaden einer Tollwutinfektion ist maximal – nicht nur, dass die Krankheit immer tödlich verläuft oder die Katze getötet werden muss, besteht im Gegensatz zu den anderen Infektionen auch eine tödliche Gefahr für den Menschen! Für die Freigänger-Katze besteht grundsätzlich eine Ansteckungsmöglichkeit, obwohl Österreich derzeit einen tollwutfreien Status hat. Für die Grundimmunisierung gegen Tollwut ist eine Impfung ausreichend, eine zweite Impfung nach vier Wochen kann dennoch sinnvoll sein.

Generell gilt, dass insgesamt die Risiko-Abschätzung einer Impfung – wie groß wäre der Schaden durch Erkrankung, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eintritt und wie hoch sind die Kosten im Sinne von Nebenwirkungen – immer für jede Katze individuell zu erstellen ist. Durch den Einsatz von Impfstoffen, die dem Lebensstil der Katze angepasst sind und in der richtigen Technik an den richtigen Stellen injiziert werden, überwiegt der Nutzen einer Impfung allemal das geringe Risiko von Nebenwirkungen.

Dipl. Tierärztin Sabine Schroll
Praxis für Katzenmedizin
Verhaltensmedizin für Hund und Katze
www.schroll.at