Ich wollt´ ich hätt´ ein Huhn…

Private Hühnerhaltung immer beliebter

Die Geschichte der Menschwerdung geht mit der Vogelhaltung einher, und so wurden Hühner schon vor 3500 Jahren domestiziert. In den letzten Jahren kann man einen Trend zur Selbstversorgung und damit auch zur eigenen Hühnerschar im Garten beobachten.

Nicht nur die Eier aus dem eigenen Haus, sondern auch das liebenswerte Wesen und interessante Verhalten von Hühnern machen sie zu durchaus netten Mitbewohnern und Haustieren. Sogar als Therapietiere werden unsere gefiederten Freunde eingesetzt. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Hühner beliebte Haustiere sind. Als verantwortungsvoller Tierbesitzer muss man sich jedoch einige Fragen stellen: Wie kann man seine Hühner gesund erhalten, worauf muss man achten? Was kann man tun, wenn trotz bester Haltung einmal ein Tier krank wird?

Bei Anschaffung robuste Hühner auswählen

Schon bei der Anschaffung sollte man darauf achten, dass man robuste Hühner von einem guten Züchter erwirbt. Wenn möglich, schaut man sich die Herkunft vor Ort an, beobachtet die Tiere und kauft nur lebhafte, aufmerksame Tiere. Dies ist nicht immer realistisch, da gerade Küken oft auf Kleintiermärkten verkauft werden. Übernimmt man ein Huhn aus schlechter Haltung, muss man sich bewusst sein, dass höhere Tierarztkosten auf einen zukommen können. Um den Gesundheitszustand der Hühner zu erhalten, sollte man auf ausreichendes Platzangebot, Sonnenlicht und artgerechte, abwechslungsreiche Fütterung achten. Neben Hühnerpellets ist es wichtig, Frischfutter wie Obst, Gemüse aber auch eiweißreiche Nahrung anzubieten. Einen besonderen Leckerbissen stellen in Zoohandlungen gekaufte Mehlkäferlarven dar, die allerdings selbst erst einige Tage mit Haferflocken und Karotten angefüttert werden müssen, damit sie nahrhaft sind. Um den hohen Calciumbedarf bei Legehennen zu decken, eignen sich Sepiaschalen oder Futterkalk, den man unter das Futter mischen kann.

Ein krankes Huhn erkennen

Obwohl Hühner domestiziert wurden, verhalten sie sich bezüglich des Verbergens von Krankheiten wie ihre wilden Vorfahren: Möglichst lange versuchen sie gesund zu wirken und verheimlichen geschickt, dass sie krank und somit ein leichtes Opfer für Fressfeinde sind. Diese Eigenschaft macht es für Hühnerhalter oft schwierig, rechtzeitig zu bemerken, dass etwas mit dem Haustier nicht stimmt. Die unspezifischen Symptome, die kranke Vögel zeigen, umfassen Schläfrigkeit, Appetitlosigkeit, ein aufgeplustertes Gefieder und Abmagerung.

Die Ursachen können aber vielfältig sein. Für eine erfolgversprechende Behandlung ist eine Diagnose unbedingt erforderlich – erst danach kann gezielt behandelt und geholfen werden. Da der Krankheitsprozess oft schon weit fortgeschritten ist, wenn ein Huhn schwach aufgefunden wird, ist der sofortige Besuch beim Tierarzt unumgänglich. Da beginnt auch schon die Schwierigkeit, denn viele Haustierärzte der Familie, die Hund und Katze professionell betreuen, sind keine Vogelexperten. Es ist daher empfehlenswert, mit Ihrem Huhn eine Tierarztpraxis oder Klinik aufzusuchen, die Vogelmedizin als Schwerpunkt anbieten. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass Untersuchungen mit einem finanziellen Aufwand einhergehen, denn egal ob Papageien- oder Hühnerblut untersucht wird, für die entstehenden Laborkosten macht die Vogelart keinen Unterschied. Prinzipiell ist es einfacher und meist auch billiger, schon verstorbene Tiere pathologisch zu untersuchen. Zeigen mehrere Tiere Symptome, sollte das am schwersten erkrankte Tier beim Tierarzt vorgestellt werden. Nur selten ist die klinische Symptomatik eindeutig zu interpretieren, daher sind meist weiterführende Untersuchungen wie bakteriologische, parasitologische und virologische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren notwendig.

Kaum Impfstoffe für Hobbyhühner

Egal ob man sich für eine alte Haustierrasse, eine Neuzüchtung oder ein gerettetes Legehuhn entscheidet, man ist nie vor Krankheiten gefeit. Die Liste infektiöser Hühnerkrankheiten ist lang: von Parasiten über Bakterien, Pilze und Viren gibt es eine Unzahl an Erregern, die die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen oder zum Tod führen können. Während Parasiten, Pilze und Bakterien mit verschiedenen Medikamenten behandelbar sind, kann gegen Viruserkrankungen nur prophylaktisch vorgegangen werden. Idealerweise sind die Tiere schon geimpft, was aber bei Hobbyhühnern eher selten der Fall ist.

In der Nutztierhaltung werden Hühner gegen zahlreiche Krankheiten geimpft. Wie bereits erwähnt sind auch Hobbyhühner vor diesen Krankheiten keineswegs sicher. Die Impfung von Hobbyhühnern ist allerdings schwierig oder sogar oft unmöglich. Die Impfstoffe sind nicht für Einzeltiere erhältlich, sondern nur in Dosen für 5000 Tiere. Es ist daher nicht realistisch oder rentabel solche Impfstoffe für Hobbyhühner einzusetzen. Bei manchen Impfungen ist auch der Impfzeitpunkt sehr wichtig, um einen Schutz zu erreichen. Zum Beispiel erfolgt die Impfung gegen die Marek´sche Hühnerkrankheit bereits am Schlupftag.

In einem bestehenden Bestand baut sich eine gewisse Immunität auch ohne Impfung auf. Die Gefahr neue Krankheiten einzuschleppen erhöht sich bei ständigem Neuzugang. Daher sollte man sich nicht verleiten lassen, laufend hübsche Hühner unterschiedlicher Herkunft in die Gruppe einzugliedern.

Wann der Tierarzt aufgesucht werden muss

Da es den Rahmen eines Zeitschriftenbeitrages sprengen würde, alle Hühnerkrankheiten aufzuzählen, werden nur Symptome genannt, bei deren Auftreten eine Untersuchung in einer Tierarztpraxis mit Schwerpunkt auf Vogelmedizin dringend empfohlen wird.

● Durchfall, stinkender Kot und damit einhergehende Abmagerung des Tieres können unterschiedliche Ursachen haben. Häufig können bei im Garten gehaltenen Hühnern Endoparasiten nachgewiesen werden, die bis zu einem gewissen Grad bei freilaufenden Hühnern normal und unbedenklich sind. Anders ist es allerdings, wenn die Parasiten sich schlagartig vermehren und ihrem Wirt die lebensnotwenigen Nährstoffe entziehen und Schäden anrichten. Besonders bei Jungtieren oder geschwächten Tieren kommt es zu Problemen. Die häufigsten Endoparasiten bei Hühnern sind Kokzidien (Einzeller) und Würmer.

Hühner sollten jedoch nur nach vorangegangener parasitologischer Untersuchung mit den passenden Antiparasitika entwurmt werden. Je nach Parasiten kommen unterschiedliche Präparate zum Einsatz. Falsche Medikamente sind nicht nur wirkungslos, sondern können sogar schaden. Wichtig ist es auch, dass alle Tiere im Bestand zeitgleich behandelt werden.

Auch bei gesund wirkenden Hühnern empfiehlt es sich, routinemäßig alle sechs Monate eine Kotprobe zu sammeln und auf Parasiten untersuchen zu lassen. Generell sollte man auf Veränderungen bei den Ausscheidungen der Hühner achten. Variieren beim Hühnerkot Farbe, Geruch oder Konsistenz, kann das schon ein erstes Anzeichen für eine Krankheit sein.

Wenn bei bestehendem Durchfall keine Parasiten nachgewiesen werden konnten, muss man andere Ursachen, wie zum Beispiel eine bakterielle Infektion in Betracht ziehen und abklären.

● Unruhe und Juckreiz weisen auf Ektoparasiten hin. Besitzer bemerken dann oft, dass die Hühner unruhig sind, sich vermehrt kratzen und nicht selten verirrt sich ein Parasit beim Streicheln der Tiere auf die menschliche Hand. Aber bitte auch hier nicht selbst zu Medikamenten greifen und eigenständig behandeln. In vielen Fällen handelt es sich bei „Sprays gegen Parasiten“ um für Vögel giftige Substanzen. Auch die Aufschriften „natürlich“ oder „biologisch“ sind kein Garant für die Verträglichkeit. Besser ist es, wenn Sie sich auf die Lauer legen und den krabbelnden Parasiten mit einem durchsichtigen Klebeband fangen und untersuchen lassen. Unter dem Mikroskop erkennt der vogelkundige Tierarzt sofort, ob es sich um einen hühnerspezifischen Federling handelt oder ob der ganze Stall von der weitaus gefährlicheren roten Vogelmilbe befallen ist. Je nachdem, welcher Ektoparasit gefunden wurde, werden entweder gezielt nur befallene oder alle Tiere im Bestand behandelt. Leben und vermehren sich die Parasiten auch im Umfeld des Wirtes, muss auch der gesamte Stall von Schädlingen befreit werden.

● Nasenausfluss, geschwollene und gerötete Augen, also schnupfenartige Erkrankungen des Federviehs sind ein häufiger Vorstellungsgrund in der Tierarztpraxis. Die Tiere schütteln den Kopf, haben Augen und Nasenausfluss, eine verschleimte Schnabelhöhle und sind in der Regel auch weniger aktiv. Oft sind mehrere Tiere zugleich betroffen, wobei die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Um gezielt behandeln zu können, werden von den am stärksten betroffenen Tieren Abstriche genommen. Diese schmerzfreie Untersuchung dauert nur wenige Minuten, allerdings beansprucht die weitere Bearbeitung im Labor je nach gewünschter Untersuchung und Methode einige Tage. Es macht Sinn, gleichzeitig eine kleine Menge Blut für eine serologische Untersuchung abzunehmen.

● Atemnot in Form von Schnabelatmung zeigen auch gesunde Hühner bei starker Aufregung oder Hitze. Bei Ruhe und Verbringen in einen kühlen Raum legt sich die Atemnot jedoch rasch wieder. Ständige Atemnot sollte aber auf jeden Fall möglichst rasch tierärztlich abgeklärt werden. Wie bei allen anderen Krankheiten auch, setzt eine gezielte Behandlung eine möglichst genaue Diagnose voraus. So können Bakterien, Viren oder Pilze eine Infektion des Atmungstraktes auslösen, die zu Atemnot führt. Dem gegenüber stehen nicht infektiöse, mechanische Ursachen wie vergrößerte Organe oder auch Bauchwasser, wodurch die Luftsäcke eingeengt werden und das Atmen erschwert wird. In diesem Fall wird meist schon bei der klinischen Untersuchung eine Veränderung im Bauch ertastet. Mittels bildgebender Verfahren (Ultraschall, Röntgen oder Computertomographie) erfolgt eine genaue Beurteilung der inneren Organe. Die häufigste Ursache für eine Wasseransammlung im Bauch ist eine Erkrankung des Eileiters.

● Veränderte Eischalen/Legedarmentzündungen fallen Hühnerhaltern meist rasch auf. Weiß doch jeder Hühnerhalter, wie die Eier seiner Hennen üblicherweise in Form, Größe und Farbe aussehen. Alle Abweichungen davon sollten registriert werden. So deuten zu weiche Eischalen auf Calciummangel der Henne oder eine Virusinfektion hin, raue, blutige Eischalen sprechen für eine Legedarmentzündung. Legedarmentzündungen, die bei chronischem Verlauf mit Bauchfellentzündungen und Bauchwasserbildung einhergehen, sind eine der häufigsten Erkrankungen bei Hühnern. Die Symptomatik ist unspezifisch, eine Diagnose wird nach genauer Untersuchung des Abdomens gestellt. Ist der Legedarm stark vergrößert und mit Eikonkrementen gefüllt, muss er operativ entfernt werden.

● Bissverletzungen kommen leider immer wieder vor. Sei es  durch ein Wildtier oder ein Haustier, dessen Jagdtrieb gesiegt hat: Jetzt ist schnelles Handeln angesagt. Durch das Gefieder ist es oft gar nicht einfach, das wahre Ausmaß der Verletzungen gleich zu erkennen. Ja nach Schweregrad der Verletzung ist eventuell eine chirurgische Versorgung, begleitet durch medikamentöse Unterstützung mit Infusionen, Schmerztherapie und Antibiotika erforderlich.

Tierarzneimittelkontrollgesetz gilt auch für Hobbyhühner

Generell ist eine Therapie möglich, allerdings bei lebensmittelliefernden Tieren eingeschränkt. Denn auch wenn Hobbyhühner nie geschlachtet werden sollen, unterliegen sie doch demselben Tierarzneimittelkontrollgesetz wie die für den menschlichen Verzehr bestimmten Artgenossen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass auch Eier nach Verabreichung bestimmter Medikamente erst nach einer gewissen Wartezeit wieder verspeist werden dürfen beziehungsweise fast alle Medikamente zur Anwendung bei Legehühnern definitiv verboten sind.

Die Aufzählung der möglichen Krankheiten und Verletzungen soll keinesfalls  abschreckend wirken, sich den Traum von Hühnern im eigenen Garten zu erfüllen. Es soll lediglich an die Verantwortung erinnern, die wir bei der Haltung von Haustieren übernehmen, denn auch ein Huhn möchte die beste medizinische Versorgung genießen.

Gesetzliche Grundlagen

Viele Tierfreunde, die sich ihren Wunsch nach dem eigenen kleinen „Hühnerhof“ erfüllen, wissen nicht, dass ihre Hobbyhühner unter die gleichen gesetzlichen Bestimmungen fallen wie Hühner aus dem Nutztierbereich. Die „mein HAUSTIER“-Redaktion hat daher die wichtigsten Punkte zusammengefasst: Bei der Hühnerhaltung sind Vorgaben des Tierschutzgesetzes, des Tierseuchengesetzes und diverserer Landesgesetze zur Tierhaltung zu beachten. Laut Tierschutzgesetz müssen für die Betreuung von Geflügel genügend Betreuungspersonen vorhanden sein, die über die erforderlichen Kenntnisse verfügen. Diese Fähigkeiten können im Rahmen der schulischen oder beruflichen Ausbildung erworben worden sein oder aus dem Werdegang ersichtlich sein. Wer keine derartigen Kenntnisse nachweisen kann, ist verpflichtet, vor der Aufnahme der Geflügelhaltung eine außerschulisch-praktische Ausbildung zu absolvieren. In den Anlagen der 1. Tierhaltungsverordnung sind die Mindestanforderungen betreffend Stallgebäude, Stallklima, Ernährung, Betreuung und Auslauf für die Haltung von Geflügel beschrieben. Nachbarn dürfen nicht unzumutbar belästigt werden. Da fremdes Eigentum durch die Tiere nicht beschädigt werden darf, muss Vorsorge getroffen werden, dass die Hühner den eigenen Garten nicht verlassen. Geflügelhalter sind verpflichtet, die Aufnahme der Haltung innerhalb von sieben Tagen bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde bzw. beim Magistrat zu melden. Jeder Tierhalter ist verpflichtet, den Verdacht auf Vorliegen einer anzeigepflichtigen Tierseuche bei der Behörde zu melden!

Dr. med.vet. Angela Vobornik
Service für Vögel und Reptilien
Interne Medizin, Kleintierklinik
Department für Kleintiere und Pferde,
Veterinärmedizinische Universität Wien