Hunde auf Autofahrten gut sichern

ÖAMTC empfiehlt Transportbox aus Aluminium

1100 kg Hund. Das ist nicht etwa ein neuer Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde, sondern jene Kraft, die ein 22 kg schwerer Hund im Falle einer Kollision entwickeln kann, wenn das Auto, in dem er sich befindet, mit 50 km/h an eine Wand fährt. In solchen Fällen entstehen Fliehkräfte zwischen 30 und 50 G (Maß für Fliehkraft). Somit entwickelt ein Körper das 30-bis 50-fache seines Eigengewichtes. Auch eine 4 kg schwere Katze entwickelt bei einem solchen Aufprall Kräfte von 200 kg. Es ist schwer vorstellbar, was es bedeutet mit dieser Wucht gegen feste Gegenstände, wie Rückenlehnen oder Windschutz-scheiben oder selbst in Gurte zu krachen. Im Fall eines 22 kg schweren Hundes, der ungebremst auf den Vordersitz aufprallte, verformte sich dessen Rückenlehne, also die Lehne in der Lendengegend des Insassen, 30 cm tief. Die Gewebe unserer Haustiere sind solchen Kräften jedenfalls nicht gewachsen und auch wir Menschen können dadurch unter anderem schwerste Wirbelsäulenverletzungen mit Querschnittslähmung davontragen.

Vielen Tierbesitzern ist nicht bewusst, dass sie ihrem geliebten Begleiter nichts Gutes tun, wenn Sie ihn frei im Auto herumlaufen, die Schnauze gegen den Fahrtwind halten oder auf seinem Lieblingssitz ungesichert schlafen lassen. Die möglichen Verletzungen beim Tier aufgrund der unterschiedlichen Positionen im Fahrzeug sind sehr zahlreich und können deshalb kaum vorhergesehen werden. Durch die enorme Krafteinwirkung auf den Tierkörper entstehen jedoch meistens schwere Verletzungen, die durch Beschleunigungs- und anschließende Bremskräfte verursacht werden. Häufig handelt es sich um Zwerchfellrisse, Blasenrupturen, Abrisse von inneren Organen, die unter anderem zu massiven Blutungen führen. Natürlich sind auch Schädel-Hirn-Traumata und Verletzungen der Wirbelsäule mit anschließender Querschnittslähmung nicht ausgeschlossen. Große Gefahren bergen auch berstende Scheiben und zersplitterte Transportboxen.

Selbst Gitterstäbe, wenn diese nicht sachgemäß verschweißt werden, oder ganze Türen reißen aus und können zu schwersten Verletzungen beim Tier führen. Wie beim nicht angeschnallten  Menschen ist auch beim Tier das Herausgeschleudertwerden aus dem Fahrgastraum mit anschließendem Zerquetschen durch das Fahrzeug eine häufige Todesursache.

Schwere Verletzungen durch adäquate Sicherung vermeiden

Meistens enden Autounfälle für unsere Lieblinge, die wir ungesichert oder mit ungeeigneten Mitteln im Auto transportieren, leider tödlich. Durch die vorrangige Behandlung der menschlichen Insassen wird zusätzlich die Zeit für eine Notfallbehandlung des tierischen Patienten verzögert. Außerdem ist ein flächendeckender Tierrettungsdienst in Österreich gar nicht etabliert, um rasch Hilfe für das geliebte Haustier zu erhalten. All diese Tatsachen führen nur zu einem Schluss: Wenn uns unser Leben und das unserer Tiere am Herzen liegt, sollten wir uns und unsere Lieben (und damit sind unsre Haustiere eingeschlossen) bei jeder Autofahrten unbedingt vor Verletzungen durch Unfälle schützen. ÖAMTC und ARBÖ haben zahlreiche Crash-Tests auch mit Haustieren durchgeführt und die gängigsten Sicherungssysteme geprüft. Dabei stellten die Autoren fest, dass nicht nur das Rückhaltesystem selbst, sondern auch die Position im Wagen entscheidend sind. Fast sämtliche Gurtsysteme versagten bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 km/h, da entweder die Karabiner barsten, oder das Gurtschloss brach. Über die Verletzungen beim Tier durch einen massiven Ruck mit Fliehkräften von 50 G am Brustgeschirr kann nur spekuliert werden. Für den tierischen Insassen wäre nur ein Gurtsystem annähernd adäquat, das zumindest an 2 Punkten (Schlösser des Sicherheitsgurtes oder Isofix® Befestigungen) fixiert ist und möglichst wenig Spiel bietet. Dadurch werden die entstehenden Kräfte frühzeitig abgebremst, und das Tier prallt nicht auf die Vordersitze auf. Laut dem Bericht des ÖAMTC ist die sicherste Lösung jedoch eine quergestellte Transportbox aus Aluminium, die im Fuß- oder Kofferraum direkt an eine Rückenlehne gestellt und vor Verrutschen gesichert wird. Durch den kurzen Weg des Tieres bis zur vorderen Wand der Transportbox, können diese gewaltigen Fliehkräfte nicht entstehen und das Tier trifft mit dem Großteil seiner Körperfläche auf die Boxenwand auf, was punktuelle Kräfte und damit Verletzungen vermeiden hilft. Für einen 30 kg schweren Hund wird für die optimale Sicherungslösung sogar zusätzlich ein stabiles, mit dem Fahrzeug verschraubtes Trenngitter, empfohlen, um auch die Insassen im Fahrgastraum zu schützen.

Gesetzliche Vorschriften über Ladungssicherung gelten auch für Tiere

Auf Hunde und andere Tiere in Fahrzeugen finden die Vorschriften des Kraftfahrgesetzes und die Straßenverkehrsordnung über die Ladungssicherung Anwendung. Ladungen müssen so verwahrt werden, dass sie den im „normalen Fahrbetrieb“ auftretenden Kräften standhalten, den sicheren Betrieb des Fahrzeuges nicht beeinträchtigen und niemanden gefährden. Die einzelnen Teile einer Ladung müssen so verstaut und durch geeignete Mittel so gesichert werden, dass sie ihre Lage zueinander sowie zu den Wänden des Fahrzeuges nur geringfügig verändern können. Nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) zählt eine Notbremsung zum „normalen Fahrbetrieb“ und die Anforderungen sind damit sehr streng. Das ungesicherte Liegen eines Tieres auf der Rücksitzbank oder das Sitzen auf dem Beifahrersitz sind verboten.

Bei Verstößen droht eine Geldstrafe bis zu 5.000 Euro. Sollte es durch eine derart mangelhafte Sicherung zu einem Verkehrsunfall mit Verletzten kommen, kann der Lenker sogar strafrechtlich belangt werden. Für heuer ist die Reisezeit wohl schon wieder fast vorbei. Denken Sie aber bitte bei JEDER Autofahrt daran, was ihrem Liebling oder sogar Ihnen im Fall eines Unfalles passieren kann und schützen Sie sich vor diesen schrecklichen, aber meist vermeidbaren Folgen.

Von Dr.med.vet.Christoph Peterbauer und Julia Salaun


Dr.med.vet. Christoph Peterbauer
Fachtierarzt für Anästhesie und Schmerzmanagement, Notfall-mediziner, freiberuflicher Veterinär-Anästhesist – www.anaemalis.at

 

Julia Salaun
Ausgebildete Tierpflegerin mit Spezialgebieten Veterinäranästhesie und Notfallmedizin – tierärztliche Ordinationsassistentin in der Tierarztpraxis Am Stadtpark