Hilfe für Ihr Haustier im Katastrophenfall

Richtige Vorbereitung erhöht die Rettungschancen bei Feuer oder HochwasserSie sind Besitzer eines Hundes oder einer Katze und lieben Ihr Tier über alles? Sie würden es daher selbstverständlich auch in einem Katastrophenfall unter allen Umständen zu retten versuchen? Obwohl Sie diese beiden Fragen sicherlich mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten, werden Sie bei der nächsten Frage vermutlich passen müssen: Wissen Sie, WIE Sie Ihr Tier bei Hochwasser oder Brand am besten schützen? Die meisten Menschen, und auch die meisten Tierbesitzer rechnen kaum je mit einer Katastrophe, die eine Evakuierung notwendig macht. Daher ist auch fast niemand auf so einen Fall vorbereitet und weiß, was zu tun ist. Dies kann Ihrem Tier unter Umständen zum Verhängnis werden.

Information und Vorsorge als wichtigste Sicherheitsmaßnahmen

Erinnern Sie sich noch an die Bilder aus Japan, die um die Welt gingen? Unzählige Hunde und Katzen irrten nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima durch die Straßen der evakuierten Regionen. Zigtausende Menschen mussten in provisorische Notunterkünfte ziehen, in die sie ihre Tiere nicht mitnehmen durften. Viele glaubten, nach einigen Tagen wieder in ihr Zuhause zurückkehren zu dürfen und banden ihre Hunde fest, damit diese nicht fortlaufen konnten. Niemand kam wieder, und die angebundenen Tiere hatten keine Überlebenschance. Zweifellos handelte es sich dabei um eine außergewöhnliche Katastrophe größten Ausmaßes. Aber auch bei kleineren Katastrophen sind Haustiere extrem gefährdet. Immer wieder ertrinken Tiere bei Hochwasser in den Fluten oder irren herrenlos umher, nachdem ihre Besitzer evakuiert worden sind. Nicht selten verbrennen Hunde, Katzen oder Pferde bei einer Feuerkatastrophe. Der Rettung solcherart gefährdeter Tiere hat sich der Wiener Tierarzt, Tieranästhesist an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Notfallmediziner für Tiere Dr. Christoph Peterbauer verschrieben. Neben seiner medizinischen Tätigkeit ist Dr. Peterbauer auch Feuerwehrmann für Tierrettung, hat eine Ausbildung in Katastrophenmanagement absolviert und vor einem Jahr die Animal Rescue Academy (ARA) ins Leben gerufen, die sich mit der Rettung von Tieren im Katastrophenfall beschäftigt. Sein Credo: Information und Vorbereitung sind die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen! Der engagierte Tierarzt bildet Feuerwehrleute, Reiter und Stallbesitzer in Großtierrettung aus, einmal im Jahr hält er Kurse für Tierarztkollegen ab und klärt auch Tierbesitzer in Vorträgen über Katastrophenprävention bei Kleintieren auf. Denn Berufsretter wie die Feuerwehr sind zwar gesetzlich verpflichtet, Menschen UND Tiere zu retten, aber wenn die entsprechenden Voraussetzungen fehlen, wird das Evakuieren eines Tieres oft unmöglich.

Wie Sie die Animal Rescue Academy unterstützen können

Für die Ausbildung von Feuerwehren suchen wir einen alten Pferdehänger. Ein gebrauchter Teleskopstapler würde die Positionierung des 200 kg schweren Pferde-Dummies für Rettungsszenarien im Rahmen des Trainings erheblich erleichtern. Außerdem werden immer wieder Hebebänder (3t Bruchlast, 5m und 9m lang) und diverse Bergeausrüstungsgegenstände beim Training kaputt, die regelmäßig zu ersetzen sind. Es werden Firmen gesucht, die Aufkleber zur Identifizierung von Haushalten mit Haustieren sowie Tierleitsysteme herstellen und in ihr Produktportfolio aufnehmen können. Die Animal Rescue Academy bringt gerne ihr Knowhow zur Entwicklung neuer Technologien für die Groß- und Kleintierrettung ein. Interessierte Firmen werden gesucht.

Kontakt: Dr. med. vet. Christoph Peterbauer, Dip.ECVA, Geschäftsführer der Animal Rescue Academy
www.animalrescue.at
peterbauerc@animalrescue.at
Mobil: +43 664 75073981
Bankverbindung: Raiffeisenbank Wels, BLZ: 34680
KontoNr: 6230213 BIC: RZOOAT2L680 IBAN: AT52 3468 0000 0623 0213

Für die Leser von „mein HAUSTIER“ hat Dr. Peterbauer einen Vorsorgeplan für die Rettung Ihres Tieres in einem Unglücksfall zusammengestellt.

  1. Überlegen Sie, bei welchem Familienmitglied, Freund, in welcher Tierpension Ihr Liebling im Notfall vorübergehend Unterschlupf finden kann und informieren Sie die betreffenden Personen. Denn wenn Sie selbst evakuiert und in eine Notunterkunft gebracht werden, darf Ihr Tier dorthin nicht mit! Auch gibt es in Österreich keine Struktur für die Aufnahme solcher Tiere. Dr. Peterbauer ist allerdings mit Gemeinden in Verhandlungen, damit eventuell leere Lagerräume, Hallen etc. für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden könnten.
  2. Die Retter sollten wissen, welche und wie viele Tiere sich im Haushalt befinden, um gezielt danach suchen zu können. Dr. Peterbauer ist dabei, dafür einen eigenen Informationssticker nach amerikanischem Vorbild zu entwerfen und produzieren zu lassen. Diesen klebt man auf die Tür. Bis so ein Sticker erhältlich ist, können Sie auch selbst einen entsprechenden Hinweis über Anzahl und Art der im Haushalt lebenden Tiere am Türstock der Eingangstüre anbringen.
  3. Folgende Gegenstände sollten im Haus/in der Wohnung jedes Tierbesitzers links neben der Eingangstüre sofort greifbar sein:
    • Leine, Halsband (mit Anhänger, auf dem der Name des Tieres und des Besitzers vermerkt sind) und Beißkorb für Hunde
    • Transportbox für Katzen, eventuell auch für Hunde
    • Eine Notfallbox mit folgendem Inhalt:
      • Liste mit Telefonnummern und Namen von Freunden, Angehörigen oder Tierpensionen, zu denen Ihr Tier gebracht werden kann
      • Namen und Telefonnummer des Tierarztes
      • Hinweise auf Medikamente, die das Tier regelmäßig bekommen muss, sowie auf eventuell vorliegende Krankheiten
      • Hinweise, was das Tier normalerweise frisst
      • Futter und Medikamente für drei Tage
      • Wasser für drei Tage
      • Kotbeutel für Hunde, Katzenstreu für Katzen
      • Aktueller Impfpass
      • Identitätsnachweis. Am besten Sie fügen dem Namen, der Chipnummer des Hundes und Ihrem Namen auch ein Foto bei, das Sie gemeinsam mit Ihrem Liebling zeigt. So können bei der späteren Zusammenführung von Tier und Mensch die Besitzverhältnisse eindeutig festgestellt werden
      • Spielsachen und Decken
    • Im Notfall (z.B. bei Hochwasser oder Feuer) schnappen Sie das Tier samt Notfallbox und verlassen das Haus. Falls Ihnen dies nicht mehr möglich ist und Sie selbst evakuiert werden müssen, finden die Rettungsmannschaften Hinweise und Notfallbox und können Ihr Tier entsprechend versorgen.
  4. Keinesfalls sollten Sie Ihr Tier einfach zurücklassen, weil Sie glauben, ohnehin bald wieder zu kommen!!! Auch das Freilassen von Tieren ist verantwortungslos und überdies verboten. Nehmen Sie Ihren Vierbeiner mit, wenn es Ihnen gefahrlos möglich ist, ansonsten informieren Sie die Retter, dass ein Tier im Haus ist und überlassen Sie die Bergung Ihres Hausgenossen den Profis. Begeben Sie sich aber nicht selbst in Gefahr! Denn in diesem Fall wird man zuerst Ihnen helfen und nicht dem Tier. Abgesehen von der Gefährdung Ihres Lebens tun Sie damit auch Ihrem Liebling nichts Gutes, weil seine Rettung dadurch nur verzögert wird.
  5. Viele Tiere geraten im Chaos einer Katastrophe in Panik, verstecken sich und weigern sich, in die Transportbox zu gehen. Dr. Peterbauer: „Auch das kann man vorher trainieren. Füttern Sie Ihr Tier in der Box, geben Sie Spielzeug hinein, sorgen Sie dafür, dass es sich darin im Alltag wohlfühlt und dies ein angenehmer Rückzugsort wird“. Auch ist es sinnvoll, das Tier so zu trainieren, dass es sich von anderen Menschen angreifen lässt. Diese Präventionsmaßnahmen und das gedankliche Durchspielen einer Katastrophe sind auch deshalb lebenswichtig, weil man in einer Notsituation nicht so klar denken und handeln kann. „Je besser ich aber vorgesorgt habe, umso vertrauter bin ich mit dem Szenario und kann im Notfall entsprechend reagieren“, so Dr. Peterbauer. „Wird alles richtig gemacht, kommen in den meisten Fällen Tiere und Besitzer nach etwa drei Wochen wieder zusammen“