Haut- und Herzwurm auf dem Vormarsch

Klimawandel begünstigt Stechmücken und Dirofilarioseübertragung

Wer die letzten Sommer in Österreich noch in Erinnerung hat, weiß, dass sich das Klima ändert – es wird wärmer. Temperaturrekorde purzeln jährlich und Mensch und Tier müssen sich auf die neuen Umweltbedingungen einstellen.  Manchen Lebewesen kommt die steigende mittlere Jahrestemperatur allerdings zugute, besonders den Insekten, die sich bei langen Sommern und milden Wintern besser und länger vermehren können. Das ist für Stechmücken günstig, für uns naturgemäß eher lästig – wer möchte schon als Blutspender für Stechmücken und Gelsen dienen. Leider sind Stechmücken aber auch Überträger von gefährlichen Krankheitserregern, die früher eher in tropischen Gebieten zu finden waren – zum Beispiel Malaria. In Südeuropa hingegen kannte man schon seit langer Zeit eine bei Hunden, seltener bei Katzen, durch Stechmücken übertragene Fadenwurmerkrankung, die Dirofilariose. War diese früher noch fast ausschließlich auf südliche Regionen beschränkt, so findet man sie allmählich auch in Regionen mit gemäßigtem Klima, da sich die Überträger zunehmend an diese Klimabedingungen anpassen und die Bedingungen für sie in Mitteleuropa immer besser werden.

Es wurden bereits Fälle aus der Schweiz (Tessin) und in den letzten Jahren vor allem aus Ungarn, Rumänien und Serbien gemeldet. Noch bis vor wenigen Jahren war die Dirofilariose eine seltene Erkrankung von Hunden aus dem südlichen Ausland. Aber seit der Erreger bei sehr vielen Hunden aus Tierheimen in östlichen und südlichen Ländern Europas nachgewiesen wurde, und viele dieser Tier auch nach Österreich importiert werden, ist die Anzahl der in Österreich nachgewiesenen Fälle dramatisch angestiegen. So wurden im Jahr 2017 dreimal so viele Fälle beim Hund diagnostiziert als vier Jahre zuvor.

Langlebiger Herzwurm ( Dirofilaria immitis)

Der Erreger der Herzwurmkrankheit ist ein bis zu 17cm langer Fadenwurm. Herzwürmer sind zweiwirtig; das bedeutet, dass ein Teil des Entwicklungszyklus der Larven zu Mikrofilarien in Stechmücken erfolgt. Diese übertragen beim Saugakt die Mikrofilarien auf den Wirt, den Hund. Stechmücken fungieren also sowohl als Zwischenwirte als auch als Überträger. Im Hund entwickeln sich dann die erwachsenen Würmer. Sie leben in den großen Blutgefäßen, die vom Herzen zur Lunge führen und können dort bis zu 7 Jahre alt werden. Erwachsene Herzwürmer geben immer wieder Larven ins Blut ab. Bei schwachem Befall verläuft die Krankheit oft ohne Symptome. Bei stärkerem Befall kommt es nach 5-7 Monaten zu den ersten Krankheitssymptomen. Diese sind Leistungsabfall, Konditionsverlust, Gewichtsverlust, Schweratmigkeit, Husten, Atemnot und Herzrasen.

Bei starkem Befall können die Herzwürmer sogar in einem Herzultraschall sichtbar gemacht werden. Unerkannt und unbehandelt führt die Herzwurmkrankheit häufig nach Jahren zum Tod des Hundes und auch der Katze. Die Larven der Würmer können mittels mikroskopischer Untersuchung im Blut erkannt werden und mit einem Schnelltest können weibliche erwachsene Würmer nachgewiesen werden.

Übertragung auf Menschen prinzipiell möglich

Leider sind Dirofilarien durch die befallenen Stechmücken auch auf den Menschen übertragbar. In Österreich hat sich zwar noch niemand mit dem Herzwurm infiziert, aber die steigende Anzahl infizierter Hunde lässt die Gefahr steigen, dass sich in Österreich heimische Stechmücken infizieren und damit auch eine Übertragung auf den Menschen möglich wird.

Eine direkte Übertragung vom Hund auf den Menschen ist ausgeschlossen und behandelte Hunde fallen bereits nach der ersten Behandlung als Erregerreservoir für die Mücken aus.

Knoten bildender Hautwurm (Dirofilaria repens)

Ein dem Herzwurm nahe verwandter Erreger ist der Hautwurm. Wie beim Herzwurm erfolgt die Übertragung der Mikrofilarien durch Stechmücken auf den Hund. Die erwachsenen bis zu 15 cm langen Würmer bilden kleine Knoten in der Haut. Schwere Symptome werden in der Regel nicht verursacht. Die Hautknoten sind wenige  Zentimeter groß und weich, weshalb sie bei älteren Hunden häufig auch für gutartige Fettgewebstumore gehalten werden. Im Gegensatz zum Herzwurm ist der Hautwurm in Ostösterreich schon in Mücken nachgewiesen worden. Auch ein Fall beim Menschen wurde bereits diagnostiziert und erfolgreich behandelt. In Österreich sind Hautwürmer beim Hund meist ein Zufallsbefund.

Die Risikokarte zu Beginn des Artikels zeigt die Wahrscheinlichkeit an, dass sich Dirofilarien in bestimmten Regionen in den Mücken etablieren.

Tiere aus dem Ausland testen

Um der Ausbreitung in Österreich und der Verschleppung der Erreger nach Österreich Einhalt zu gebieten, sollten einige Regeln im Zusammenhang mit Hunden im oder aus dem Ausland beachtet werden. So sollte bei zum Import bestimmten Tieren am besten noch vor Ort im Ausland ein Test auf Dirofilarien aus dem Blut des Hundes durchgeführt werden. Aufgrund der langen Inkubationszeit muss man aber daran denken, 6 Monate nach dem Import oder der Reiserückkehr den Test wiederholen zu lassen, um eine Infektion gänzlich ausschließen zu können.

Neue Methode der Herzwurm-Therapie an der Vetmeduni Wien

Die Therapie mit Medikamenten ist aufwendig, mit neuen Methoden aber wesentlich ungefährlicher als noch vor einigen Jahren – schwer erkrankte Hunde verstarben mitunter durch das Abtöten der Würmer im Herzen, weil die toten Würmer in die Lunge geschwemmt wurden und dort die Lungenfunktion behinderten. Ein an der Veterinärmedizinischen Universität Wien entwickeltes und angewendetes Behandlungsverfahren hat sich als so effizient und schonend zugleich erwiesen, dass schwere Nebenwirkungen gänzlich ausgeblieben sind. Die Gesamtdauer der Therapie erstreckt sich über mehrere Monate. Besitzer betroffener Hunde können sich bei Fragen zu diesem Thema jederzeit beim Autor melden.

Privatdozent Dr. Michael Leschnik
Ambulanz für Neurologie,
Abteilung für Interne Medizin,
Department für Kleintiere und Pferde, Veterinärmedizinische Universität Wien