Hausmittel auch für Vierbeiner

Nützlicher Geheimtipp oder gefährliche Überlieferung?

Kleinere Blessuren, harmloses Unwohlsein oder ein verdorbener Magen beim vierbeinigen Liebling lassen einen Tierarztbesuch und den Einsatz von Medikamenten nicht immer unbedingt notwendig erscheinen. Trotzdem sollte bei fraglichem Schweregrad der Erkrankung der Tierarzt kontaktiert werden. Sofern sich das Problem als eher harmlos herausstellt, werden mitunter auch von diesem die guten alten Hausmittel vorgeschlagen. Viele Hausmittel werden ja durch Mundpropaganda schon über Generationen weitergegeben und die Wirkung hat viele Haustierbesitzer überzeugt. Aber nicht jedes Hausmittel kann nach dem heutigen Stand der Wissenschaft als unbedenklich angesehen werden. Manche Hausmittel gelten heute sogar als kontraproduktiv oder gefährlich, obwohl sich Gerüchte über deren Heilkräfte hartnäckig halten.

Käsepappeltee fördert die Heilung

MalvenblätterDer allseits bekannte Käsepappeltee (Malvenblättertee) erweist gute Dienste bei der Wundreinigung und Wundpflege, sowie bei der Ohrenreinigung. Frische Wunden müssen jedoch schnell und am besten mit klarem Wasser gereinigt werden. Danach sollte eine hautfreundliche Desinfektionslösung aufgetragen werden. Später kann das Abbaden der heilenden Wunde mit Käsepappeltee Schmutz entfernen und die Heilung fördern. Die Inhaltstoffe der Malve wirken entzündungshemmend und auch schleimhautschützend. Daher wird Malvenblättertee auch bei Entzündungen der Maulschleimhaut und des Verdauungstraktes eingesetzt.

Wichtig zu wissen:

Keine Hausmittel bei Parasitenbefall, die Fütterung von Zwiebeln gegen Flöhe oder Knoblauch gegen Darmparasiten und Würmer muss als grundsätzlich gefährlich angesehen werden. Einerseits sind beide Lebensmittel für Hunde und Katzen giftig, andererseits lassen sich Flöhe, Zecken und Würmer dadurch überhaupt nicht beeindrucken. Ähnlich unwirksam haben sich Duftlampen (z.B. Lavendel) und Pfefferminze gegenüber einem Flohbefall erwiesen.

 

Kamillentee fürs Auge nicht geeignet

Kamillentee_fuers_Auge_nicht_geeignetBei Augenentzündungen kommt es häufig zu starkem, teilweise auch eitrigem Ausfluss, der sich vor allem in der Früh nach dem Aufwachen als klebrige Masse in und um die Augen darstellt. Es ist offensichtlich, dass das Entfernen und Wegwischen des angetrockneten Ausflusses das Wohlbefinden des Patienten fördert. Vorsicht ist hierbei bei Kamillentee geboten. Frisch gebrühter Kamillentee ist natürlich nicht nur zu heiß, auch die mikroskopisch kleinen Pflanzenhaare im Tee können im Auge zu Reizungen führen. Besser eignen sich zur Augenreinigung Borwasser aus der Apotheke oder verdünnter und filtrierter Käsepappeltee. Wichtig: Immer vom äußeren Augenwinkel zur Nase hin reinigen.

Vorsicht bei Hautwunden

Bei der Behandlung von Hautwunden werden leider immer wieder falsche Empfehlungen – z. B. „Mehl auf Wunden streuen“ – überliefert. Aber auf keine Wunde gehört Mehl zur Förderung der Verkrustung! Auch Puder oder Salben sollten immer erst nach Konsultation des Tierarztes angewendet werden. Zumeist wird davon abgeraten solange die Wunde noch Sekret absondert.

Hausmittel für die Ohren

Zur Ohrenreinigung bei leicht verschmutzten Ohren oder nach dem Baden in einem Naturgewässer im Hochsommer kann ebenfalls lauwarmer Käsepappel- oder Kamillentee

verwendet werden. Dabei darf jedoch nur der äußere Bereich des Gehörganges gereinigt werden. Vor dem möglichen Spülen des Gehörganges muss zuerst vom Tierarzt festgestellt werden, ob das Trommelfell intakt ist. Besteht die Gefahr einer Infektion,so wird vom Tierarzt sterile Kochsalzlösung oder ein entsprechendes Veterinärpräparat empfohlen werden.

Hefepilze (Malassezien) können bei geringem Befall zu einer leichten Gehörgangsentzündung führen. Verdünnter Essig (1:10) reinigt hier recht gut und reduziert die Belastung durch die Hefepilze. Bei starkem Befall, schweren Entzündungen und offenen Hautwunden sollte von einer Behandlung mit verdünntem Essig Abstand genommen und lieber gleich der Tierarzt aufgesucht werden.

Die guten Seiten der Kamille

Die ätherischen Öle in der Kamille wirken entzündungshemmend, antibakteriell und wundheilungsfördernd. Neben der äußerlichen Anwendung kann verdünnter Kamillentee auch bei leichten Magen-Darmbeschwerden hilfreich sein. Bei Hautwunden ist zu beachten, dass der Kamillentee nicht zu lange einwirkt und nicht länger als drei Tage zur Anwendung kommt, da in seltenen Fällen Haarausfall beim vierbeinigen Patienten eintreten kann.

Hausmittel bei Magen-Darmstörungen

Bei Hunden treten Durchfall und Erbrechen als Symptom einer Irritation des Magen-Darmtraktes besonders häufig auf. Solange das Tier Flüssigkeit trinkt und bei sich behält, kann der Verlust noch ausgeglichen werden. Hört der Vierbeiner jedoch auf, zu trinken oder erbricht das Getrunkene sofort wieder, sollte der Tierarzt aufgesucht werden. Als mildes Hausmittel haben sich wenige Esslöffel Jogurt zum Aufbau der bakteriellen Darmflora oder geriebene, gedünstete Karotten gegen Durchfall bewährt.

Hierbei ist aber zu erwähnen, dass die individuelle Verträglichkeit und Akzeptanz dieser Nahrungsmittel sehr unterschiedlich sein kann. Wenn der gewünschte Erfolg nicht innerhalb von 1 bis 2 Tagen eintritt, gehört der Vierbeiner zum Tierarzt. Bei Verstopfung kann Feigensirup helfen, generell ist aber Lactulose aus der Apotheke als Abführmittel vorzuziehen.

Gut fürs Fell: Distel- und Lachsöl

Da für stumpfes Haarkleid und schuppige Haut neben fehlerhafter Ernährung auch noch viele verschiedene krankhafte Ursachen in Frage kommen, muss vor der Anwendung von Hausmitteln eine tierärztliche Untersuchung des betroffenen Vierbeiners erfolgen. Können jedoch Hauterkrankungen, hormonelle Störungen oder Lebererkrankungen vom Tierarzt ausgeschlossen werden, dann hat sich schon oft der Einsatz von kaltgepresstem Distelöl oder Lachsölpräparaten bewährt. Ein Esslöffel pro Tag zeigt innerhalb von wenigen Wochen eine Verbesserung des Fellglanzes und eine verminderte Schuppenbildung. Vorraussetzung für den erfolgreichen Einsatz jeglichen Futterzusatzstoffes ist natürlich die Verträglichkeit, die bei jedem Tier individuell zu prüfen ist.

Inhalieren hilft auch Tieren

Wer kennt die Auswirkungen einer lästigen Verkühlung mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit nicht auch aus eigener Erfahrung. Eine verlegte Nase macht das Atmen zur Qual und in der Luftröhre und den Bronchien verursacht zäher Schleim einen permanenten Hustenreiz. Auch bei unseren Haustieren kann hier eine Inhalationstherapie das Wohlbefinden steigern und den zähen Schleim verflüssigen, um das Abhusten zu erleichtern. Hierbei findet Salzwasser, Kamillen- oder Käsepappeltee Anwendung.

Wichtig ist dabei die nicht zu hohe Temperatur des dampfenden Wassers zu beachten. Nicht die Hitze führt zum Erfolg, sondern der Wasserdampf bzw. die hinzugefügten ätherischen Öle. Katzen werden zur Inhalation für 10 Minuten in ihren Katzenkorb gesetzt, Hunde zwischen zwei Sesseln platziert und ebenfalls für einige Minuten dem leicht dampfenden Wasser ausgesetzt. Auf jeden Fall darf diese Prozedur für das Tier nicht unangenehm oder gar mit Hitzestress verbunden sein.

Pfotenschutz mit Hirschtalg oder Vaseline

Im Winter sind wunde Pfoten nach Spaziergängen auf eisigen oder auf salzgestreuten Wegen leider immer wieder zu beobachten. Vor dem Verlassen der Wohnung auf die empfindlichen Pfoten des Vierbeiners aufgebrachter Hirschtalg oder Vaseline wirkt wasserund salzabweisend und schützt auch vor den scharfen Eiskristallen. Nach der Rückkehr nach Hause sollte trotzdem nicht auf die Pfotenpflege mit warmem Wasser – ohne Seife – verzichtet werden, um die Schmutzreste zu entfernen.

Viele Hausmittel haben sich aufgrund der einfachen und wirkungsvollen Anwendung bewährt. In den letzten Jahren haben auch einige Firmen die positiven Effekte dieser Substanzen anerkannt und sie in Medikamenten und Futterzusatzstoffen auf den Markt gebracht. Der Vorteil dieser Formulierungen ist die genaue, standardisierte und einfache Verabreichung für bereits getestete Indikationen. Damit kann sich der Anwender sicher sein, alles richtig zu machen. Treten dennoch Fragen auf, sind Ihr Tierarzt oder Ihre Tierärztin ideale Ansprechpartner.