Großer Juckreiz durch kleine Spinnentiere

Wenn Räudemilben Hunde quälen

Die Erreger von Haut- und Ohrräude sind winzige, als Milben bezeichnete Spinnentiere. Obwohl sie ihr Unwesen saison-unabhängig treiben, fallen die Komplikationen – zum Beispiel durch Bakterien und Pilze – in der warmen Jahreszeit deutlich heftiger aus. Vor allem Eiterbakterien verschlimmern häufig das Krankheitsbild. Bei Hauträude gibt es zwei Arten: die Demodex-Räude und die Sarkoptes-Räude.

Demodex-Räude (Demodikose)

Jasper, ein 16 Wochen alter Beagle-Welpe entwickelte sich gut, war quietschvergnügt, aber eines Tages fiel auf, dass das Hundegesichtchen wie von Motten zerfressen aussah. Kleine haarlose Stellen an Oberlippe, Augenlidern, Nasenrücken und Stirnbereich entstellten das hübsche Beagle-Gesicht. Die rasch aufgesuchte Tierärztin nahm von den betroffenen Stellen einige Hautgeschabsel und begutachtete diese unter dem Mikroskop. Der Befund war eindeutig: Demodex-Milben! Jasper litt an lokalisierter Demodex-Räude.

Demodex-Milben – auch  Haarbalgmilben genannt – leben und vermehren sich in den Haarwurzeln und den Talgdrüsen. Demodikose kommt vor allem bei jungen Hunden in lokalisierter Form vor und äußert sich, wie bei Jasper, in kleinen, geröteten haarlosen Stellen im Gesicht. Demodex-Milben werden meist schon vom Muttertier auf die wenige Tage alten Welpen übertragen. Zum Ausbruch der Erkrankung kommt es jedoch erst später, wenn sich die Milben stark vermehren. Bei Krankheitsausbruch verursachen die Milben eine Schädigung der Haarfollikel und eine Störung der Haarbildung – haarlose Stellen sind die Folge davon. Lokalisierte Demodikose beim Junghund heilt häufig auch ohne Therapie, kann aber im schlimmsten Fall auch in die generalisierte Form übergehen.

Beim erwachsenen Hund ist die Sachlage eine andere: Viele erwachsene Hunde sind Träger der Demodex-Milbe ohne Symptome zu zeigen. Erst durch äußere Einflüsse wie falsche oder mangelhafte Ernährung, übertriebene Hautpflege und Stress oder durch Immunsuppression (z.B. bei längerer Kortisontherapie) kann die generalisierte Form der Demodikose ausgelöst werden. Bei dieser Form fällt an den haarlosen Stellen eine vermehrte Talgbildung oder auch Schuppenbildung auf. Im weiteren Verlauf kann es zu einer grauen Verfärbung der Haut mit heftigem Juckreiz kommen. Durch Sekundärinfektion mit Eiterbakterien entstehen eitrige Entzündungen der Haarfollikel, Furunkel und ausgedehnte eitrige Entzündungen der Haut. Die generalisierte Demodex-Räude ist in manchen Fällen kaum beherrschbar und kann im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Sarkoptes-Räude

Seit einigen Tagen leidet Arcos Frauchen an einem schlimmen Hautausschlag mit Bläschen und Pusteln, verbunden mit kaum aushaltbarem Juckreiz. Der konsultierte Hausarzt stellt eine sogenannte Pseudo-Krätze fest, die durch die Übertragung von Räudemilben von einem Hund auf den Menschen entsteht. Aber Arcos Frauchen kann sich nicht erklären, wo sie sich die Milben eingefangen haben könnte, wo doch Fell und Haut ihres Schäferhundes keine Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Der auf Drängen des Hautarztes zugezogene Tierarzt stellt nach einem Hautgeschabsel fest, dass Arco ein stiller Träger von Sarkoptes-Räudemilben ist.

Die Sarkoptes-Räude des Hundes ist eine hochansteckende parasitäre Hauterkrankung, die durch Grabmilben (Sarkoptescanis) hervorgerufen wird. Grabmilben leben auf der Körperoberfläche und ernähren sich von den obersten Hautschichten. Zur Eiablage graben die Weibchen mit ihren scharfen Mundwerkzeugen tiefe Gänge in die Haut und ernähren sich dort von Keratin und Gewebsflüssigkeit.

Das Herumkrabbeln der Milben verursacht heftigen Juckreiz, vor allem in der Nacht und in wärmerer Umgebung. Schuppige, krustig-borkige Hautveränderungen – bevorzugt an den Außenseiten der Ohrmuscheln und an Ohrrändern, Ellbogen und Bauch – sind typisch für den Befall mit Grabmilben. Infolge des starken Juckreizes kratzen sich die betroffenen Hunde heftig oder beißen sich in die juckenden Hautstellen. Die Hautverletzungen, die sie sich dabei selbst zufügen, sind wiederum ein guter Nährboden für Eiterbakterien, so dass häufig Pyodermien (Eitrige Hautentzündungen) entstehen.Die Ansteckung mit Sarkoptes-Räude erfolgt meist durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren, wobei es in einem Haushalt mit mehreren Hunden auch „stille Träger“ der Sarcoptesmilbe geben kann, die keinerlei Symptome zeigen, aber eine dauernde Infektionsquelle darstellen. Eine Übertragung aus der Umgebung, zum Beispiel über Bürsten oder Liegeplätze, ist ebenfalls möglich. Auch der Mensch kann sich mit Sarkoptes-Milben anstecken. Als Symptome zeigen sich kleine Pusteln, Bläschen und heftiger Juckreiz. Da der Mensch für Grabmilben ein Fehlwirt ist, auf dem sich die Milben nicht vermehren können, heilt die Krankheit – sofern nicht ständige Neuinfektionen über ein räudekrankes Tier erfolgen – innerhalb von zwei Wochen auch ohne Behandlung ab.

Ohrräude (Otitis externa parasitaria)

Dackel Poldis Besitzer können keine Nacht mehr schlafen: Poldi kratzt sich wie besessen an den Ohren, und wenn er damit aufhört, dann schüttelt er den Kopf so heftig, dass seine Ohren ein Geräusch machen wie beim Clicker-Training. Außerdem riecht er ausgesprochen unangenehm aus dem Ohr. Herrchen und Frauchen sind sehr besorgt. Die Diagnose des Tierarztes erfolgt prompt: Bereits bei der Begutachtung des Gehörgangs mit dem Otoskop sind Ohrmilben als dunkle, bewegliche Punkte zu sehen. Der Tierarzt sichert seine Diagnose noch durch eine mikroskopische Untersuchung des dunklen Exsudates ab – Poldi leidet an Ohrräude.

Ohrmilben, die Erreger der Ohrräude, sind die häufigsten in den Gehörgängen von Hunden nachgewiesenen Parasiten. Mit ihren beißenden Mundwerkzeugen schädigen sie die Auskleidung des Gehörganges und ernähren sich von austretendem Blut und Epithelzellen. In der Folge steigern die Zeruminaldrüsen die Produktion von Ohrenschmalz, welches sich mit Blut und Epithelzellen zum typischen krümeligen, schwarzbraunen, kaffeesatzartigen Ohrräude-Exsudat mischt. Dieses muss vom Tierarzt in langwierigen, für den Hund oft schmerzhaften Sitzungen entfernt werden. Auch die Innenseiten der Ohrmuscheln können von schwarzbraunen Krusten bedeckt sein. Betroffene Hunde leiden unter quälendem Juckreiz und kratzen sich heftig – oft bis zur Selbstverstümmelung. Durch heftiges Schütteln des Kopfes und Reiben der Ohren am Boden oder an harten Gegenständen suchen sie Linderung. Unbehandelt kommt es an der geschädigten Haut des Gehörgangs zur Sekundärinfektion mit Bakterien. Als Komplikation kann die Ohrräude das Trommelfell durchbrechen und auf das Mittel- und Innenohr übergreifen.

Wichtig: Auch Katzen leiden sehr häufig an Ohrräude und können Hunde damit anstecken. Abhilfe schaffen spezielle Spot-ons für Katzen, die neben Flöhen, Zecken und Würmern auch gegen Ohrmilben bei Samtpfoten wirken.

Mögliche Komplikationen einer chronischen Ohrräude

● Blutohr: Da Tiere, die an chronischer Ohrräude leiden, sich ständig an den juckenden Ohren kratzen und heftig mit dem Kopf schütteln, schlagen besonders bei langohrigen Rassen die Ohrmuscheln häufig gegen feste Gegenstände. Die Folge davon ist ein Bluterguss zwischen den beiden Knorpelschichten des Ohres. Dem Hundebesitzer fällt auf, dass das Ohr prall gefüllt und geschwollen ist. Ein schmerzhafter Zustand für das Tier. Ohne Behandlung ist keine Besserung zu erwarten, da das Blut normalerweise im Knorpel nicht gerinnt. Meist hilft nur eine Operation.

● Mittelohrentzündung: Diese kann entstehen, wenn es im Laufe einer chronischen Ohrräude zum Durchbruch der Entzündung durch das Trommelfell kommt. Verantwortlich dafür sind einerseits Ohrmilben, die sich durch die dünne Membran des Trommelfells fressen, andererseits tragen dazu auch Superinfektionen mit Eiterbakterien bei. Anzeichen für eine Mittelohrentzündung sind Schiefhaltung des Kopfes und Gleichgewichtsstörungen. Wenn der Tierarzt bei der Besichtigung des

Gehörgangs mit dem Ohrtrichter eine milchige Trübung des Trommelfells durch Flüssigkeitsansammlung oder Eiter im Mittelohr feststellt, muss eine Punktion des Trommelfells zur Linderung des akuten Schmerzes durchgeführt werden.

Pododemodikose

Eine Sonderform des Befalls mit Demodex-Milben ist der Befall der Pfoten. Die Haut im Zwischenzehenbereich ist gerötet und geschwollen, im weiteren Verlauf bilden sich Knötchen und Eiterfisteln. Es entsteht das Bild eines chronischen Zwischenzehenekzems (Pododermatitis).

Gegen Milben kann man etwas tun

Sehr beliebt zur Vorbeugung und Therapie von Parasiten sind Kautabletten, weil sie in der Anwendung einfach und in der Wirkung effektiv sind. Es gibt inzwischen sogar Kautabletten, die nicht nur gegen Flöhe und Zecken, sondern auch gegen Grab-, Haarbalg- und Ohrmilben wirken und in Österreich für alle genannten Erkrankungen zugelassen sind. Monatlich verabreicht können so alle relevanten Hautparasiten bei Hunden zügig und zuverlässig abgetötet werden. Ihr Tierarzt wird Sie gerne darüber informieren.