Grenzenlose Tiermedizin?

Grenzenlose TiermedizinDie Fortschritte in der Veterinärmedizin machen es möglich, dass beinahe alle Behandlungsverfahren, die in der Humanmedizin zum Einsatz kommen, auch zum Wohle unserer kranken Haustiere eingesetzt werden können. Vom künstlichen Hüftgelenk über Physiotherapie und Rehabilitation bis hin zur komplexen Krebstherapie und noch vielem mehr, stehen Tierärzten die verschiedensten Behandlungsmöglichkeiten für ihre tierischen Patienten offen. Und gerade dies erregt den Unmut mancher Medienleute. Diese vermuten einerseits, dass Tiere zu lange am Leben gehalten werden, weil der Tierarzt daran verdienen möchte oder der Besitzer nicht loslassen kann, andererseits befürchten sie, dass chronisch kranke oder gehandicapte Tiere durch die neuen Therapiemöglichkeiten möglicherweise Schmerzen und unnötigem Leiden ausgesetzt sind. Ja, es scheint fast so, als ob die deutschsprachige Presselandschaft ein neues Lieblingsthema für sich entdeckt hätte: So lautete die Titelzeile des deutschen Magazins „Spiegel online“ unverkennbar provokant „Hunde, wollt ihr ewig leben?“ Auch ein in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ erschienener Gastkommentar sprach mit unüberhörbar kritischer Tendenz von der ethisch angeblich kaum noch vertretbaren „Hightech-Medizin“ für Haustiere.

Neue Möglichkeiten verantwortungsvoll einsetzen
Die Realität sieht jedoch so aus, dass Tierärzte sehr wohl in der Lage sind, die vorhandenen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten abzuwägen und dann die für den vierbeinigen Patienten richtige Lösung auszusuchen – und sei es im hoffnungslosen Fall auch die Einschläferung. Mehr als jeder andere Mitbürger sind Tierärzte dem Tierschutzgesetz moralisch verpflichtet, und gerade das neue österreichische Tierschutzgesetz beinhaltet den Schutz der Tiere vor Leiden und Schmerzen und bietet somit die Basis für Therapien, welche unseren tierischen Gefährten bei guter Lebensqualität die Lebenszeit verlängern. So schreibt §7 des Tierschutzgesetzes im Absatz 3 ausdrücklich „Schmerztherapie für Tiere“ vor. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass Tierärzte, die eine medizinische Betreuung nach dem aktuellen Wissensstand der Tiermedizin anbieten, auch mit Selbstverständlichkeit eine optimale Schmerztherapie durchführen. Nasentropfen-Impfung gegen Zwingerhusten Asthmakranke Katze beim Inhalieren

Unbegründete Vorbehalte gegenüber Chemo- und Strahlentherapie
Große Vorbehalte gibt es bei einigen Medien, aber leider auch noch immer bei Tierhaltern, gegenüber den Möglichkeiten der Tumormedizin (Onkologie). Obwohl Chemo- und Strahlentherapie neben der Chirurgie auch aus der tiermedizinischen Onkologie nicht mehr wegzudenken sind, haftet diesen Methoden der Ruf von Schmerz und Leiden an. So wird der zwar gut gemeinte, aber angesichts der heutigen medizinischen Möglichkeiten nicht mehr angebrachte Zugang „das tue ich meinem Tier nicht an“ noch allzu oft zu einem ungewollten und unbewussten Todesurteil für unzählige vierbeinige Krebspatienten. Dr. Michael Willmann von der Veterinärmedizinischen Universität Wien erklärt dazu: „Dabei sind die aus der Humanmedizin bekannten, oft schwerwiegenden Nebenwirkungen der Chemotherapie bei Tieren trotz der Verwendung gleicher Medikamente deutlich geringer. Die Ursache dafür liegt in der geringeren Dosierung der Zytostatika. Internationale Studien belegen, dass chemotherapeutische Behandlungen bei Tieren nur bei weniger als 5% der Patienten schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben. Bei den meisten vierbeinigen Krebspatienten können die Nebenwirkungen bereits durch Vorsorgemaßnahmen vermieden werden oder sind als milde Nebenwirkungen zu bewerten und damit sehr gut behandelbar.“ „Auch die Nebenwirkungen der Strahlentherapie sind bei Tieren Katze beim Lungenfunktionstest Schnelltests erleichtern die Diagnose meist deutlich milder als beim Menschen“, erklärt Prof. Dr. Miriam Kleiter von der „Plattform Strahlentherapie“. „Das ist einerseits darauf zurückzuführen, dass beim Tier weniger aggressiv bestrahlt wird, andererseits auf eine geringere Empfindlichkeit von Hund und Katze. Besonders Katzen reagieren auf Bestrahlungen sehr unempfindlich“, führt die Expertin aus.

Recht auf Leben auch für Tiere mit Handicap
Ebenfalls im Zentrum der medialen Kritik stehen Physiotherapie für Tiere und orthopädische Hilfsmittel für Vierbeiner mit körperlichen Behinderungen. Jedoch einerseits Schmerzen zu beklagen und andererseits die gerade im orthopädischen Bereich besonders effektiven Therapiemöglichkeiten abzulehnen, zeugt nicht gerade von einem vertieften Verständnis der Zusammenhänge in der medialen Berichterstattung. Können doch Massagen, Unterwasserlaufband und andere physiotherapeutische Methoden zum Beispiel aus einem bewegungsunlustigen Arthrose-Hund wieder ein fröhliches, bewegungsfreudiges Tier machen oder die Heilung nach einer Gelenksoperation beschleunigen. Auf besonders wenig Verständnis bei manchen Journalisten, aber auch manchen anderen Mitmenschen, stoßen orthopädische Hilfsmittel für gehandicapte Tiere wie Gliedmaßen-Prothesen oder Rollwägen für gelähmte Hunde. Aber wer einmal gesehen hat, mit welcher Lebensfreude ein derart unterstütztes Tier sein Leben meistert, wird eines Besseren belehrt sein. Hirnstrommessung bei einer Katze

Wichtig: Aufklärung des Besitzers über alle Behandlungsmöglichkeiten
Es steht zwar immer wieder die Frage nach dem ethischen Umgang mit den neuen Möglichkeiten der modernen Tiermedizin im Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen, aber selten wird dabei erwähnt, dass mangelnde Aufklärung des Tierhalters über ALLE therapeutischen Möglichkeiten dem Tier die eventuelle Chance auf Leben nimmt. Und dass dem Tierhalter damit entscheidende Möglichkeiten versagt bleiben: nämlich die Freiheit, sich bewusst FÜR das Leben seines Tieres zu entscheiden, und vor allem auch die Fähigkeit, sich eines Tages leichter mit dem Unabwendbaren abzufinden – im Bewusstsein, dass alles Menschenmögliche für das kranke Tier getan wurde. Tiere legen Ihr Leben vertrauensvoll in die Hände ihres Menschen. Gerade deshalb ist es unsere wichtigste Aufgabe, für jedes von ihnen – bewusst, individuell und im Vertrauen auf eine lückenlose Beratung durch den behandelnden Tierarzt – die richtigen Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die den medizinischen Möglichkeiten und dem wissenschaftlichen Kenntnisstand unserer Zeit entsprechen. So dass im Idealfall die Erkrankung geheilt werden kann oder aber über einen längeren Zeitraum hinweg eine optimale Lebensqualität erhalten bleibt. Dabei ist die zu erwartende Überlebenszeit durchaus relativ zu betrachten. Ein Jahr mag gemessen am menschlichen Lebenszyklus wenig erscheinen, für den Hund hingegen bedeutet ein Jahr eine lange Zeit – Leben, das gelebt werden kann und will! Therapie schützt Leben und ist damit in letzter Konsequenz aktiver Tierschutz! Ultraschall ist aus der bildgebenden Diagnostik nicht mehr wegzudenken Vorbereitung zur Operation Timmy als Model im Magnetresonanztomographen – echte Patienten müssen narkotisiert werden