Gnadenhof für Schildkröten

Neue Heimat für „entsorgte“ Panzertiere

Schildkröten leben seit 240 Millionen Jahren auf unserem Planeten. Sie haben die Eiszeit und die Dinosaurier überlebt, der Mensch jedoch hat es in den letzten 50 Jahren geschafft, dass 60 Prozent der Schildkröten-Arten vom Aussterben bedroht sind. Hauptursache dafür ist die Jagd nach ihrem Fleisch oder nach ihrem Panzer, weil es noch immer Menschen gibt, die denken, dass man dadurch die Langlebigkeit einer Schildkröte erhält oder der zerriebene Panzer die Potenz verstärkt und erhält. Aber nicht nur dummer Aberglaube, sondern auch der voranschreitende Verlust ihres Lebensraumes machen diesen Tieren sehr zu schaffen. Leider werden auch immer wieder junge Schildkröten aus einer Laune heraus illegal aus Urlaubsländern mit nach Österreich gebracht. Abgesehen davon, dass in den meisten Fällen das Wissen über die richtige Haltung dieser exotischen Tiere fehlt, wird auch nicht daran gedacht, wie groß und wie alt diese Tiere werden können. Das Ende vom Lied ist dann, dass die Schildkröte entweder in einem Tierheim abgegeben oder einfach brutal ausgesetzt wird.

Wir wollten helfen

Seit beinahe 30 Jahren kümmern wir uns immer wieder um nicht mehr gewollte oder gefundene Schildkröten. In den letzten Jahren fiel dann zunehmend auf, dass mehr und mehr dieser wundervollen Tiere in Tierheimen landen und diese natürlich nicht auf Reptilien ausgerichtet sind. Hier wollten wir ansetzen und die Tierheime unterstützen. Also suchten wir Kontakte zum Veterinäramt, zur Artenschutzbehörde, zum Nationalpark Donauauen, zur Tierärztekammer, zum Haus des Meeres und natürlich zu den Tierheimen. Die Wichtigkeit dieser Arbeit stellte sich sehr schnell heraus, und auch wir waren überrascht, wie viele Tiere hier abgegeben wurden. Es war unvermeidlich, einen Gnadenhof über unser komplettes Grundstück in der Gemeinde Grafenwörth in Seebarn am Wagram zu errichten. Wir sehen uns auch als Auffangstation für Schildkröten und nach reichlicher Prüfung des Veterinäramtes erhielten wir bereits die mündliche Zusage für den Status „Schildkrötentierheim“ – das einzige Schildkrötentierheim Österreichs! Dieser Status erlaubt uns, die Schildkröten auf passende Plätze weiterzuvermitteln. Neben vielen Medien berichtete auch der ORF bereits über unseren Gnadenhof, was aber leider auch zur Folge hatte, dass noch mehr Tiere hier abgegeben wurden. Mittlerweile befinden sich über 300 Schildkröten hier. Von Riesenschildkröten, Weich- und Sumpfschildkröten bis hin zu Alligatorschildkröten fanden alle möglichen Arten den Weg zu uns.

Krank durch falsche Haltung

Schildkröten sollten keinesfalls in Aquarien oder Terrarien gehalten werden. Kein UVB-Licht kann auf Dauer das Sonnenlicht ersetzen. Auch werden sehr viele dieser Tiere komplett falsch ernährt, was zu schweren Missbildungen und Deformationen des Panzers führt. Es befinden sich bereits viele solch deformierter Tiere bei uns. Diese Deformationen sind irreparabel.

Sehr oft werden auch männliche Tiere abgegeben, weil das Weibchen gestorben ist. Bei den meisten Schildkrötenarten sollte man für ein Männchen zumindest drei Weibchen halten. Leider erzählen die Menschen sehr oft, dass sie bis zu zehn Tiere haben und es mehr Männchen als Weibchen gibt. Diese Weibchen werden so sehr von den Männchen gestresst, dass sie daran sterben können. Sie können meist nicht mal ihre Eier in Ruhe ablegen, was sehr oft zur Legenot führt, an der die Tiere auch sterben können. Man darf auch niemals vergessen, dass alle Schildkrötenweibchen – genau wie Hühner – auch ohne Männchen Eier legen. Deshalb muss immer darauf geachtet werden, dass man den Tieren einen guten, sonnigen Platz zur Verfügung stellt, an dem sie Eier legen können.

Quarantäne für Neuzugänge

Jedes ankommende Tier wird vorerst unter Quarantäne gestellt. Denn Schildkröten können Träger von vielen Krankheiten sein. So sind zum Beispiel Mykoplasmen auf dem Vormarsch: Betroffene Tiere röcheln leise, haben eine verschnupfte Nase und sind müde und appetitlos. Auch auf Picornavirus wird getestet – obwohl dies eher selten vorkommt. Sehr gefährlich für Schildkröten ist das Herpesvirus. Setzt man ein Herpestier zu seinem Bestand, muss man damit rechnen, dass 90 Prozent des Bestandes nach kurzer Dauer tot sind. Diese Erkrankung kann sich aber immer wieder ins zentrale Nervensystem zurückziehen und bleibt dann bei Tests unerkannt. Beim nächsten Stress bricht die Krankheit wieder aus und infiziert andere Schildkröten.

Deshalb sollte man Schildkröten bis zu einem Jahr lang unter Quarantäne stellen und immer wieder testen. Ein gefundenes Tier einfach zu seinem Bestand dazusetzen ist unverantwortlich.

Töten sollte nicht die Lösung sein

Im Jahre 2016 wurden viele Tier- und Pflanzenarten auf die Liste der invasiven Arten gesetzt. Darunter auch alle Schildkröten der Gattung Trachemys, also alle Rot- und Gelbwangen, aber auch die Cumberlandschildkröten. Dieses Gesetz schließt die Tötung dieser Tiere ausdrücklich mit ein, was wir so gar nicht akzeptieren können. Natürlich gefährden sie das ökologische Gleichgewicht, weil sie die einzig heimische Schildkröten-Art, die europäische Sumpfschildkröte, verdrängen und natürlich Kröten, Lurche oder die Eier von Bodenbrütern fressen. Aber man könnte diese Tiere auch einfangen und in einen großen, eingezäunten Teich setzen. Im letzten Jahr wurde dann auch noch das neue Tierschutzgesetz publiziert, in dem festgelegt ist, dass keine Tiere mehr inseriert werden dürfen. Was natürlich auf der einen Seite gut ist, auf der anderen aber die Menschen dazu veranlasst, ihre Schildkröten auszusetzen.

Es wird eng bei uns

Amtstierärzte aus halb Österreich kontaktieren uns bereits mit der Bitte, ihre Fundtiere hier abgeben zu dürfen. Aber wir haben nur ein begrenztes Grundstück, und es wird langsam eng. Über den Winter sind die Tiere bereits in 6 Räumen untergebracht – 35 verschiedene Arten, die allesamt anders zu überwintern sind. Für den Sommer haben wir viele Quarantänebecken, viele Quarantänezonen, dazu einige Landzonen für die verschiedenen Landtiere und vier angelegte Teiche von 20 bis 100 Quadratmeter Größe. Die Teiche, aber auch die Landzonen bieten den Tieren genügend Möglichkeiten um sich zu verstecken, ihre Eier abzulegen oder sich in einem Glashaus an kühleren Tagen aufzuwärmen. Jedes ankommende Tier wird tierärztlich untersucht, fotografiert, vermessen und erhält eine eigene Kartei. Mittlerweile kommen beinahe jedes Wochenende Besucher, die unseren Gnadenhof und die Tiere besuchen möchten. Aber auch der Andrang an abgegebenen oder gefundenen Tieren reißt nicht ab. Deshalb sind wir schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Grundstück, um auch weiterhin diesen wundervollen Tieren ein möglichst artgerechtes Leben bieten zu können.


Wie Sie helfen können

Mit einer allgemeinen Patenschaft zum Preis von € 5 / Monat
Mit einer Patenschaft für eine bestimmte Schildkröte zum Preis von € 10 / Monat
Mit einer Spende

Spendenkonto: Sparkasse Langenlois, Verein RespekTurtle,
IBAN: AT18 2023 0000 0050 8689 • BIC: SPLSAT21XXX

Markus Putzgruber
Obmann von RespekTurtle und Obmann des Gnadenhofes
in Seebarn am Wagram
Tel.: 0676/9585456
www.respekturtle.at