Gefiederte Individualisten in Vösendorf

Ein Besuch bei der Arbeitsgemeinschaft PapageienschutzEines haben die Papageien wohl fast allen anderen tierischen Gefährten des Menschen voraus: Sie können – dank ihrer Kommunikationsfreude und ihres Nachahmungstalentes – unsere Sprache „sprechen“! Dabei zeugt es von ihrer besonderen Intelligenz, mit den Begriffen auch wirkliche Inhalte zu verbinden: Viele dieser ebenso individuellen wie charakterstarken Vögel wissen sehr genau, welche Begebenheiten bestimmten Wortklängen folgen, dass „Guten Morgen“ eine Begrüßung bedeutet und „Gute Nacht“ einen Abschied beinhaltet.

Sachkundige und hochprofessionelle Betreuung erforderlich

„Papageien sind ausgesprochen charakterstarke Tiere“, berichtet die Biologin Catarina Güttner, Leiterin des Papageienheims in Vösendorf. „Wir haben 150 verschiedene Charaktere hier. Sie alle haben auch ihre Stimmungsschwankungen, Tage, an denen sie gut oder eher schlecht aufgelegt sind. Es gibt die ruhigeren, die aufgeweckten, die neugierigen Papageien, sie sind alle verschieden. Ich hätte mir zu Beginn meiner Arbeit hier niemals vorstellen können, einmal alle Graupapageien unterscheiden zu können. Damals habe ich mir ihre Abzeichen und Ringe gemerkt, um sie auseinanderzuhalten, heute erkenne ich alle an ihrem Charakter, ihrem Gesicht, der Art und Weise, wie sie mir entgegenkommen. Sie sind Individualisten.“ Der kleine private Tierschutzverein „Arbeitsgemeinschaft Papagei- enschutz“ führt und betreut das Papageienheim, das auf dem Gelände des Wiener Tierschutzhauses in Vösendorf beheimatet ist, in einer sachkundigen und hochprofessionellen Art und Weise. Insbesondere auf Großpapageien spezialisiert, betreut das engagierte Team rund um die Obfrau und Biologin Nadja Ziegler derzeit 150 Tiere und arbeitet damit am Rande seiner Kapazitäten. Dennoch entsprechen die Haltungsbedingungen den besonderen Anforderungen der Wildtiere, und viele der bunten Schützlinge haben erst im Papageienheim eine neue Chance auf ein artgerechtes Leben gefunden.

„Es gibt dramatische Einzelschicksale“, erzählt Catarina Güttner, „zum Beispiel Jakob, der heute 45 Jahre alt ist und 42 Jahre seines Lebens in einem Rundkäfig verbrachte. Seit er bei uns ist, hat er sich wirklich positiv entwickelt. Er hat eine Partnerin gefunden und kann mittlerweile auch ein Stückchen fliegen. Wir haben auch Aras hier, die aus Wohnzimmerhaltungen stammen, doch dazu sind diese Vögel nicht geschaffen. Manche unserer Papageien schauen ein wenig gerupft aus, was viele Leute vielleicht abschreckt, aber dies ist ein Folgeproblem aus der Vergangenheit der Tiere und gehört zu den typischen Verhaltensstörungen, die vor allem bei Einzelhaltung auftreten. Dabei ist das Federrupfen hauptsächlich bei Aras und Graupapageien zu beobachten, Amazonen neigen eher dazu, aggressiv zu werden, Kakadus legen ein Dauergeschrei an den Tag. Bei Vögeln, die schon 30 Jahre lang gerupft haben, wachsen keine Federn mehr nach, insofern haben wir auch ein paar Nackerbatzeln hier sitzen. Papageien sind monogame Tiere, die mit einem Partner zusammenleben wollen. Graupapageien kommen zudem oft in großen Schwärmen vor, und so haben auch wir hier mehrere große Graupapageiengruppen, in denen sich die Tiere sehr wohl fühlen.

Papagei sucht Partner

Das Bedürfnis der Papageien, mit einem Partner zusammenzuleben, ist denn auch zur wichtigsten Grundlage der Vermittlung der Tiere in ein neues Zuhause geworden. Die Paarhaltung ist Grundvoraussetzung einer artgerechten Papageienhaltung, und so steht die Vergesellschaftung, die Partnervermittlung, im Zentrum der Vermittlungsarbeit. „Wir vergeben die meisten Vögel im Zuge der …und leben in Vösendorf in entsprechend geräumigen Volieren …dann kommt der Leckerbissen zum Vergesellschaftung“, erläutert Catarina Güttner. „Wenn Leute einen einzelnen Vogel halten und ihn behalten möchten, dann bringen sie diesen Vogel zu uns, er sucht sich hier bei uns einen Partner und kommt dann gemeinsam mit dem neuen Gefährten zurück in sein Zuhause.

Beim Gang entlang der vielen Volieren des Papageienhauses fällt vor allem eines auf: Trotz der vordergründig grauen Atmosphäre des Tierheims sind es die schillernde Farbenpracht der Tiere, ihre Neugier, ihre Versuche, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, die dominieren und nur noch diese bunten Wunder der Natur voller Energie und Lebenswillen sehen lassen. Wir lernen „Mozart“ kennen, unverkennbar mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet, aber auch Vögel, die nicht mehr fliegen, sondern nur mehr hüpfen können, da schlechte Haltungsbedingungen ihre Muskulatur nachhaltig geschädigt haben – oder ein Pärchen mit Handicap: der eine Vogel mit Herz-Kreislauf-Schwäche, der andere mit einem Sehproblem.

Papageien wollen beschäftigt werden

Das engagierte Pflegeteam der Arbeitsgemeinschaft aber lässt sich einiges einfallen, um den Alltag seiner Schützlinge so angenehm wie möglich zu gestalten. „Beschäftigung ist das Um und Auf in der Papageienhaltung“, berichtet Catarina Güttner von der alltäglichen Arbeit mit den Vögeln. „Papageien sind auf dem Stand von Abwechslung, sonst langweilen sie sich schnell. Zu den wichtigsten Spielsachen gehören Kartons, die sie mit Freude zerlegen, oder grüne Äste. Wir basteln sehr viel selber aus unbehandeltem Holz oder Papprollen, in denen Nüsse oder wiederum andere Spielsachen versteckt werden. Wir haben Schaukelspiralen, die die Vögel lieben, Denkspielzeug, bei dem die Tiere eine Aufgabe lösen müssen, bevor sie ans Futter kommen. Zudem sind wir unseren ehrenamtlichen Helfern sehr dankbar – und freuen uns auch immer über neue Unterstützer! –, die kommen und mit den Vögeln kommunizieren, sich mit ihnen beschäftigen, sie auch duschen. Das haben sie besonders gerne, eine frische Dusche mit Blumensprühflaschen, aber das wesentliche daran ist die Interaktion mit dem Menschen, denn die Vögel kommen aus privater Haltung und sind an den Menschen gewöhnt. Sie hören auch ausgesprochen gerne Musik, vorzugsweise Klassik. Elektronische Musik kommt weniger gut an, das macht sie eher nervös.Sie sind auch in diesen Punkten Individualisten mit eigenen Vorlieben,

wobei es natürlich auch eine Rolle spielt, wo sie gelebt haben und aufgewachsen sind.“4-jährigen Kindern oder von Schimpansen. Sie brauchen sehr viel Abwechslung, sonst langweilen sie sich schnell. Zu den wichtigsten Spielsachen gehören Kartons, die sie mit Freude zerlegen, oder grüne Äste. Wir basteln sehr viel selber aus unbehandeltem Holz oder Papprollen, in denen Nüsse oder wiederum andere Spielsachen versteckt werden. Wir haben Schaukelspiralen, die die Vögel lieben, Denkspielzeug, bei dem die Tiere eine Aufgabe lösen müssen, bevor sie ans Futter kommen. Zudem sind wir unseren ehrenamtlichen Helfern sehr dankbar – und freuen uns auch immer über neue Unterstützer! –, die kommen und mit den Vögeln kommunizieren, sich mit ihnen beschäftigen, sie auch duschen. Das haben sie besonders gerne, eine frische Dusche mit Blumensprühflaschen, aber das wesentliche daran ist die Interaktion mit dem Menschen, denn die Vögel kommen aus privater Haltung und sind an den Menschen gewöhnt. Sie hören auch ausgesprochen gerne Musik, vorzugsweise Klassik. Elektronische Musik kommt weniger gut an, das macht sie eher nervös. Sie sind auch in diesen Punkten Individualisten mit eigenen Vorlieben, wobei es natürlich auch eine Rolle spielt, wo sie gelebt haben und aufgewachsen sind.“

Umgebung an den natürlichen Lebensraum annähern

Spezielle Vogellampen, die UV-Licht abgeben und damit Mangelerscheinungen der ursprünglich sonnenverwöhnten Tiere verhindern helfen, gehören ebenso zur Ausstattung des Papageienhauses wie Außenvolieren, die den Tieren vor allem in der wärmeren Jahreszeit einen Flug ins Freie ermöglichen. „Im Sommer haben wir dort auch eine Regenanlage, die wir an wirklich heißen Tagen aufdrehen. Dann ist es feucht und heiß, und die Papageien genießen ihr ureigenes tropisches Klima“, sagt Catarina Güttner und fasst die idealen Lebensbedingungen zusammen: „Diese Vögel sind letztlich Wildtiere und brauchen ihren eigenen Lebensraum, aber dennoch den Bezug zum Menschen. Das Wohnzimmer ist nicht unbedingt der Ort, der ihren natürlichen Bedürfnissen entgegenkommt. Sie brauchen eine abwechslungsreiche artgerecht eingerichtete Umgebung, die ihnen genügend Anreize zur Beschäftigung bietet und dazu eine intensive Kommunikation mit dem Menschen.“

Ölfrüchte aus Afrika

Um den Papageien in Vösendorf das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, entspricht natürlich auch die Fütterung vollends ihren Bedürfnissen, und ein Blick in den Kühlschrank hat durch aus einen gewissen Vorbildcharakter hinsichtlich einer gesunden Ernährungsweise. „Morgens schneiden wir zuerst einmal 7 bis 8 Kilogramm Gemüse und Obst“, berichtet Catarina Güttner, „aber die Papageien können durchaus auch mit uns ein wenig mit essen: Nudeln, Reis, gekochte Eier, ein bisschen Hühnerfleisch. Vermeiden sollte man in jedem Fall die beliebten Erdnüsse, die Hauptverursacher der Aspergillose sind, einer Pilzerkrankung der Lungen und Luftsäcke, und die daher keinesfalls gefüttert werden sollten. Höhepunkt unserer täglichen Fütterung sind die Ölfrüchte aus Afrika, die tiefgefroren bei uns ankommen und eine wertvolle Calzium- und Vitamin-B-Quelle darstellen. Eine Frucht pro Tag pro Vogel. Das lieben sie…“