Gefährlicher „Schliefhansl“

Grannen

Von Mai bis Oktober blüht in Mitteleuropa die Mäusegerste, im Volksmund meist als „Schliefhansl“ bezeichnet. Man findet dieses Ährengras an Straßen- oder Wegrändern, auf Feldern und in Siedlungen. Aber auch in Innenstädten gedeiht die Mäusegerste – z.B. unter Bäumen und auf Verkehrsinseln. Die mit winzig kleinen Widerhaken versehenen Grannen der Mäusegerste bleiben leicht an Kleidung oder im Fell von Tieren hängen, was ihrer Weiterverbreitung zugutekommt und eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Gesundheit von Vierbeinern darstellt. Wandern die Grannen doch mit Hilfe Ihrer Widerhaken vom Fell in Ohren, Nasenlöcher und Pfoten ein und verursachen ernst zu nehmende Beschwerden.

Lebensbedrohliche Zustände möglich

Dr. Armin Pirker von der Veterinärmedizinischen Universität Wien meint dazu: „Schliefhansl sind die klassischen Fremdkörper im Sommer, wobei Schliefhansllanghaarige Hunde besonders oft davon betroffen sind. Spießen sich Schliefhansl in die Nase ein, so verursachen sie anhaltendes Nießen und einseitigen blutigen Nasenausfluss. Plötzliches heftiges Ohrenschütteln mit deutlichen Schmerzäußerungen deutet auf eine Granne im Ohr hin. Durch das Schütteln wandert die Granne im Gehörgang weiter bis zum Trommelfell; wird dieses durchbohrt kommt es zur eitrigen Mittelohrentzündung. Im Zwischenzehenbereich eingespießte Grannen verursachen Lahmheit mit Schwellung und Entzündung der Pfote. Werden „Schliefhansl“ nicht gleich vom Tierarzt entfernt, wandern sie oft mit Hilfe ihrer Widerhaken immer tiefer ins Gewebe. Und kaum jemand weiß, dass so ein Schliefhansl von der Pfote bis ins Rückenmark oder von der Nase durch die Lunge in den Brustkorb wandern kann. Es können dadurch lebensbedrohende Zustände entstehen. Heilung ist dann nur mehr durch eine zum Teil aufwendige Operation möglich. So leicht die Diagnose des „frisch eingefangenen“ Fremdkörpers ist – bei der Besichtigung von Nase und Ohr mittels Endoskop bzw. Ohrspiegelung, bei der Pfote mit dem freien Auge – so schwierig wird sie, wenn der Schliefhansl ins Gewebe eingewandert ist: Röntgen und Ultraschall helfen hier nicht weiter; selbst mit Computertomographie entdeckt man diese winzigen Fremdkörper nur selten, da sie häufig von dichtem Entzündungsgewebe umgeben sind. Es ist daher ganz wichtig, Grannen noch an der Eintrittspforte zu entfernen. Tierhalter sollten nach jedem Spaziergang Pfoten und Ohrmuscheln kontrollieren. Zur Vorbeugung empfiehlt es sich, die Haare an den Pfoten und an den Ohren kurz zu halten und eventuell die Innenseite der Ohrmuscheln abzuscheren.“