Erste Hilfe für den Hund

Seit zwei Jahren bietet die Abteilung für Anästhesiologie und perioperative Intensivmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien Erste-Hilfe-Kurse für Hundebesitzer an. Der große Zulauf zu diesen Kursen zeigt, dass bei Tierbesitzern Bedarf an Wissen zu diesem Thema besteht. Jeder Hundehalter hofft zwar, dass sein Vierbeiner niemals in eine lebensbedrohliche Situation kommt, aber falls der Notfall doch eintritt, kann eine angemessene Reaktion und Erstversorgung lebensrettend sein. Auch tiermedizinische Laien können sich durch Fortbildung und Übung ein gewisses Grundwissen zum Untersuchungsgang und Notfallmaßnahmen erarbeiten. Dies ersetzt zwar keinesfalls die Therapiemaßnahmen beim Tierarzt, kann aber im Notfall das Leben des Tieres retten. Erstuntersuchung des Hundes Auch beim offensichtlichen Vorliegen von Verletzungen sollten Sie immer den nachfolgenden Untersuchungsgang beibehalten, um wichtige Symptome nicht zu übersehen. Gehen Sie nach dem Schema „TAPS“ vor: Temperatur, Atmung, Herz- und Pulsfrequenz/- qualität, Schleimhautfarbe und Durchblutungszeit. Diese wenigen Parameter geben Ihnen als Tierbesitzer bereits erste Auskünfte, welche Erstmaßnahmen zu treffen sind. Weiterhin gewinnen Sie wichtige Informationen, die Sie schon im Vorfeld ihrem Tierarzt mitteilen können, damit dieser, noch bevor der Hund in der Praxis ankommt, bereits die richtigen Vorbereitungen für die Weiterversorgung treffen kann.

Erste Hilfe für den Hund● Temperatur: Nicht immer ist ein Thermometer zur Hand, aber oft kann aber schon durch Befühlen des Tieres in Kombination mit der Umgebungstemperatur (heißer Sommertag?) ein Rückschluss auf die Körpertemperatur gezogen werden. Die Normaltemperatur des Hundes in Ruhe liegt etwas höher als beim Menschen bei 37.5 -38.5 °C, rektal gemessen.

● Atmung: Große Hunde haben normalerweise eine Atemfrequenz von 10 bis 30 Zügen pro Minute, kleine Hunde ca. 20 bis 50 Atemzüge pro Minute. Neben der Atemfrequenz kann man auch den Atmungstyp beurteilen: Achten Sie darauf, ob sich der Brustkorb Ihres Hundes gleichmäßig und regelmäßig hebt und senkt oder ob die Atmung angestrengt erscheint und die Bauchmuskulatur mitgenutzt wird, um die Ein-und/oder Ausatmung zu unterstützen? Achten Sie auch auf abnorme Atemgeräusche, da diese ein Hinweis auf erschwerte Atmung sein können.

● Herz-/Pulsfrequenz und Pulsqualität: Bei großen Hunden in Ruhe schlägt das Herz 60 bis 80mal in der Minute; bei kleinen Hunden 80 bis 120mal. Die Herzfrequenz ( Anzahl der Herzschläge pro Minute) können Sie bestimmen, indem Sie Ihre flache Hand auf das untere Brustkorb-Drittel auf der linken Seite des Hundes legen und den Herzschlag ertasten oder Sie hören den auf der rechten Seite liegenden Hund einfach ab. Zusätzlich sollten Sie auch die Pulsfrequenz ertasten: der Puls wird mit den Fingerspitzen in der Mitte der Innenseite des Oberschenkels gefühlt. Die zu tastende Arterie liegt strangförmig in einer Vertiefung zwischen mehreren Muskelbäuchen. Achten Sie darauf, ob es Unterschiede zwischen Herz- und Pulsfrequenz gibt (jeder Herzschlag sollte zu einer fühlbaren Pulswelle führen) und ob der Rhythmus von Herzund Pulsfrequenz gleichmäßig ist. Die ertastete Arterie sollte gut gefüllt und gespannt sein.

● Schleimhautfarbe und Durchblutungszeit: Durch das Hochziehen der Lefzen kann man die die Maulschleimhautfarbe beurteilen, die im Normalfall rosarot, feucht, glatt, glänzend und ohne Auflagerungen ist. Hat ihr Hund eine dunkel pigmentierte Schleimhaut, wird die Beurteilung schwierig! Blasse Schleimhaut kann auf einen niedrigen Blutdruck hindeuten, wird aber auch bei Kreislaufversagen oder Schock beobachtet. Auch Hunde mit Blutarmut oder sehr gestresste Tiere können blasse Schleimhäute aufweisen. Bläuliche Schleimhäute deuten auf Sauerstoffmangel hin; Ursachen können Atemnot, Herzerkrankungen oder Unterkühlung sein. Bei gelblichen Schleimhäuten ist meist ein Leberversagen die Ursache, bei kirschroten Schleimhäuten ist an eine Kohlenmonoxidoder Rauchgasvergiftung zu denken. Neben der Schleimhautfarbe wird auch die Füllungszeit der die Schleimhaut versorgenden, kleinsten Blutgefäße beurteilt; diese gibt Auskunft über die Durchblutung und damit Sauerstoffversorgung des peripheren Gewebes. Zur Bestimmung wird mit dem Finger die Maulschleimhaut „weiß gedrückt“, dann wird der Finger weggenommen und geschaut, wie schnell die weiße Schleimhaut wieder rosa wird. Bei einem Hund mit normaler Durchblutung wird die Schleimhaut in weniger als 2 Sekunden wieder rosa. Abweichungen von den oben genannten Parametern sind meist nicht normal, weshalb betroffene Tiere einem Tierarzt vorgestellt werden sollten.

Erste Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen beim bewusstlosen Hund

Erste Hilfe für den HundSollte der Hund nicht mehr ansprechbar sein, ist es essentiell, dass Sie als Herrchen oder Frauchen Ruhe bewahren. Wenden Sie den oben beschriebenen Untersuchungsgang in verkürzter Version an. Das Schlagwort lautet jetzt ABC: A steht für Atemwege, B für Beatmung und C für Kreislauf. Kontrollieren Sie die Atmung und öffnen Sie vorsichtig das Maul Ihres Hundes und sehen Sie nach, ob die oberen Atemwege frei sind. Entfernen Sie Erbrochenes und Schleim. Als nächstes untersuchen Sie den Kreislauf: Können Sie den Puls spüren? Ist ein Herzschlag zu hören? Als letzten Punkt des Untersuchungsgangs schauen Sie die Schleimhautfarbe an und bestimmen die Durchblutungszeit. Wenn Ihr Hund keine Atmung zeigt, die Durchblutungszeit nicht bestimmbar ist und weder Herz- noch Pulsschlag zu erkennen sind, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung. Rufen Sie um Hilfe, denn für eine erfolgreiche Wiederbelebung sind mindestens zwei Personen nötig. Veranlassen Sie, dass ein Tierarzt informiert und ein Transport dorthin organisiert wird. Die Wiederbelebung gliedert sich grundsätzlich in zwei Teilaspekte: Herzmassage und Beatmung.

● Herzmassage: Diese erfolgt beim Hund in rechter Seitenlage auf einer festen Unterlage. Drücken Sie den Brustkorb mit einer Frequenz von 80 bis 120mal pro Minute um ca. ein Drittel ein. #

● Beatmung: Parallel zur Herzmassage beginnen Sie mit der Mund-zu-Nase Beatmung und zwar 10 bis 20 mal pro Minute; der Kopf des Tieres sollte dabei überstreckt werden und ein deutliches Heben und Senken des Brustkorbs sollte zu sehen sein. Überprüfen Sie immer wieder die Effektivität der Wiederbelebungsmaßnahmen, indem Sie den Puls fühlen und das Herz abhören. Unterbrechen Sie Ihre Wiederbelebungsmaßnahmen nur, wenn unbedingt nötig und bringen Sie Ihren Hund so schnell wie möglich zum Tierarzt, denn nur dort kann Ihr Hund optimal mit Sauerstoff und Notfallmedikamenten versorgt werden. Übung macht den Meister! Auch wenn Sie am Anfang unsicher sind, üben Sie den oben beschriebenen Untersuchungsgang immer wieder am eigenen Hund. Ihr Hund sollte sich daran gewöhnen, dass das Untersuchen (auch ins Maul schauen) nichts Schlimmes bedeutet und dass er dies zu tolerieren hat. So werden Sie sicherer und das hier Gelesene lässt sich leichter in die Praxis umsetzen. Erkundigen Sie sich, ob in Ihrer Umgebung Erste-Hilfe-Kurse für Hundebesitzer angeboten werden. In solchen Kursen können Sie unter Anleitung die nötigen Fertigkeiten erlernen und eventuelle Fragen klären. Erste-Hilfe-Kurse für Tierbesitzer finden an der Veterinärmedizinischen Universität Wien wieder im Herbst statt. Für weitere Informationen wenden Sie sich an eva.eberspaecher@vetmeduni.ac.at