Epilepsie betrifft auch Katzen

Epilepsie_betrifft_auch_Katzen_1Während beim Hund die häufigste Form der Epilepsie der sogenannte „grand mal“ Anfall ist, bei dem das Tier plötzlich umfällt und krampft , sind die Anfälle bei Kat- zen wesentlich komplexer und undeutlicher. Das Erkennen der Epilepsie bei Samtpfoten ist daher schwierig. Die Symptome können sehr vielfältig sein. So zeigen z.B. viele Katzen vorübergehende Verhaltensstörungen, sind plötzlich ängstlich oder aggressiv, rennen ziellos in der Wohnung herum, springen in die Luft oder sind apathisch und zurückgezogen. Ein typisches Anfallsbild bei Katzen kann folgendes sein: Die Katze sitzt oder liegt plötzlich ruhig da, hat weit geöffnete Augen mit weiten (schwarzen) Pupillen und speichelt. Oft zeigen die Tiere dabei schmatzende Maulbewegungen und ein feines Zittern der Schnurrbarthaare und der Ohrspitzen. In diesem Zustand reagieren die Tiere nicht auf Geräusche oder andere Reize. Ganz plötzlich springt die Katze dann unkoordiniert herum oder rennt los. Diese „Kat zen- t ypi s chen“ Anfälle können dann auch in die vom Hund bekannten „grand-mal“ Anfälle mit Bewußtlosigkeit übergehen. Sofern das Tier nach einigen Minuten nicht von selbst wieder mit den Anfallssymptomen aufhört, spricht man von einem „Status Epilepticus“, der ein rasches veterinärmedizinisches Eingreifen erfordert. Die betroffenen Samtpfoten müssen in künstlichen Tiefschlaf versetzt werden, damit sich das Gehirn und der ganze Organismus wieder erholen können.

Ursache des Anfalls abklären lassen
Die medizinische Abklärung beinhaltet auch bei Katzen immer eine ausführliche klinische und neurologische Untersuchung. Sofern sich dabei der Verdacht der Epilepsie erhärtet, werden Zusatzuntersuchungen wie Blut- und Harnanalyse, Gehirnflüssigkeitsuntersuchung, Computertomographie, Magnetresonanztomographie und EEG (Elektroenzephalographie) eingesetzt, um Gewissheit zu erlangen.

EEG misst epileptische Aktivität im Gehirn
Beim EEG werden die Gehirnströme gemessen und abnorme Aktivitäten, wie die der Epilepsie, aufgezeichnet und lokalisiert. Das EEG zeigt bei Katzen, die wegen eines Status Epilepticus in Narkose gelegt wurden an, ob die epileptische Aktivität im Gehirn noch anhält oder bereits nachlässt. Somit erleichtert das EEG es, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, wann die Katze wieder aus der Narkose aufgeweckt werden kann.

Häufige Ursache: Vergiftung
Krampfanfälle nehmen ihren Ursprung immer im Gehirn und sind ein Ausdruck eines teilweisen oder vollständigen Kontrollverlustes über die Gehirnfunktionen. Die Ursache kann sowohl im Gehirn (z.B. Tumor oder Entzündung) als auch außerhalb des Gehirns (Vergiftung, Leberversagen, Nierenversagen) liegen. Bei alten Katzen werden Anfälle häufig durch einen Gehirntumor ausgelöst. Aber auch dafür gibt es schon moderne und schonende Behandlungsmethoden. Ein weiterer Grund für Krampfanfälle kann Leber- und Nierenversagen sein. Entsprechende Bluttests schaffen hier Klarheit. Eine besonders häufige Ursache für epileptische Anfälle bei Katzen sind Vergiftungen: Das gut gemeinte Verabreichen von Floh – oder Zeckenmitteln mit dem Wirkstoff Permethrin, die eigentlich für den Hund bestimmt sind, führt bei Katzen zu schweren Vergiftungssymptomen und Krampfanfällen.

Bessere Überlebenschancen durch frühzeitige Behandlung
Epileptische Anfälle bei Hauskatzen sind schwierig zu erkennen und verlaufen mitunter sehr dramatisch. Der Grund für den dramatischen Verlauf dürfte sein, dass die epileptischen Anfälle bei Katzen direkt zu Schäden in einem bestimmten Gehirnareal (Hippocampus) führen. Früher wurden diese Tiere als hoffnungslose Fälle betrachtet und eingeschläfert, heute hat eine von Dr. Akos Pakozdy durchgeführte Studie an der Kleintierklinik der Veterinärmedizinischen Universität Wien gezeigt, dass auch diese Tiere bessere Überlebenschancen bei guter Lebensqualität haben, als bisher vermutet. Je frühzeitiger die Therapie erfolgt, desto besser ist nicht nur die Überlebenschance, sondern auch die Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung.