Einmaleins der Mäusehaltung

Damit es den kleinen Nagern gut geht

Wohl jeder, der Kinder hat, ist irgendwann mit dem Thema „Haustier“ konfrontiert. „Dann hätte ich immer jemanden zum Reden und zum Streicheln und zum Spielen.“ Solche Argumente bringen schon die Jüngsten hervor. Das Bitten und Betteln der Kleinen bekommt inzwischen starken Rückenwind durch eine gesellschaftliche Debatte, die längst von einem Randthema ins Zentrum der Pädagogik gerückt ist: Kindern tut es gut, wenn sie mit Tieren aufwachsen. Etliche Studien belegen, dass sie Verantwortlichkeit lernen und Empathie entwickeln. In Stresssituationen dienen Haustiere den Kindern oft als erste Ansprechpartner und Vertraute. Beliebte Einsteigertiere sind kleine Heimtiere wie Kaninchen, Hamster oder Meerschweinchen. Immer öfter begeistern sich Kinder aber auch für Mäuse. Keine schlechte Wahl, denn Mäuse lassen sich nach der Zähmung viel lieber streicheln und umhertragen als die anderen genannten Tierarten. Wer ein paar Regeln einhält und ein für Mäuse angenehmes Umfeld aufbaut, schafft die besten Voraussetzungen für ein gelungenes Zusammenleben von Menschen und Tieren.

Gruppenhaltung erwünscht

Mäuse sind sehr soziale Tiere und nur glücklich, wenn sie mit Artgenossen zusammen sein können. Deshalb sollten immer mindestens zwei Mäuse gemeinsam gehalten werden. Noch besser ist es, wenn es vier Mäuse sind. Für Gruppenhaltung eignen sich Weibchen am besten. Wenn es sich um Schwestern handelt, herrschen meist Harmonie und Ruhe. Auch ein Harem mit einem kastrierten Männchen und mehreren Weibchen ergibt einen harmonischen Verbund. Aber Vorsicht: Es darf wirklich nur ein Männchen in der Gruppe sein. Andernfalls kann es zu ernsten und schweren Kämpfen kommen, die nicht selten mit massiven Verletzungen enden. Ist die Gruppe erst zusammengestellt, sollte es möglichst selten Veränderungen geben. Jedes Tier, das neu hinzukommt, sorgt für Stress.

Mäuse brauchen Platz und Strukturen

Es gilt der Grundsatz: Zu groß kann ein Käfig gar nicht sein. Die kleinen Nager sind exzellente Kletterer, weshalb der Lebensraum auch nach oben reichlich Bewegungsmöglichkeit bieten sollte. Die aktuelle Empfehlung für die Käfiggröße für zwei Mäuse lautet: 80 Zentimeter lang, 50 Zentimeter breit und einen Meter hoch. Wer mehr Platz anbieten kann, dem sind keine Grenzen gesetzt. Etliche kommerziell erhältliche Käfige haben einen zu großen Abstand der Gitterstäbe. Acht Millimeter – das ist der Maximalabstand zwischen den Stäben, damit die cleveren Nager nicht ausbüxen können. Bei der Einstreu ist zu berücksichtigen, dass Mäuse gern buddeln, und damit ihr Erkundungsverhalten und ihre Neugier ausleben. Am besten unten etwas Zeitungspapier auslegen, darüber kommt eine 10 Zentimeter dicke Schicht mit Kleintierstreu, die gern mit Stroh und Heu gemischt werden kann. Das Mäusereich braucht außerdem Strukturen, mit denen die Höhe ausgenutzt wird. Im Käfig können beispielsweise mehrere Ebenen eingezogen werden, die über Leitern oder Seile verbunden sind. Selber gesammelte Zweige von Haselnusssträuchern oder Äste von Obstbäumen eignen sich perfekt zum Klettern.

Mehr Bewegung durch Auslauf

Mäuse sind dämmerungs- und nachtaktiv. In ihren Wachphasen lieben und brauchen sie Bewegung. Sie können klettern, springen und sogar ausgezeichnet schwimmen. Für die Haltung bedeutet das: Wer handzahme Mäuse hat, die sich ohne Stress aus dem Käfig nehmen lassen, kann die Bewegungsmöglichkeiten mit regelmäßigem Auslauf erweitern. Dafür muss das Auslaufareal ausbruchssicher sein. Es empfiehlt sich außerdem, die Mäuse während des Freigangs immer im Auge zu behalten. Falls sich die Möglichkeit bietet, ist ein Auslauf ideal, für den nur die Käfigtür geöffnet werden muss, so dass die Tiere jederzeit zurück in ihr Heim können. Um dem Bedürfnis nach Bewegung noch mehr Möglichkeiten zu bieten, gehört ein Laufrad in den Käfig. Es darf keine Streben haben, sondern muss überall geschlossene Flächen aufweisen, damit sich die Füßchen der Mäuse nicht versehentlich verfangen. Zudem ist darauf zu achten, dass es nicht quietscht oder klappert, sondern geräuschfrei läuft. Und: Der Durchmesser eines Laufrades sollte mindestens 25 Zentimeter betragen. Hintergrund: Ist das Laufrad kleiner, wird der Rücken des Mäuschens zu sehr gebogen. Das kann auf Dauer gesundheitliche Probleme bereiten.

Ruhephasen wichtig

Wer sich viel bewegt, braucht auch Phasen der Entspannung. Versetzt man sich in die Lage einer Maus, ist leicht vorstellbar, dass dafür geschützte Bereiche gefragt sind. Mäuse gehören schließlich zu den kleinen Beutetieren, und Gefahren lauern immer und überall. Für die artgerechte Haltung bedeutet das: Größere, freie Flächen sind den Tieren unheimlich. Der Lebensraum sollte klein strukturiert und mit Versteckmöglichkeiten ausgestattet sein. Ob Blumentöpfe aus Ton, halbierte Kokosnussschalen, Weidenkörbchen oder Holzhäuschen – auf jeder Etage im Käfig sollte sich eine Versteck- und Ruhemöglichkeit finden. Der Eingang sollte mindestens vier Zentimeter breit sein und keine scharfen Kanten aufweisen. Heu als Nestbaumaterial ist für die Ausstattung der Höhle ideal.

So werden Mäuschen zahm

Zwar sind Mäuse als kleine Beutetiere recht schreckhaft, andererseits sind sie so neugierig, dass sie alles, was sie nicht kennen und das nicht nach Bedrohung ausschaut, sofort erkunden und untersuchen müssen. Für die Gewöhnung an die Hand ist es ratsam, sich mit speziellen Leckerbissen auszurüsten. Schon bald werden die Mäuse interessiert daran schnuppern und knabbern.

Haben sie verstanden, dass von Händen keine Gefahr ausgeht, lassen sie sich bald streicheln. Tipp für das erste Hochheben der Mäuse: Mit der Hand eine Höhle formen. Dann fühlen sich die Tiere am sichersten. Alle Bewegungen sollten ruhig und behutsam erfolgen. Damit die Mäuse ein Leben lang zahm bleiben, empfehlen Experten täglich eine Stunde Beschäftigung mit ihnen.

Was tun bei Aggressionen und Verhaltensstörungen

■ Streiten sich die Mäuse, liegt es fast immer an einer falschen Zusammensetzung der Gruppe. Als erste Maßnahme sollten die aggressiven Tiere voneinander und von den friedlichen Mäusen getrennt werden. Waren die Streitereien vorher noch mild und unblutig, kann man versuchen, die Tiere in einem großen Gehege auf neutralem Boden zusammenzusetzen. Wichtig dabei: Es muss viele Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten geben. Sind die Auseinandersetzungen aber brutal, sollten die Tiere dauerhaft getrennt bleiben. Für männliche Mäuse gilt das sowieso.

■ Zeigen Mäuse eine Verhaltensweise zwanghaft immer wieder, kann es sich um eine Stereotypie handeln. Der Ablauf ist immer gleich und sehr eintönig. Beispiele für Mäusestereotypien sind Gitternagen, Gitterhangeln und Springen. Die Ursache dafür ist häufig ein Fehler in der Haltung. Ein größeres Gehege mit mehr Abwechslung durch Zweige, Höhlen und Beschäftigungsmaterial kann Abhilfe schaffen. Auch mit der Fütterung können neue Reize ins Mäuseleben einkehren. Der Tierarzt weiß in konkreten Fällen, wie man dem Problem am besten entgegenwirkt.

Wenn sich Mäuse wohlfühlen

Wer genau wissen will, wie es um das Wohlbefinden seiner Mäuse bestellt ist, bekommt durch Beobachtung alle wichtigen Informationen. Gesunde Mäuse, denen es gut geht, rennen fleißig umher. Sie benützen dazu immer dieselben Pfade durch ihr Revier. Mit großen, weit geöffneten Augen und aktivem Geschnupper erkunden sie die Umgebung. Wenn sie Pausen einlegen, drängen sie sich gern in eine Ecke oder an die Käfigwand, kuscheln sich aneinander und liegen teilweise pyramidenartig auf einem Haufen. Bei Laufspielen wechseln sich die Mäuse immer wieder ab: Einer ist der Jäger, der andere der Gejagte. Regelmäßige Fellpflege gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten einer Maus, die sich pudelwohl fühlt. Vorn bei den Pfoten fängt sie mit der Körperhygiene an, dann werden Bauch, Popo und Schwanz geputzt. Das passiert in aller Ruhe. Wenn nicht, könnte es sich auch um stressbedingtes Putzen handeln. Insgesamt sind Mäuse für ältere Kinder, die schon sanft mit Tieren umgehen können ebenso geeignet wie für berufstätige Erwachsene, die sich erst abends den vierbeinigen Lieblingen widmen können.


Vorsicht vor dem Projekt „Nachzucht“

Eine Maus kann unter guten Bedingungen zehn Würfe mit je drei bis acht Jungen im Jahr haben. Das sorgt schnell für Pro-bleme in der Vermittlung. Außerdem ändert die Mäusedame in der Mutterschaft oft ihr Verhalten und kann aggressiv sein, der Vater beißt den Nachwuchs unter Umständen tot. Darum die Empfehlung, im besten Fall ein kastriertes Männchen in einer Weibchen-Gruppe zu halten.

Von Tierärztin Tanja Warter