Ein Knoten in den Pfoten

Ein_Knoten_in_den_Pfoten_indexPhysiotherapeutische Übungen für Hundekinder

Jetzt wo es endlich Frühling geworden ist, sieht man wieder überall auf den Hundewiesen verspielte junge Hunde herumtollen. Und wer kennt es nicht – das Bild eines scheinbar zu schnell groß gewordenen „Riesenbabys“, das noch nicht genau weiß, wie man die viel zu langen Beine koordiniert bewegt.

In solchen Fällen können therapeutische Bewegungsübungen und Massagen helfen, die Koordination und das Körperbewusstsein junger Hunde zu verbessern.
Die nachfolgend beschriebenen Techniken eigen sich gut zur selbstständigen Durchführung bei Ihrem Hund, sollten aber vor der Anwendung bei einem in physiotherapeutischen Techniken geschulten Experten besprochen und eingeübt werden.

Massage für den vierbeinigen Tollpatsch
Gerade Junghunde großer Rassen, wie beispielsweise Dobermann oder Rottweiler, bewegen sich oft recht tollpatschig und sind mit Ihren, wie es scheint „zu vielen“ und zu langen Beinen doch recht überfordert. Da zu den Wirkungen der klassischen Massage auch die Verbesserung der Körperwahrnehmung zählt, hat es sich bewährt solche Hunde schon von klein auf zu massieren um ihnen ein besseres Gefühl dafür zu geben „wo sie anfangen und wo sie aufhören“.

Bei Massagen ist es wichtig, dass stets die Reaktion des Tieres im Mittelpunkt steht : Das Massieren darf nie unangenehm sein oder gar wehtun! Kontraindikationen, bei deren Vorliegen man auf den Einsatz der Massage verzichten sollte, sind Entzündungen der Haut, Tumore, Fieber, erhöhte Neigung zu Blutungen sowie Herz- und Kreislaufprobleme.

Im Folgenden sind einige Griffe der klassischen Massage beschrieben, die mit einiger Übung zu erlernen sind und sich besonders dafür eignen, sie beim jungen Hund selbst anzuwenden.

Streichen (Effleurage):
Beim Streichen handelt es sich um einen oberflächlichen Griff, der immer am Anfang und am Ende einer Massagesitzung stehen sollte. Streichungen werden langsam mit der flachen Hand, sanft mit dem Haarstrich am Rücken beginnend über Vorder- und Hinterbeine ausgeführt.

Dabei sollte immer eine Hand am Hund bleiben und zuerst mit sehr leichtem, später mit etwas festerem Druck massiert werden.

Kneten (Petrissage):
Oberflächliches Kneten: Bei diesem Griff wird die Haut vorsichtig erfasst und sanft gegen die tiefer liegenden Strukturen verschoben. Auch bei der oberflächlichen Knetung beginnt man am Rücken und behandelt anschließend die Beine. Am Ende sollte aber, wie zu Beginn der Massage, die Streichung folgen. Bewegungsübungen zur Verbesserung der Koordination

Passive Bewegungstherapie:
Dies ist eine weitere Methode, die der Tierhalter bei seinem Junghund in Form von sogenannten Distanten passiven „Range of Motion“ -Übungen durchführen kann. Die „Range of Motion“ oder das Bewegungsausmaß von Gelenken gehört zu den Dingen, die ein junger Hund durch Bewegung erst erfahren muss. Um ihn dabei zu unterstützen, eignen sich diese einfach durchzuführenden Übungen, die entweder isoliert, also Gelenk für Gelenk oder als komplexe Übungen durchgeführt werden können.

Unter passiven Bewegungsübungen versteht man die Bewegung von Gelenken ohne die Muskelarbeit des Hundes, also durch eine äußere Kraft. Zur Durchführung sollte der Hund immer in eine physiologische, für ihn bequeme Ausgangsstellung verbracht werden, dies ist meist die Seitenlage oder eine sitzende Stellung. Der zu behandelnde Körperbereich sollte frei zugänglich sein und genügend Platz vorhanden sein, um alle Bewegungen ausführen zu können. Wie bei allen physiotherapeutischen Maßnahmen ist auch hier die Entspannung des Tieres der Schlüssel zum Erfolg. Alle Bewegungen werden immer von der körperfern liegenden Hand ausgeführt, die körpernah liegende dient der Fixierung und Stabilisierung. Alle Bewegungen müssen ruhig und fließend durchgeführt werden, und das Gelenk wird vorsichtig und langsam innerhalb des möglichen Bewegungsausmaßes bewegt. Das Erreichen dieser endgradigen Bewegung sollte nicht überschritten werden, also keine Dehnung herbeigeführt werden. Die Bewegung erfolgt in Beugung und Streckung und sollte ungefähr 3-5-mal täglich mit jeweils 10 Wiederholungen durchgeführt werden.

Isolierte Bewegungen:
Die passiven Bewegungsübungen können an jeweils einem Gelenk ausgeführt werden, wie hier am Beispiel des Ellbogengelenkes oder des Hüftgelenkes. Komplexe Bewegungen: Es können aber auch mehrere Gelenke gleichzeitig behandelt werden, in Form von „Radfahrübungen“ im Liegen oder im Stehen. Diese komplexen passiven Bewegungsübungen dienen auch einem Üben der physiologischen Bewegungsabläufe. Aktive Bewegungstherapie: Aktive Bewegungsübungen eignen sich hervorragend dazu, die Muskulatur zu trainieren und damit eine bessere Stabilisation von Gelenken zu gewährleisten. Aber auch die Koordination, die besonders beim Junghund extrem wichtig ist, und das Bewusstsein eines Tieres dafür, wo und wie es sich im Raum bewegt, können mit bestimmten Übungen gefördert werden. Nachfolgend sind einige Übungen beschrieben, die sich gut anwenden und in den Alltag des Hundes integrieren lassen. Auch für diese Übungen ist ein vorangehendes Beratungsgespräch und das Einüben der Techniken unbedingt notwendig, da durch falsch angewandte Übungen dem Tier Schaden zugefügt werden kann.

Cavaletti – Training
Das Cavaletti Training ist sicher jedem bekannt, der sich mit Pferdesport beschäftigt – aber auch für Hunde hat sich diese Form des Trainings bewährt. Die Cavaletti Arbeit fördert die Schrittlänge, die Belastung der Extremitäten und die aktive Range of Motion „ROM“ ( Bewegungsausmaß) der Gelenke. Stangen auf dem Boden dienen als Hindernis und zwingen den Hund dazu, seine Beine höher zu heben und die Schritte bewusster zu machen, wenn man ihn langsam und kontrolliert (an der Leine) darüber führt. Als „Cavaletti“ kann man auch behelfsmäßig Besenstangen oder dergleichen „zweckentfremden“. Man legt diese Hindernisse zu Beginn flach auf den Boden in einem Abstand, der etwas geringer als die normale Schrittlänge des Hundes ist. In weiterer Folge können sowohl die Höhe als auch die Distanzen geringfügig verändert werden um das Bewußtsein des Tieres für die Bewegung im Raum zu fördern. Man beginnt die Übung im Schritt und steigert das Tempo langsam von Tag zu Tag bis der Hund über die Hindernisse trabt.

Übungen am Wackelbrett oder am orthopädischen Sitzkissen
Auf dem Wackelbrett werden neben der Ausdauer auch die Koordination und das Bewußtsein für die Bewegung im Raum trainiert. Dazu kann man sehr gut die handelsüblichen Wackelbretter für den Menschen verwenden oder orthopädische Sitzkissen. Je nach Größe des Hundes kann man ihn entweder ganz, mit allen vier Beinen auf dem Brett, oder mit jeweils beiden Vorder- oder Hinterbeinen auf dem Wackelbrett platzieren. Nun werden vorsichtige Vor- und Rück- bzw. Seitwärts- Bewegungen ausgeführt – OHNE den Hund dabei herunterrutschen zu lassen. Auch hier beginnt man mit kürzeren Einheiten und steigert langsam bis zu 4x täglich 10-15 Bewegungen.

Luftmatratze oder Trampolin:
Übungen auf halbaufgeblasenen Luftmatratzen oder dem Trampolin sind ebenso gut geeignet Kraft und Koordination zu steigern und machen auch noch Spaß. Man kann sich entweder mit dem Hund auf die bewegliche Unterlage stellen und durch Verlagerung des eigenen Gewichtes den Hund aus seinem Gleichgewicht bringen, was dieser wiederum korrigieren muss, oder man stellt den Hund alleine darauf und bewegt die Unterlage mit den Händen. Natürlich eignen sich nicht alle beschriebenen Techniken für jeden Hund gleichermaßen. Beim Üben werden sich einzelne Übungen herauskristallisieren, bei denen man merkt, dass sie dem jungen Hund (und auch dem Besitzer!) richtig Spaß machen. Der Schlüssel zum Erfolg ist aber auch hier, wie so oft im Leben, genügend Abwechslung.